Winterdienst bei Straßen.NRW

Foto: Winterdienstfahrzeug vor Salzhalle

Rund 1.900 Straßenwärterinnen und Straßenwärter bei Straßen.NRW gehen in den 29 Autobahn- und 51 Straßenmeistereien Jahr für Jahr im Schichtbetrieb an ihre Grenzen, um die rund 20.000 Kilometer Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen möglichst schnee- und eisfrei zu halten. Die folgenden Seiten geben einen Überblick über den Winterdienst bei Straßen.NRW.

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Daten und Fakten
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Foto: Salz laden in der Salzhalle

Spätestens ab November beginnt bei Straßen.NRW die Wintersaison. Dann sind die beiden Winterdienstzentralen in Hamm und Krefeld besetzt. Hier finden Sie einige Daten und Fakten zur aktuellen Saison und zu langjährigen Erfahrungswerten.

Grundlagen für die Winterdienst-Einsätze

  • Autobahnen sollen 24 Stunden täglich, wichtige Straßen für den überörtlichen Verkehr von 6 bis 22 Uhr befahrbar sein. So sieht es das bundesweit gültige "Anforderungsniveau Winterdienst" vor.
  • Befahrbarkeit schließt ein, dass mit Behinderungen bzw. stellenweise auch mit einer geschlossenen Schneedecke auf den Straßen gerechnet werden muss.
  • Eine Garantie oder gar ein Recht auf geräumte und rutschsichere Fahrbahnen gibt es nicht. Im Bundesfernstraßengesetz heißt es dazu: "Die Träger der Straßenbaulast sollen nach besten Kräften ... die Bundesfernstraßen bei Schnee und Eisglätte räumen und streuen."
  • Bei der Planung der Winterdienstrouten müssen Prioritäten und zeitliche Vorgaben berücksichtig werden. Stark frequentierte Straßen und besondere Gefahrenpunkte, wie gefährliche Steigungs- oder Gefällestrecken oder durch Verwehungen gefährdete Abschnitte haben Vorrang im Winterdienst.
  • Auch die Umleitungsstrecken für Autobahnen (Bundes- und Landesstraßen) haben eine hohe Priorität.

Statistik

Winterdienststrecken von Straßen.NRW

  • Autobahnen: 2.220 Kilometer. Das bedeutet für den Winterdienst rund 4500 Kilometer Streu- und Räumstrecke, wenn man beide Fahrtrichtungen berücksichtigt. Hinzu kommen Anschlussstellen, Autobahnkreuze und -dreiecke
  • Bundesstraßen: rund 3.480 Kilometer (freie Strecke)
  • Landesstraßen: rund 9.640 Kilometer (freie Strecke)
  • Kreisstraßen: rund 1.000 Kilometer

Eingelagertes Salz: 130.000 Tonnen in den 220 Salzhallen der 80 Meistereien des Landesbetriebes und 75.000 Tonnen Reserve in zwei Zentrallagern (Rheinberg, Saerbeck)

Darüber hinaus verfügt Straßen.NRW über einen Vertrag mit der Salzindustrie, um eine kontinuierliche Lieferung mit Streusalz zu gewährleisten.

Winterdienstzentralen: Standorte in Hamm und Krefeld. Die Zentralen sind spätestens ab November rund um die Uhr besetzt.

Einsatzkräfte: rund 1.900 Straßenwärter, einschl. Werkstattpersonal

Einsatzfahrzeuge: rund 700 Streu- und Räumfahrzeuge, unter anderem 28 Fahrzeuge mit Flüssigstreuer. Sie "streuen" bei Präventiveinsätzen auf Autobahnen in Wasser aufgelöstes Streusalz.

