B51: Vierstreifiger Ausbau zwischen Münster und Telgte

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Bürgerinfo in Handorf (3. Juli 2019)
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Auf der Bürgerveranstaltung in Handorf begründeten das Verkehrsministerium und der Verkehrsgutachter den Ausbau der B51 als wichtigen Teil der leistungsfähigen Ost-Münsterland-Verbindung. Im Mittelpunkt der Bürger-Diskussion stand die Frage, ob durch die anvisierte „Verkehrswende“ ein Ausbau nicht überflüssig werden würde.Michael Heinze, Chefplaner im Verkehrsministerium NRW, eröffnet die Veranstaltung mit einer sehr deutlichen Antwort auf die „Ob-Frage“ im Zusammenhang mit der 4zu1-Baumaßnahme von Straßen.NRW. Durch die drei B64-Ortsumgehungen in Herzebrock-Clarholz, Beelen und Warendorf sowie durch den vierstreifigen Ausbau der B51 von Münster nach Telgte soll eine schnelle Verbindung zwischen den Oberzentren Münster und Bielefeld entstehen. „Wir haben das große Glück, dass sich die Oberzentren positiv entwickeln. Wir wollen dieses Wachstum in NRW und deshalb brauchen wir eine geeignete Infrastruktur“, betonte Heinze einleitend. Der zuständige Verkehrsgutachter Dr.-Ing. Hartmut Ziegler von DTV Consult aus Aachen belegt im Anschluss mit seinen Zahlen, warum es zum vierstreifigen Ausbau keine Alternative gibt. Derzeit fahren im Durchschnitt 24.500 Fahrzeuge im Streckenabschnitt zwischen Münster und Handorf. 1.450 davon sind LKWs. Bis 2030 werden es aufgrund des Wachstums der Region und entsprechend steigendender Wirtschaftsverkehre 33.500 Fahrzeuge werden – hiervon rund 2.300 LKWs. Auch heute schon staut sich spätestens ab der Kreuzung Handorfer Straße jeden Werktag der Verkehr, so dass viele Pendler bereits ab Warendorf eine Ausweichroute über Freckenhorst wählen oder über Schleichwege fahren. Die jetzige Situation wird vom Verkehrsgutachter als mangelhaft eingestuft. Die Maßnahme ist deshalb im Fernstraßenausbaugesetz enthalten und vom Bundestag beschlossen. Dies kann weder das Land noch eine Kommune rückgängig machen.

„Zum Glück“, sagte Michael Heinze, denn Alternativen zum motorisierten Individualverkehr sind vor allem für Städte attraktiv. Im ländlichen Raum greifen diese aber leider nicht. Dies sieht auch der Verkehrsgutachter so, der bereits eine deutliche Erhöhung der Fahrgastzahlen bei einer Verdoppelung der Schienentaktung eingerechnet hat. Bei einem Halbstundentakt würden rund 1900 Fahrzeuge weniger die Straße benutzen – vorausgesetzt die Bürger fahren auch wirklich mit den Öffentlichen. Wenn nicht, muss mit 35.000 Fahrzeugen gerechnet werden. Mehrere Bürgerinnen und Bürger wollen in der Debatte wissen, ob nicht zukünftig viel mehr Menschen auf den ÖPNV umsteigen könnten. „Selbst wenn ein Viertelstundentakt auf einer eingleisigen Strecke realisiert werden könnte, wären das wieder nur 1.900 Fahrzeuge weniger“ erläutert Dr. Ziegler. Die Rechnung ginge auch nicht auf, wenn mehrere Tausend Menschen jeden Tag per Fahrrad, Roller, mit zusätzlichen Bussen oder mit Mitfahrmöglichkeiten nachhaltiger unterwegs wären. Im Idealfall könnte dies eine Reduktion von sechs- bis achttausend Fahrzeugen bedeuten. Abgesehen von der Frage, ob dies dann auch für Regenwetter realistisch ist, gäbe es 2030 dann immer noch den gleichen Stau wie heute. „Wir haben hier eindeutige Rechtsvorschriften, dass ein solcher Missstand zu beheben ist“, macht Michael Heinze deutlich und verweist noch einmal auf die besondere Situation der Unternehmen. Die Bahnstrecke ist für den Güterverkehr nicht geeignet, weil das Gleisbett die Lasten nicht trägt und es keine Be- und Entlademöglichkeiten gibt. Das Lastenfahrrad ist ebenfalls nur in wenigen Fällen eine Alternative zum LKW. „Wir brauchen hier eine bessere Infrastruktur, damit die Unternehmen in der Region eine Zukunft haben“, erläutert Heinze. Ein anderer Bürger fragt, ob die Bahnstrecke nicht zweigleisig ausgebaut werden könnte. Bernhard Epmann, Projektleiter von Straßen.NRW ist hier ebenfalls eindeutig. „Für eine zweigleisige Bahnstrecke in den Ortsdurchfahrten Telgte, Beelen und Warendorf müssten ganze Häuserzeilen in den Ortskernen weichen. Das ist keine Option!“. Alle Podiumsteilnehmenden betonen, dass für eine Verkehrswende Mobilität CO2-frei und der ÖPNV gestärkt werden muss. Aber selbst dies würde vier Fahrstreifen voraussetzen – z.B. für eine separate schnelle Busspur.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wird an Thementischen die Planung detaillierter besprochen. Wichtige Anregungen kommen zu den Bus-Haltestellen für Schüler am Pleistermühlenweg sowie für die St. Rochus Klinik. Hier müssen neue Lösungen erarbeitet werden. Viel Neues bringen die Stationen zum Landschaftsbild und Naturschutz, zum Denkmalschutz sowie zur Landwirtschaft. Die Bürgerinnen und Bürger haben vier Varianten entwickelt, wo genau ein neuer Prozessionsweg geschaffen werden könnte.

