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L755: Verstärkung der Weserbrücke in Höxter

Visualisierung des A-Pylons
Visualisierung des A-Pylons

Die Weserbrücke Höxter ist derzeit für Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt. Der Grund ist bekannt: das Bauwerk hat statische Defizite, die den heutigen Ansprüchen des Schwerlastverkehrs nicht mehr standhalten. Zudem weist die Brücke Hohlstellen, Risse und ein ungewöhnliches Schwingverhalten auf. Erhebliche Schäden im Fahrbahnbereich führten zu einer Vollsperrung der Brücke. Nach einer umfangreichen Notinstandsetzung im Jahr 2016 konnte zumindest der Verkehr für Fahrzeuge bis 3,5 to und einer maximalen Breite von 2,10 m freigegeben werden.

Nach detaillierten Untersuchungen durch die Straßen.NRW-Regionalniederlassung Sauerland-Hochstift stand fest: eine Verstärkungsmaßnahme ist die Lösung, um wieder Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen in beide Richtungen die Brücke queren zu lassen. Die Entscheidung für die Verstärkung fiel im Jahr 2018. Diese Maßnahme soll noch vor der Landesgartenschau 2023 in Höxter abgeschlossen sein. Weithin sichtbar wird ein Pylon in A-Form, ein insgesamt ca. 35 Meter hohes Stahlbeton-Bauteil mit Seilverspannung sein. Die Bauarbeiten konnten im Oktober 2021 beginnen.

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Hintergrund
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Das 1955 erstellte Bauwerk besteht unter anderem aus einem dreizelligen Hohlkasten.  Der Überbau ist in Längs- und Querrichtung mit Vorspannung im nachträglichen Verbund vorgespannt. Statische Nachrechnungen des Bauwerkes ergaben, dass die Weserbrücke für die Verkehrsbelastungen nach heutigen Gegebenheiten verstärkt werden muss.

Nach umfassenden Untersuchungen ermittelten Brückenbau-Experten die einzig umsetzbare Version einer Verstärkung des Bauwerks mit einem Pylon, vier Seilen sowie zwei Spannbetonverankerungsträgern (Querriegel).

Projektstand
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Das Konzept zur Verstärkung der Weserbrücke stammt aus einer Machbarkeitsstudie und wurde Anfang 2020 der Höxteraner Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei wurden verschiedene Varianten eines Pylons gezeigt. Hierbei konnten die Bürger*innen ihre Meinung zur Gestaltung des neuen Gesamtbauwerks mit einbringen. Ebenfalls beteiligt waren Stadt und Denkmalbehörde. Das Ergebnis: Eine Verstärkung der Weserbrücke mit einem A-Pylon. Auf dieser Basis wurden die Entwurfs- und Ausführungspläne für das Bauvorhaben erstellt. Parallel dazu mussten Zustimmungen von verschiedenen Behörden und Institutionen wie Bezirksregierung, Wasser- und Schifffahrtsbehörde, Straßenverkehrsbehörde, Polizei und Rettungsdienste eingeholt werden.

Im August und September 2021 wurden vorab mehrere sowohl in der Brücke als auch im Gründungsbereich des Pylons vorhandene Ver- und Entsorgungsleitungen von den jeweiligen Versorgungsträgern verlegt.

Der Auftrag zur Verstärkung und Instandsetzung der Weserbrücke wurde vergeben. Die Bauarbeiten konnten im Oktober 2021 starten.

Bauablauf
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Die Bauarbeiten der ca. 4,4 Mio € teuren Maßnahme sind im Oktober 2021 aufgenommen worden. Zunächst wird beidseits der Brücke in Höhe des Mittelpfeilers die Gründung für die Pylone erstellt. Diese besteht aus jeweils drei 15m langen Großbohrpfählen mit 1,5m im Durchmesser und einer 2,40m mächtigen Pfahlkopfplatte (Fundament). Diese Pfahlkopfplatte muss aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Weser innerhalb eines Spundwandkastens errichtet werden, da sie in einer Tiefe von ca. 3,50m und somit im Grundwasser liegt. Der Pylon in A-Form wird auf den Pfahlkopfplatten (Fundamente) aufgesetzt. In einer Entfernung von ca. 22,80 m beidseits zum Mittelpfeiler müssen zwei Spannbetonverankerungsträger (Querriegel) im Bestandsbauwerk eingelassen werden. Die Querriegel und die beiden Pylonfüße werden parallel hergestellt, um die Bauzeit und damit auch die Dauer der Sperrzeiten deutlich zu reduzieren.

Wenn der Pylon und die Querriegel voraussichtlich im Spätsommer 2022 fertiggestellt sind, können die vier Stahlseile montiert und gespannt werden – damit wird der Brückenüberbau an dem Pylon aufgehängt. Erst dann ist die Brücke wieder voll belastbar und die Instandsetzungsarbeiten auf dem Bauwerk können durchgeführt werden. Dazu zählen die Erneuerung der Fahrbahndecke und des Gehwegbelags, der Erneuerung der Geländer, die Instandsetzung der Fahrbahnübergänge und die Beseitigung der Schadstellen am Mittelpfeiler und dem Überbau.