Technische Ausrüstung: unter anderem 220 Straßenwetterstationen an Autobahnen und 60 entsprechende an Bundesstraßen für die Straßenzustandsüberwachung

Hauptwinterdienstmonate (langjährig): Januar und Februar

Wissenswertes zu Eis und Glätte

  • Blitzeis (meteorologisch "Glatteis"): Entsteht, wenn Regen auf gefrorenen Boden oder unterkühlter Regen (unter 0 Grad Celsius) auf den Boden fällt. Hierdurch entsteht eine sehr homogene und glatte Eisschicht.
  • Glatteis: Homogene Eisschicht, die durch Eisregen (Temperatur der Regentropfen unter null Grad Celsius) oder durch Regen auf eine unterkühlte Verkehrsfläche entsteht.
  • Reifglätte: Entsteht durch Gefrieren von Luftfeuchtigkeit auf der Verkehrsfläche. Häufiges Problem auf Brücken, wenn deren Fahrbahnoberflächen in der Nacht gegenüber der Luft unterkühlen und deren Temperatur unter null Grad Celsius fällt.
  • Schneeglätte: Entsteht durch das Festfahren oder Festtreten einer am Boden vorhandenen Schneedecke
  • Hagelschauer: Treten häufiger in Übergangszeiten oder im Sommer bei Gewitter auf. Da diese räumlich begrenzt und teilweise mit großen Niederschlagsmengen auftreten, sind sie eine große Gefahr für den Verkehrsteilnehmer.

Streusalzverbrauch

Streusalzverbrauch Saison 2017/18: rund 153.400 Tonnen

Durchschnittlicher Streusalzverbrauch (letzte 20 Jahre): rund 140.500 Tonnen pro Wintersaison

Grafik: Sreusalzverbrauch

Kosten für den Winterdienst

Kosten Saison 2017/18: circa 35,4 Millionen Euro

Durchschnittliche langjährige Kosten (bezogen auf aktuelle Preise): rund 35 Millionen Euro

Die Einsatzplanung
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Foto: Die Winterdienstzentrale
Winterdienstzentrale Krefeld (Straßen.NRW)

Kern der Einsatzsteuerung sind die Winterdienstzentralen von Straßen.NRW. Sie sind jeweils den Autobahnniederlassungen Hamm und Krefeld angegliedert. Von November bis April überwachen und bewerten die Mitarbeiter der Winterdienstzentralen die kurzfristige Wetterentwicklung und den Straßenzustand auf den nordrhein-westfälischen Autobahnen. Die Mitarbeiter der Winterdienstzentrale stehen bei ihrer Arbeit im engen Kontakt mit der Autobahnpolizei und dem Deutschen Wetterdienst. Ständig werden Informationen ausgetauscht.

Deutet sich eine Wetterlage an, die einen Winterdiensteinsatz erfordern könnte, informiert die Winterdienstzentrale den Bereitschaftsdienst der jeweiligen Autobahnmeisterei. Während der normalen Arbeitszeiten behalten die Meistereien die Wetterlage natürlich auch selbst kontinuierlich im Auge und planen daraufhin ihre Einsätze. Die Straßen.NRW-Autobahnmeistereien sind werktags von 7.30 bis 16.15 Uhr (freitags 13.30 Uhr) besetzt. Deutet sich nach den Wetterprognosen eine winterliche Lage außerhalb dieser Zeiten an, wird ein Bereitschaftsdienst eingerichtet.

Grundlagen für die Winterdienst-Einsätze

  • Autobahnen sollen 24 Stunden täglich, wichtige Straßen für den überörtlichen Verkehr von 6 bis 22 Uhr befahrbar sein. So sieht es das bundesweit gültige "Anforderungsniveau Winterdienst" vor.
  • Befahrbarkeit schließt ein, dass mit Behinderungen bzw. stellenweise auch mit einer geschlossenen Schneedecke auf den Straßen gerechnet werden muss.
  • Eine Garantie oder gar ein Recht auf geräumte und rutschsichere Fahrbahnen gibt es nicht. Im Bundesfernstraßengesetz heißt es dazu: "Die Träger der Straßenbaulast sollen nach besten Kräften ... die Bundesfernstraßen bei Schnee und Eisglätte räumen und streuen."
  • Bei der Planung der Winterdienstrouten müssen Prioritäten und zeitliche Vorgaben berücksichtig werden. Stark frequentierte Straßen und besondere Gefahrenpunkte, wie gefährliche Steigungs- oder Gefällestrecken oder durch Verwehungen gefährdete Abschnitte haben Vorrang im Winterdienst.
  • Auch die Umleitungsstrecken für Autobahnen (Bundes- und Landesstraßen) haben eine hohe Priorität.

Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst hat Straßen.NRW 1987 ein System entwickelt, das eine regionale Prognose der Wetterentwicklung anbietet: SWIS - das "Straßenzustands- und Wetterinformationssystem".

Grafik: SWIS - das Straßen- und Wetterinformationssystem

Mittlerweile wird SWIS, das eine regionale Prognose der Wetterentwicklung ermöglicht, bundesweit von den Winterdienstorganisationen genutzt. Basis des SWIS sind neben den nationalen und internationalen meteorologischen Daten die Messwerte der Straßenwetterstationen der Bundesländer.

Straßenwetterstationen liefern aktuelle Daten

Foto: Straßenwetterstationen überwachen den Straßenzustand

Bei Straßen.NRW sind aktuell rund 220 Straßenwetterstationen im Autobahnnetz und rund 60 im Zuge von Bundes- und Landesstraßen installiert. Hiermit wird der Straßenzustand überwacht. Die Straßenwetterstationen erfassen punktuell auf Brücken und in kritischen Streckenabschnitten meteorologische Daten (Lufttemperatur, relative Luftfeuchte und Niederschlag) und Straßenzustands-Daten (Oberflächentemperatur, Fahrbahn trocken oder feucht und Eisbildung).

Die Winterdienstzentralen und Meistereien nutzen diese Daten, um einen zielgerichteten und gegebenenfalls auch vorbeugenden Winterdiensteinsatz durchzuführen. Der Deutsche Wetterdienst erstellt unter Einsatz von speziellen Prognosemodellen detaillierte SWIS- Straßenwetterprognosen für klimatisch einheitliche Regionen unterteilt nach Höhenstufen.

Die Ausrüstung für das Winterdienstfahrzeug
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Der Fuhrpark des Straßen.NRW-Winterdienstes besteht aus rund 520 Straßen.NRW-eigenen LKW und Geräteträgern. Üblicherweise werden die Fahrzeuge im Herbst auf die bevorstehende Winterdienstsaison vorbereitet. Die Fahrzeuge werden dann von den Straßenwärtern mit Schneepflügen sowie Streumaschinen für Salz und Sole ausgerüstet.

Foto: Räumfahrzeug im Einsatz

Die einzelnen Schneepflüge haben unterschiedliche Größen. Die Standard-Frontschneepflüge haben eine Räumbreite von rund 3,00 bis 3,40 Meter. Der Frontpflug, der zur Autobahnräumung zum Einsatz kommt, hat eine Räumbreite von rund 4,15 bis 4.30 Meter. Ein seitlich am Winterdienstfahrzeug montierter Schneepflug kommt auf eine Räumbreite von ca. 2,50 Meter. Die Gesamträumbreite eines Winterdienst-LKW auf Autobahnen mit Front- und Seitenschneepflug beträgt somit rund 6,50 Meter.

Foto: Schneefräse

Die Streu- und Räumfahrzeuge sind mit Allwetterreifen und Schleuderketten ausgestattet. Diese Ketten werfen sich bei Bedarf auf Knopfdruck automatisch vor die Reifen der Hinterachse, um so die Traktion zu erhöhen und ein Durchdrehen der Räder auf einem glatten Untergrund zu verhindern. Außerdem im Straßen.NRW-Bestand: circa 60 Spezialgeräte wie Schneefräsen und Schneeschleudern zur Beseitigung von Schneeverwehungen und Schneerandwällen.

Außerhalb der Autobahnen, auf den Bundes- und Landesstraßen unterstützen Fremdfirmen mit rund 180 Unternehmer-LKW die Straßenmeistereien im Winterdienst.

