22.09.2020

Karriere-Möglichkeiten bei Straßen.NRW: Vom „Mann in Orange“ zum Ingenieur

Yannic Breuer
Yannic Breuer im Einsatz. Quelle: Straßen.NRW

Wer nach dem Schulabschluss auf der Straße steht, der kann – die Ortsangabe einfach mal wörtlich genommen – durchaus einen interessanten Job gefunden haben. Wie spannend und vielfältig die Berufs- und Aufstiegsmöglichkeiten beim Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen sind, zeigt sich an Yannic Breuer aus Heinsberg. Dessen Karriereweg führte vom „Mann in Orange“ zum Bauingenieur. Fortsetzung keinesfalls ausgeschlossen.

Ein Schülerpraktikum brachte Yannic Breuer dazu, sich nach der Fachoberschulreife bei Straßen.NRW für eine Ausbildung zum Straßenwärter zu bewerben. Sein Auftrag in den folgenden Jahren: die Instandhaltung von Autobahnen und Landesstraßen. Klingt wichtig – ist es auch, denn ohne regelmäßige Streckenwartung und Gehölzpflege, ohne einwandfrei einsehbare Verkehrszeichen, ohne gesicherte Baustellen, gut befestigte Gehwege oder Parkplätze geht wenig bis gar nichts auf den Straßen des Landes.

„Ich habe festgestellt, dass der Beruf des Straßenwärters unglaublich vielfältig ist“, so der heute 26-Jährige. „Ob es nun darum geht, kleine Schäden in der Fahrbahn zu sanieren, das Gehölz am Straßenrand zu schneiden oder im Winterdienst eingesetzt zu werden – der Job kann an jedem Morgen anders sein als am Vortag.“ Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Straßenwärter und Straßenwärterinnen mit allerlei schwerem Gerät arbeiten – auch das ist einer der spannenden Aspekte dieses Berufs. Breuer beispielsweise machte im Laufe der dreijährigen Ausbildung in der Straßenmeisterei Heinsberg nicht nur den Motorsägen-, sondern auch den Lkw-Führerschein. In all dem war er so gut, dass er nach drei Jahren Ausbildung von Straßen.NRW übernommen wurde. Drei Monate arbeitete er in seiner Heimatstadt, in der Straßenmeisterei Heinsberg, bevor er dann zur Autobahnmeisterei Recklinghausen wechselte. „Das sind zwar 140 Kilometer von Zuhause“, erinnert sich Breuer, „doch das habe ich gerne in Kauf genommen“. Zumal der Niederrheiner schon das nächste Ziel im Blick hatte.

Vom heißen Asphalt zu kühlen Berechnungen

„Mir ging es bald schon vor allem um grundsätzliche Fragen: Wie baue ich eine Straße? Was gehört alles dazu?“ Und so reifte nach gut einem Jahr als Geselle die Entscheidung, eine zweijährige Ausbildung zum staatlich geprüften Bautechniker am Berufskolleg Glockenspitz in Krefeld „dranzuhängen“. Eine Vollzeit-Ausbildung und ein wichtiger Karriereschritt, dem Straßen.NRW bereitwillig den Weg ebnete: Breuer wurde für die Dauer von zwei Jahren freigestellt. „Von da an ging es dann thematisch für mich unter anderem um Bauplanung und -konstruktion, Ausschreibungen und Vertragswesen, sowie Kalkulation und Bauleitung“, erklärt er. Dennoch tauschte der Heinsberger seinen bisherigen Job „auf der Straße“ nicht gegen eine reine Schreibtischtätigkeit: „Zur Weiterbildung gehören sämtliche Schritte im Tiefbau – und regelmäßige Baustellenbesuche sind ein wichtiger Teil.“

Im Juli 2016 war es dann so weit: Als fertiger Bautechniker mit dem Schwerpunkt Tiefbau kam Breuer zurück zu Straßen.NRW; diesmal ins Baubüro Jüchen der Regionalniederlassung Niederrhein, wo er in der Bauaufsicht eingesetzt wurde. Und was macht man als Bautechniker? „Im Prinzip das Gleiche wie als Bauingenieur. Die Unterschiede liegen allein in der Komplexität der Aufgaben.“ Womit der nächste Schritt bereits vorprogrammiert war: „Ich habe mir gedacht: Du machst das Gleiche wie ein Ingenieur – dann willst du auch Ingenieur sein.“ Tatsächlich sind Bauingenieure echte Allrounder. Sie planen und konstruieren Brücken, Straßen und Tunnel, kümmern sich um Ausschreibungsverfahren und die Bauüberwachung und sorgen mit verkehrssichernden und verkehrslenkenden Lösungen dafür, dass die urbane Infrastruktur des Landes das leistet, was sie leisten soll: Menschen miteinander zu verbinden.

Für Yannic Breuer folgte ein vierjähriges berufsbegleitendes Studium an der Fachhochschule Münster – und jede Menge Arbeit. Drei bis vier Tage pro Monat büffelte er an der Hochschule, investierte Urlaubstage und Überstunden in das Studium und arbeitete gleichzeitig weiter bei Straßen.NRW in der Bauaufsicht. Im August dieses Jahres schließlich machte er seinen Abschluss: „Bachelor of Engineering“ mit der Vertiefungsrichtung Baustellenmanagement. Seit September gestaltet er als Bauingenieur bei Straßen.NRW nun aktiv die Verkehrslandschaft Nordrhein-Westfalens mit und kümmert sich in der Vergabe der Regionalniederlassung Niederrhein um Vertragswesen, prüft Angebote externer Firmen und vergibt Bauaufträge. Und jetzt? „Rein theoretisch könnte ich noch zwei weitere Jahre nebenbei an die FH gehen und den Master machen“, überlegt er. Doch da sei die endgültige Entscheidung noch nicht gefallen.

Seit zehn Jahren ist Yannic Breuer nun schon bei Straßen.NRW – und hat die Ausbildung stetig erweitert. War es der richtige Weg? „Auf jeden Fall. Es ist vor allem von Vorteil, wenn man die Arbeit auf der Straße kennt“, sagt der 26-Jährige rückblickend. Anders gesagt: Auch am Schreibtisch hilft die langjährige praktische Erfahrung. Vielleicht gerade dann, wenn es um die Planung von Baustellen geht. Denn als ehemaliger Straßenwärter kennt Breuer das durchaus mulmige Gefühl, wenn der Verkehr in einer Baustelle an einem vorbeirast, nur allzu gut. „Gerade auf der Autobahn und gerade in einer Tagesbaustelle kann da schnell mal etwas passieren.“ Seine große Bitte lautet insbesondere daher mit Blick auf die Kolleginnen und Kollegen: „Wenn sich die Autofahrer ans Tempolimit halten, dann bedeutet das für die Arbeiter in den Baustellen mehr Sicherheit.“ Schließlich geben die „Männer und Frauen in Orange“, die Straßenwärter und Straßenwärterinnen, tagtäglich ihr Bestes, um die Straßen des Landes in Schuss zu halten. Für Yannic Breuer führten diese Straßen geradewegs nach oben.