Kompensationsmaßnahmen im Straßenbau

Straßenbau ist ohne einen Eingriff in die Natur kaum möglich. Da aber Pflanzen und Tiere ein Recht auf Lebensraum haben, muss der Mensch solche Eingriffe wieder kompensieren, also ausgleichen. Entsprechende Gesetze, Verordnungen und Richtlinien stellen sicher, dass der Umwelt bei der Planung von Straßen Rechnung getragen wird. Straßen.NRW setzt dabei nicht nur auf eigenes Know-how, sondern arbeitet eng mit externen Fachleuten zusammen. Diese Seite gibt einen Überblick über einige gängige Kompensationsmaßnahmen.

Stillgewässer / Blänken

Foto: Stillgewässer

Kennzeichnend für Stillgewässer ist - wie der Name bereits nahelegt - das weitgehend stillstehende Wasser an der Oberfläche. Naturnahe Stillgewässer zeichnen sich in der Regel durch eine strukturreiche, vielfältige Vegetation aus. Im Flachland und in den Niederungen wird vor allem die so genannte Blänke angelegt. Hierbei handelt sich um ein flaches Gewässer, das auf natürlichem Wege durch Stau- oder Regenwasser gespeist wird. Der Wasserstand wechselt dementsprechend und hängt von der Jahreszeit ab.

Charakteristisch für Blänken ist die hohe Vielfalt an Pflanzen (zum Beispiel Binsen, Gräser, Schilf oder Wasserlinsen). Darüber hinaus bieten sie Wiesenvögeln und Amphibien einen attraktiven Lebensraum. Die heute in der Landschaft anzutreffenden Blänken sind zumeist vom Menschen angelegt ("Sekundärbiotope"). Selbst nutzen sollte der Mensch die Stillgewässer im Sinne der ökologischen Vielfalt allerdings nicht - sie dienen nicht als Badesee. Ebenso wenig stellen sie eine neue Bleibe für Fische dar, für die im heimischen Gartenteich oder Aquarium kein Platz mehr ist.

Streuobstwiesen

Foto: Streuobstbaum

Streuobstwiesen haben in vielen Regionen von Nordrhein-Westfalen über Jahrzehnte die Landschaft geprägt. Höfe und Siedlungen waren umgeben von Grüngürteln, die häufig aus verschiedenen Obstgehölzen bestanden. Als Streuobstwiesen bezeichnet man die traditionellen Formen des Obstanbaus, bei denen großkronige und meist hochstämmige Bäume verschiedener Obstarten und -sorten mehr oder weniger locker über das Grünland "gestreut" erscheinen. 1949 verfügten noch circa 82 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe über Obstbäume. Ab Mitte der 1950er Jahre, mit dem Aufkommen moderner Produktionsverfahren, begannen jedoch umfangreiche Rodungen. Seit den 1980er Jahren wird deshalb aus Gründen der Landschaftsästhetik sowie des Umwelt- und Naturschutzes verstärkt versucht, Streuobstwiesen zu erhalten und neu anzulegen. Denn diese haben eine herausragende Bedeutung für die biologische Vielfalt in Mitteleuropa, bieten sie doch zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Die Tiere auf Streuobstwiesen profitieren von den saisonalen Nahrungsspitzen (Blüte, Fruchtfall und Mahd) und den Nahrungseigenarten (unter anderem faulendes Obst, Totholzhaufen).

Der ökologische Wert von Streuobstwiesen steigt dabei mit zunehmenden Alter. Bedingung hierfür sind jedoch eine dauerhafte und fachgerechte Pflege und regelmäßige Nachpflanzungen mit regionaltypischen Sorten. Streuobstwiesen mit Bäumen aller Altersstufen sind besonders abwechslungsreich und bieten somit zahlreichen wirbellosen Tierarten einen Lebensraum. Die verschiedenen Bestandteile der Obstbäume (Blüten, Blätter und Holz) sind Nahrung für viele Insektenarten. Der Höhlenreichtum alter Obstbäume dient vielen Vogelarten als Lebensraum. Bewohner von Streuobstwiesen sind zum Beispiel Amsel, Blaumeise, Buchfink, Feldsperling, Gartenrotschwanz, Grauschnäpper, Grünspecht, Kohlmeise und Star. Die charakteristische Tierart der Streuobstwiese in Nordrhein-Westfalen ist der Steinkauz. Viele weitere Säugetiere profitieren vom Höhlenreichtum der Streuobstwiesen, etwa Haselmaus, Gartenschläfer oder Siebenschläfer. Fledermäuse nutzen Obstwiesen als Jagdrevier und die Baumhöhlen als Unterschlupf.

Aufforstung

Foto: Heckenpflanzung

Gebüsche, Hecken und Feldgehölze sind wichtige Landschaftselemente unserer Kulturlandschaft. Sie erstrecken sich entlang von Wegen und Straßen, prägen viele Ortsränder und sind Bestandteil der Siedlungen. Die Gehölzstrukturen sind keine natürlichen Bestandteile der Landschaft. Besonders die Hecken haben seit Jahrhunderten vielfältige Aufgaben. Lange Zeit dienten sie als Schutzwehr und auch heute noch übernehmen sie teilweise die Funktion eines "lebenden Zaunes" und markieren Grenzen. Darüber hinaus hatten zum Beispiel Wallhecken bis in die 1950er Jahre regional große Bedeutung für die Brennholzversorgung. Traditionelle Heckenlandschaften finden wir in der ganzen Bundesrepublik. In Nordrhein-Westfalen sind etwa Wallhecken wesentlicher Bestandteil der Landschaft im Münsterland.

Entsprechend den standörtlichen Gegebenheiten dienen Gebüsche, Hecken und Feldgehölze dem Wind- und Erosionsschutz. Sie haben positiven Einfluss auf den Wasserhaushalt und wirken als Luftfilter. Die Gehölzstrukturen sind vielfach in Gras- und Krautzone, Strauchschicht und Baumschicht gegliedert. Aufgrund des hohen Strukturreichtums (dunkel bis hell, feucht bis trocken, kühl bis warm) bieten Gebüsche, Hecken und Feldgehölze besonders wertvolle Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt.

Werden Sträucher und Hecken neu angelegt, kommen dabei einheimische und standortgemäße Arten zum Zuge. Bei den Sträuchern zum Beispiel Hartriegel, Hasel, Heckenrose, Liguster, Pfaffenhütchen, Schlehe, Schneeball oder Weißdorn. Bei Baumarten unter anderem Ahorn, Birke, Buche, Eiche, Hainbuche, Kirsche und Vogelbeere.

Bei fachgerechter Anlage, Pflege und Unterhaltung schaffen Gehölzstrukturen, also Gebüsche, Hecken und Feldgehölze, für viele Pflanzen- und Tierarten neue Lebensräume. Zu finden sind viele Vogelarten, Insekten und Schmetterlinge. Je nach Struktur sind auch schnell Amphibien und Reptilien zu finden. Auch Feldhase, Igel, Iltis oder Wiesel nutzen diese Biotope mitunter als Lebensraum oder für ihre Nahrungssuche.