Die Ausrüstung für die Straßenwärter
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Foto: Straßenwärter im Einsatz

In Jeans und Lieblingspullover den Schnee räumen - das geht nicht. Jeder der rund 1.900 Straßenwärter bei Straßen.NRW trägt seine "Persönliche Schutzausrüstung" (PSA). Dadurch ist das Betriebsdienstpersonal im Einsatz -auch mit schwerem Gerät und an der Strecke - optimal geschützt.

Die "Soll-Ausrüstung" eines Straßenwärters bei Straßen.NRW besteht aus: vier Garnituren Warnschutzkleidung (eine Garnitur besteht aus einer Arbeitsjacke und einer Bundhose oder Latzhose); zwei Garnituren Wetterwarnschutzkleidung (eine Garnitur besteht aus einem Wetterwarnschutzparka und einer Wetterwarnschutzhose); einer Warnschutzpilotenjacke, zwei Warnschutzfleecejacken oder Warnschutzsoftsheljacken sowie Warnschutzshirts.

Schutz vor Feuchtigkeit, Wind und Kälte

Foto: Straßenwärter im Einsatz

Welche Ausrüstung die jeweils richtige ist, hängt von mehreren Faktoren ab: Jahreszeit, Art der Tätigkeit, persönliche Vorlieben. Allerdings gilt nicht "Erlaubt ist, was gefällt". Jeder Straßenwärter kann vielmehr aus einem von Straßen.NRW vorgegebenen Produktkatalog die für ihn beste Lösung auswählen. Dieser Produktkatalog richtet sich nach den einschlägigen Arbeitssicherheitsbestimmungen und wird ständig überprüft, angepasst und gegebenenfalls erweitert.

Die Winterdienstbekleidung muss vor allem folgende Funktionen erfüllen: Vorgaben zur Arbeitssicherheit, Schutz vor Feuchtigkeit, Wind und Kälte. Dabei ist es nicht nur wichtig, dass möglichst wenig Feuchtigkeit den Weg von außen nach innen findet. Ebenso muss Feuchtigkeit von innen - Winterdienst ist trotz aller Kälte mitunter eine schweißtreibende Angelegenheit - möglichst effektiv nach außen abgegeben werden.

Erkennbar durch reflektierende Streifen

Die reflektierenden Streifen an der Warnschutzkleidung sind bei Straßen.NRW so angebracht, dass Verkehrsteilnehmer den Umriss eines menschlichen Körpers ("Bodylanguage") wahrnehmen können ("360 Grad Erkennbarkeit").

Ebenso im PSA-Katalog von Straßen.NRW: Funktionsunterziehwäsche, Sicherheitsschuhe mit Winterfutter und Nässeschutz, Funktionssocken, getönte Schutzbrillen, Handschuhe mit Nässe- und Kälteschutz, Baumwollmützen oder Basecap mit Ohrenschutz, Hautcreme gegen die Auswirkungen von Kälte und Wind.

Die Streumittel - Feuchtsalz und Salzsole
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Wenn Schnee und Glätte drohen, darf man keine Zeit verlieren. Je eher gestreut wird, desto besser. Deshalb stehen die Fahrzeuge startklar, umgerüstet und beladen bereit, wenn die Straßenwärter zum Einsatz ausrücken müssen. Von der Ankunft an der Meisterei bis zum Start der Räum-Tour dauert es nicht länger als zehn Minuten. Beim Streuen setzt Straßen.NRW auf zwei Varianten: angefeuchtetes Streusalz und Salzsole. Splitt und andere abstumpfende Mittel, etwa Sand, kommen auf den Straßen des überörtlichen Verkehrs wegen der höheren Geschwindigkeiten, die dort gefahren werden, nicht zum Einsatz.

Salzlager

Foto: Salzlager

Zum Start der Wintersaison 2016/17 Anfang November lagern in den 220 Salzhallen der 29 Autobahn- und 51 Straßenmeistereien von Straßen.NRW rund 130.000 Tonnen Salz. Bei einem Lieferengpass kann zur Bedarfsdeckung der Meistereien auf eine zentrale Salzreserve von rund 75.000 Tonnen, die in zwei Zentrallager (Saerbeck/Münsterland und Rheinberg/Kreis Wesel) gelagert ist, zurückgegriffen werden.