Solange die Bauarbeiten außerhalb des Brückenbauwerks stattfinden, kann der derzeitige Verkehr noch über die Weserbrücke geführt werden. Mit Beginn der Arbeiten am Baukörper für die Querriegel an der „alten Weserbrücke“ wird zunächst der Kfz-Verkehr von der Brücke genommen und über die Umleitung "Weserbrücke Lüchtringen" geführt. Diese Umleitung für den Kfz-Verkehr wird voraussichtlich neun Monate aufrechterhalten. Mit Beginn der Arbeiten am Pylon oberhalb der Fahrbahn, kann die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer nicht mehr gewährleistet werden. Entsprechend muss die Brücke dann auch für Fußgänger und Radfahrer gesperrt werden. Diese Sperrung wird voraussichtlich für sechs Monate andauern.

 

Warum können Fußgänger und Radfahrer die Weserbrücke während dieser Bauzeit (ca. sechs Monate) nicht queren?

Bereits im Vorfeld untersuchte das ausführende Ingenieurbüro in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Prüfingenieur die Möglichkeit einer Querung der Brücke für Fußgänger und Radfahrer in den unterschiedlichen Bauphasen. Es wurden zur Sicherung der Fußgänger und Radfahrer verschiedene Lösungsansätze unter anderem aus Holz- und Betonkonstruktionen auf ihre Umsetzbarkeit geprüft. Das Ergebnis: Die Weserbrücke ist in der Bauphase aufgrund der Arbeiten an der obenliegenden Fahrbahnplatte, bei denen die Stahlbetonkonstruktion teilweise freigelegt werden muss, derart geschwächt, dass keine zusätzlichen Lasten wie z.B. Betonteile (möglicher Fußgängertunnel) aufgebracht werden können. Eine Lösung (Tunnel) in Form einer leichteren Holzkonstruktion schafft keinen ausreichenden Schutz für querende Verkehrsteilnehmer bei herabfallenden Bauteilen. Somit kann keine sichere Querung für die Fußgänger und Radfahrer während der Bauphase gewährleistet werden. Eine sogenannte "Tunnellösung" auf der Weserbrücke ist während der Bauzeit damit nicht realisierbar.

Sowohl die Arbeiten im Gründungsbereich als auch die unterhalb des Bauwerks sind abhängig vom aktuellen Wasserstand der Weser. Es kann somit zu Verzögerungen oder Verschiebungen kommen.

Verkehrsführung
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Der KFZ-Verkehr wird während der Vollsperrung über die seit 2016 bewährte Umleitung für Fahrzeuge über die Weserbrücke Lüchtringen geführt. Die Regionalbus Braunschweig GmbH stellt derzeit einen Ersatzfahrplan auf. Insbesondere wird dabei der Schülertransport aus Boffzen kommend ins Schulzentrum Höxter berücksichtigt. Zudem wurde mit der Kreisleitstelle Höxter das bewährte Rettungskonzept für den Rettungsdienst der letzten Sperrungsphase in 2016 vereinbart. Für den touristischen und allgemeinen Radverkehr werden Alternativrouten zur Überquerung der Weser ausgewiesen.

Weitere Informationen zum Ersatzfahrplan während der Sperrzeit der Höxteraner Weserbrücke wird kurzfristig vor der Sperrung über die Internetseite des Zweckverbandes Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen sowie über die Schulämter veröffentlicht.  

Alternativrouten zur Überquerung der Weser finden Sie hier: www.radverkehrsnetz.nrw.de

Historie
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Die Weserbrücke von Höxter verbindet die südöstliche Innenstadt mit dem Brückfeld. Von der Altstadt aus ist sie Teil der Landesstraße 755 (Fürstenberger Straße), deren Abzweigungen südwärts über die niedersächsische Landesstraße 549/550 (Bahnhofstraße) nach Boffzen und als L 549 nach Neuhaus im Solling führt und als Landesstraße 550 nach Fürstenberg (Weser). Nordwärts führt die niedersächsische Landesstraße 550 (Holzmindener Straße) östlich des Höxteraner Stadtteils Lüchtringen und nach Holzminden. Auch die Bahnstrecke Altenbeken–Kreiensen, die in Höxter entlang zwischen Altstadt und Weser verläuft, kreuzt die L 755 in Höhe der Weserbrücke in Nähe des Haltepunktes Höxter–Rathaus.

Das 1955 entstandene Bauwerk ist an einem historisch wichtigen Ort entstanden, hier in der Nähe soll auch Karl der Große die Weser überschritten haben. Durch die Lage auf beiden Seiten der Weser ist der Standort nahezu hochwasserfrei. Die Spannbetonbrücke ist 138 Meter lang und etwa 14 Meter breit. Ihr Mittelpfeiler ist so angelegt, dass Treibgut und mögliche Eisschollen möglichst wenig Angriffsfläche bieten.

Das knapp 70 Jahre alte Bauwerk wurde nach den damals gültigen technischen Regelwerken und prognostizierten Verkehrsbelastungen bemessen. Die heutigen LKW-Verkehre waren nicht vorhersehbar. Erhebliche Fahrbahnschäden in 2016 erforderten als Sofortmaßnahmen eine Notinstandsetzung, infolgedessen nur noch Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht bis 3,5 Tonnen die Brücke passieren dürfen.

Bilder
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