Eine Idee zielt auf einen viereinhalb Meter breiten Wirtschaftsweg direkt entlang der B51, welchen die Landwirte auch mit großen Fahrzeugen nutzen könnten. Die Anregungen werden in einem zusätzlichen Fachworkshop mit der Landwirtschaft weiter vertieft. Dieser breite Wirtschaftsweg könnte auch als zusätzliche schnelle Radverbindung zwischen Münster und Telgte genutzt werden und wäre zugleich eine gute Lösung für schnelle E-Bikes oder Roller, die nicht auf der B51 fahren dürfen. Vielleicht könnte auch eine lange Baumreihe oder Allee angelegt werden, so ein Vorschlag. Bernhard Epmann zeigte sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung: „Wir haben hier sehr viele wertvolle Anregungen mitgenommen, die die Planungen im Sinne der Bürger voranbringen.“

Bürgerinfo in Telgte (10. Juli 2019)
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Der Verkehrsgutachter Dr.-Ing. Hartmut Ziegler von DTV Consult aus Aachen ist mehr als eindeutig. Für 2030 prognostiziert er 35.500 Fahrzeuge auf der Strecke zwischen Telgte und Münster. Die Region wächst. Zum Glück entstehen neue Arbeitsplätze und auch Telgte plant ein neues Baugebiet. Nur die dafür notwendige Infrastruktur will man nicht, wie die Mehrheit der fast 500 Anwesenden auf der Bürgerveranstaltung unmissverständlich deutlich macht. Stattdessen fordert Bürgermeister Pieper eine S-bahn. Selbst wenn die derzeit äußerst unzuverlässige Bahnverbindung im Takt verdoppelt würde, bleiben aber 33.500 Fahrzeuge. Rund 2300 davon sind Schwerverkehr. Der Güterverkehr kann auf dieser Strecke nicht über die Bahn abgewickelt werden, weil das Gleisbett nicht für die Belastung geeignet ist und keine Be- und Entlademöglichkeiten bestehen. Auch ein zweigleisiger Ausbau der Bahn wird nicht möglich sein, weil sonst in Münster, Telgte, Beelen, Warendorf und Herzebrock-Clarholz ganze Häuserzeilen fallen müssten. Eine Bürgerin regte eine Klimaspur an, auf der Busse und Elektroautos Vorrang hätten. Hierfür wäre allerdings ein vierspuriger Ausbau der B51 nötig, und das wird abgelehnt. Über zweieinhalb Stunden erläutert der Gutachter und das Team von Straßen.NRW die Methodik des Gutachtens und begründet die Notwendigkeit der Maßnahme. Das Bilden von Fahrgemeinschaften, mehr Homeoffice und flexible Arbeitszeiten wurden bereits mit eingerechnet. DTV Consult gilt als fachlich versiertes Gutachterbüro, dessen Arbeiten bis vor das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig höchstrichterliche Anerkennung haben. „Auch wenn alle 3850 Telgter, die heute nach Münster pendeln, an jedem Tag zu jeder Zeit und bei jedem Wetter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad fahren, bilden sich hier 2030 jeden Tag Staus“, macht Dirk Griepenburg, Leiter der Region Münsterland und Ruhr von Straßen.NRW deutlich. Die Kritiker auf der Veranstaltung lehnen die Maßnahme dennoch ab.

An einem konstruktiven Dialog besteht wenig Interesse. Nur etwa 80 Personen nutzen die Planungswerkstatt und gestalten die noch weitgehend offene Planung mit. Gute Anregungen werden dennoch aufgenommen: Eine Neugestaltung des Knotens am Münstertor mit Brücke über die Bahn wird vorgeschlagen. So könnte auch eine bessere Anbindung an die St. Rochus Klinik ohne Bahnquerung sowie an das Gewerbegebiet Kiebitzpohl erfolgen. Zum Radverkehr wurde eine Veloroute auch im Süden angeregt. Die von Straßen.NRW vorgeschlagene schnelle Rad-Verbindung direkt neben der B51 nach holländischem Modell wird dagegen kritisch betrachtet. In Holland werden Wirtschaftswege gemeinsam von Landwirtschaft, schnellen Radfahrern und motorisierten Kleinfahrzeugen genutzt – ohne große Konflikte.

Bewegung zeichnet sich auch für die Landwirtschaft ab. Straßen.NRW prüft die Möglichkeit, ob ab dem Handorfer Knoten mit Ausnahmeregelung außerhalb der Stauspitzenzeiten landwirtschaftlicher Verkehr zugelassen werden könnte. Ein zusätzlicher Workshop mit der Landwirtschaft wird das Ersatzwegenetz und Fragen der Ausgleichflächen bearbeiten. Am Umweltstand werden Hinweise auf einen Uhu und einen Steinkautz aufgenommen und jetzt geprüft. Auch Ideen zur Versetzung der Bildstöcke sind dabei, sie könnten zukünftig im Norden an der Veloroute einen neuen Platz finden. „Es geht also doch, gemeinsam mit den Bürgern gute Anregungen für die Planung zu sammeln“, kommentiert Dr. Antje Grobe von DIALOG BASIS den Abend, auch wenn Sie bedauert, dass viele Kritiker diese Chance nicht genutzt haben.