Hinzu kommen rund 140 Streuguthallen entlang der Winterdienststrecken von Straßen.NRW. Das sind Lagerstätten, die zwischen 400 und 1200 Tonnen Streusalz fassen. Sie liegen etwa an Anschlussstellen oder am Ende eines Streubezirks, so dass ein leeres Streufahrzeug zum Nachladen nicht erst wieder den heimischen Hafen, die Meisterei, ansteuern muss.

Streusalz kann bei trockener Lagerung rund drei Jahre im Lager verbleiben. Damit es über diesem Zeitraum rieselfähig bleibt, ist dem Streusalz ein so genanntes "Antibackmittel" zugegeben. Das vermeidet ein Zusammenbacken bzw. Verklumpen des Streusalzes.

In Borth, zwischen Xanten und Rheinberg gelegen, lagern die größten Salzvorkommen in Nordrhein-Westfalen. Ein Teil des Streusalzes, das Straßen.NRW im Winter einsetzt, wird dort im Salzbergwerk gefördert.

Angefeuchtetes Streusalz

Foto: Befüllt wird das Fahrzeug per Radlader.

Angefeuchtetes Streusalz (70 Prozent Salz und 30 Prozent Salzlösung) wird nicht so schnell verweht wie Trockensalz, da es besser haften bleibt. Der Salzverbrauch ist geringer, gleichzeitig bietet Feuchtsalz eine höhere Wirksamkeit als Trockensalz.

Ein Streufahrzeug kann pro Ladung etwa sechs Tonnen Streusalz bunkern. Befüllt wird das Fahrzeug per Radlader.

Salzsole

Foto: Fahrzeug spritzt Salzsole

Die Salzsole besteht zu 78 Prozent aus Wasser und nur zu 22 Prozent aus Salz. Es kann viel genauer verteilt werden und das Winterdienstfahrzeug kann mit größerer Geschwindigkeit fahren. Die Salzsole wird auf stark befahrenen Straßen nicht so schnell von der Fahrbahn verdrängt.

Flüssigstreuen kommt vor allem beim präventiven (vorbeugenden) Winterdienst zum Einsatz, wenn die Fahrbahnen trocken sind oder nur eine ganz dünne Feuchteschicht aufweisen, ist diese Technik vorteilhaft. Eine begleitende Forschung hat ergeben, dass beim Präventiveinsatz auf Autobahnen mehr als 50 % Prozent Salzeinsparung möglich sind.

Anders ausgedrückt: Wenn etwa beim Präventiveinsatz bisher zehn Gramm Feuchtsalz pro Quadratmeter gestreut wurde, entsprach das insgesamt 7,6 Gramm reines Salz pro Quadratmeter. Beim Flüssigstreuen bringt man bei gleichen Bedingungen etwa 3,3 Gramm pro Quadratmeter aus.

Straßen.NRW war Vorreiter

Allerdings: Flüssigstreuen kann nur eine Ergänzung beim Winterdienst sein, gänzlich ersetzen wird diese Methode das Streuen mit angefeuchtetem Salz nicht, da die Grenzen der Wirksamkeit bei sehr tiefen Temperaturen unterhalb von ca. -6° Celsius und bei großen Feuchtemengen, zum Beispiel beim Schneefall, liegen.

Flüssigstreuen wurde auf den deutschen Autobahnen erstmals von Straßen.NRW angewendet. Die Pilotversuche mit Salzsole fanden im Winter 2008/2009 in der Autobahnmeisterei Herford statt. Mittlerweile (Stand 2015) hat Straßen.NRW insgesamt 28 Flüssigstreuer auf den Autobahnen im Einsatz. Ein flächendeckender Einsatz auf allen Autobahnstrecken in NRW soll in 2017 erreicht werden.

Das Winterdienstfahrzeug im Einsatz
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Jedes Winterdienstfahrzeug hat festgelegte Touren im Autobahnnetz.Während beim Streueinsatz alle Fahrstreifen gleichzeitig mit Tausalz abgestreut oder mit flüssigen Taustoff besprüht werden, werden beim Räumeinsatz auf den Autobahnen der rechte Fahrstreifen und die Überholspur vorrangig bedient. In Abhängigkeit der Schneefallmengen und der Verkehrssituation werden gegebenenfalls der dritte bzw. vierte Fahrstreifen später geräumt. Nach circa zwei Stunden müssen die Streufahrzeuge neues Material aufnehmen. Die Umlaufzeiten betragen also bis zu drei Stunden, nach denen bei andauerndem Schneefall eine Strecke erneut geräumt wird. Die Standstreifenräumung erfolgt nachrangig.

Schnee räumen

Foto: Räumfahrzeug im Einsatz

Die einzelnen Schneepflüge haben unterschiedliche Größen. Die Standard-Frontschneepflüge haben eine Räumbreite von rund 3,00 bis 3,40 Meter. Der Frontpflug, der zur Autobahnräumung zum Einsatz kommt, hat eine Breite von rund 4,15 bis 4.30 Meter. Ein seitlich am Winterdienstfahrzeug montierter Schneepflug kommt auf eine Breite von ca. 2,50 Meter. Die Gesamträumbreite eines Winterdienst-LKW auf Autobahnen mit Front- und Seitenschneepflug beträgt somit rund 6,50 Meter.

In der Regel gilt: ein Mann pro Fahrzeug. Bei extremen Wetterlagen oder wenn der Seitenpflug montiert ist, übernimmt ein Beifahrer die Kontrolle über die Winterdienstapparaturen.

Salz streuen

Foto: Streufahrzeug im Einsatz

Zum größten Teil erfolgt das Salzstreuen heutzutage computergesteuert. Streumaschinen mit sogenannten Thermomaten zur automatischen, temperaturabhängigen Streusalzdosierung kommen dabei zum Einsatz: Ein Infrarotthermometer erfasst berührungslos die aktuelle Fahrbahnoberflächentemperatur, der Bediener gibt die Feuchtigkeitsmenge auf der Fahrbahn vor; die Streugerätesteuerung setzt die Werte automatisch in eine entsprechende Streudichte für das Streusalz um.

Foto: Thermomat

Diese Technik wurde in den 1990er Jahren bei Straßen.NRW entwickelt. Eine Begleitstudie in der Schweiz hat das Einsparpotential von 20 bis 25 Prozent bestätigt. Getreu dem Straßen.NRW-Motto beim Salzstreuen: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“.

Gasse bilden

Foto: Fahrzeug mit Leuchten

Seit der Wintersaison 2011/12 sind bei Straßen.NRW insgesamt 35 Fahrzeuge der Autobahnmeistereien mit Blaulicht und Martinshorn ausgerüstet, denn häufig sind Fahr- und Räumgassen bei Staus auf winterlichen Autobahnen blockiert. Mitunter muss das Straßen-NRW-Winterdienstfahrzeug sogar - unterstützt durch die Polizei und das Blaulicht - von vorne an den Stau heranfahren, gegen die Fahrrichtung. Üblicherweise machen Straßen.NRW- Fahrzeuge jedoch mit einer gelben Rundumleuchte auf ihren Einsatz aufmerksam.

Einige Fahrzeuge, die auf Autobahnen und autobahnähnlichen Straßen im Einsatz sind, sind zusätzlich auf Höhe des Kühlergrills mit zwei gelb blinkenden Leuchten ausgestattet. Die Erfahrungen zeigen, dass Autofahrer diese Fahrzeuge durch die Heckscheibe oder den Spiegel noch besser wahrnehmen. Sie bilden dementsprechend schneller eine Fahrgasse.

Entsprechend der Straßenverkehrsordnung (§11 Abs. 2 StVO) müssen auf einer zweispurigen Autobahn dann die Autofahrer auf der linken Fahrspur so nah wie möglich an den Mittelstreifen heranfahren, die Verkehrsteilnehmer auf der rechten Fahrspur müssen so weit nach rechts fahren, bis zwischen beiden eine Gasse entsteht. Bei drei Fahrstreifen gilt diese Regelung zwischen dem äußersten linken Fahrstreifen und dem mittleren. In beiden Fällen soll der Standstreifen allerdings ohne Not nicht blockiert werden. Weitere Tipps zur "Rettungsgasse gibt es auf der Internetseite "Rettungsgasse rettet Leben" der Polizei Nordrhein-Westfalen.

Foto: Fahrzeuge im "Verbund" unterwegs

Wichtig für alle Verkehrsteilnehmer: Streufahrzeuge im Einsatz sollten nicht überholt werden. Das gilt erst recht, wenn Fahrzeuge im "Verbund" unterwegs sind. "Verbund" bedeutet, dass zwei bis drei Räumfahrzeuge versetzt hintereinander fahren, um zwei oder sogar drei Fahrspuren wieder befahrbar zu machen.

Die Innovation: Taumittelsprühanlagen
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Taumittelsprühanlagen kommen an besonders kritischen Stellen, wo sich schnell Glätte oder Winterstaus bilden, zum Einsatz. Etwa auf Brücken oder an Steigungsstrecken. Kleine, in die Fahrbahn eingelassene Sprühdüsen in einem Abstand von fünf Metern sprühen das Taumittel (Salzsole) direkt auf die Strecke.

NRW ist führend beim Einsatz von Taumittelsprühanlagen. Untersuchungen haben ergeben, dass auf Strecken mit Taumittelsprühanlagen witterungsbedingte Staus um 50 Prozent reduziert und Glätteunfälle auf anfällige Brücken zuverlässig vermieden werden können.

Taumittelsprühanlagen gibt es in NRW an folgenden Standorten:

  • A1: Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal bei Münster-Amelsbüren
  • A1: Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal bei Ladbergen
  • A2: Streckenbereich "Bielefelder-Berg" Länge rund vier Kilometer in beiden Fahrtrichtungen
  • A4: Wiehltalbrücke
  • A4: Talbrücke Elben
  • A30: Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal bei Rheine
  • A40 Schnettkerbrücke über das Emschertal und Bahnlinien westl. von Dortmund
  • A43: Autobahnkreuz Münster-Süd, Verbindungsbauwerk von der A43 zur A1
  • A45: zwischen den Anschlussstellen "Hagen-Süd" und "Lüdenscheid-Nord" (Sauerlandaufstieg)
    • Fahrtrichtung Frankfurt durchgehend auf einer Länge von rund sechs Kilometern
    • Fahrtrichtung Dortmund nur auf den vorhandenen vier Brücken
  • A45: von Wetterscheide "Kalteiche" bis Landesgrenze NRW/Hessen auf einer Länge von rund 2,5 Kilometern in beiden Fahrtrichtungen
  • B54n: von Talbrücke Bockenbach bis einschließlich Talbrücke Holenstein auf einer Länge von 3,2 Kilometern
Die Vorbereitung - Was Verkehrsteilnehmer tun können
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Auch wenn der Winterdienst bei Straßen.NRW auf vollen Touren läuft, können die Streu- und Räumfahrzeuge unmöglich immer und überall vor Ort sein: In der vierten Jahreszeit müssen Verkehrsteilnehmer deshalb immer mit Reifglätte, Eisglätte, Glatteis oder Schneeglätte rechnen. Aber es kann auch jeder selbst einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass alle möglichst sicher durch den Winter kommen. Hier einige Tipps und Hinweise:

Winterreifen aufziehen: Diese haben bei Temperaturen unterhalb von etwa 7 Grad Celsius und bei Eis und Schnee bessere Griffigkeitswerte als Sommerreifen.

Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage: Der hochspritzende Salzfilm der Straße kann in der Wintersonne schnell zu einer starken Sichtbehinderung (helle Schlierstreifen) auf der Frontscheibe werden.

Frostige Dachlasten entfernen: LKW-Fahrer sollten die Planen und Verdecke ihrer Fahrzeuge vor jeder Fahrt von Eis und Schnee befreien. Denn die Dachlasten können Unfälle verursachen, wenn sie beim Bremsen, Beschleunigen oder in Kurven vom LKW rutschen. Besonders gefährlich wird es, wenn Regen- oder Tauwasser über Nacht gefriert. Dabei können lebensgefährliche Geschosse entstehen. Im schlimmsten Fall fliegen die bis zu 100 Kilogramm schweren Eisplatten anderen Autofahrern in die Windschutzscheibe.

Wärmende Bordausstattung: Bei längeren Fahrten in Verbindung mit winterlichen Wetterverhältnissen sollten eine warme Decke und eine Thermoskanne mit Heißgetränk im Auto griffbereit liegen.

Wissenswertes zu Eis und Glätte

  • Blitzeis (meteorologisch "Glatteis"): Entsteht, wenn Regen auf gefrorenen Boden oder unterkühlter Regen (unter 0 Grad Celsius) auf den Boden fällt. Hierdurch entsteht eine sehr homogene und glatte Eisschicht.
  • Glatteis: Homogene Eisschicht, die durch Eisregen (Temperatur der Regentropfen unter null Grad Celsius) oder durch Regen auf eine unterkühlte Verkehrsfläche entsteht.
  • Reifglätte: Entsteht durch Gefrieren von Luftfeuchtigkeit auf der Verkehrsfläche. Häufiges Problem auf Brücken, wenn deren Fahrbahnoberflächen in der Nacht gegenüber der Luft unterkühlen und deren Temperatur unter null Grad Celsius fällt.
  • Schneeglätte: Entsteht durch das Festfahren oder Festtreten einer am Boden vorhandenen Schneedecke
  • Hagelschauer: Treten häufiger in Übergangszeiten oder im Sommer bei Gewitter auf. Da diese räumlich begrenzt und teilweise mit großen Niederschlagsmengen auftreten, sind sie eine große Gefahr für den Verkehrsteilnehmer.

Angepasste Fahrweise: Ein Recht auf geräumte und rutschsichere Fahrbahnen gibt es nicht, und der Winterdienst kann schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht überall gleichzeitig sein. Daher muss der Verkehrsteilnehmer im Winter immer mit Glätte rechnen und sein Fahrverhalten den Witterungsbedingungen anpassen.

Gasse bilden: Wenn aufgrund von Schnee und Eis "nichts mehr geht", bildet sich ein Stau. Damit die Räum- und Streufahrzeuge nicht selbst im Stau stecken bleiben, gilt: Gasse bilden! Entsprechend der Straßenverkehrsordnung (§11 Abs. 2 StVO) müssen auf einer zweispurigen Autobahn dann die Autofahrer auf der linken Fahrspur so nah wie möglich an den Mittelstreifen heranfahren, die Verkehrsteilnehmer auf der rechten Fahrspur müssen so weit nach rechts fahren, bis zwischen beiden eine Gasse entsteht. Bei drei Fahrstreifen gilt diese Regelung zwischen dem äußersten linken Fahrstreifen und dem mittleren. In beiden Fällen soll der Standstreifen allerdings ohne Not nicht blockiert werden. Weitere Tipps zur "Rettungsgasse gibt es auf der Internetseite "Rettungsgasse rettet Leben" der Polizei Nordrhein-Westfalen.

Foto: Fahrzeuge im "Verbund" unterwegs

Umsichtig fahren: Streufahrzeuge im Einsatz sollten nicht überholt werden. Das gilt erst recht, wenn Fahrzeuge im "Verbund" unterwegs sind. "Verbund" bedeutet, dass drei Räumfahrzeuge versetzt hintereinander fahren, um zwei oder sogar drei Fahrspuren wieder befahrbar zu machen.