B474: Neubau der Brücke über die Bahnstrecke Wanne–Bremen in Dülmen als "Expressbrücke"

Die Brücke der B474 nordwestlich von Dülmen über die DB Strecke Wanne–Bremen wurde im November und Dezember 2020 neu gebaut. Dabei kam als Pilotprojekt eine expressartige Bauweise zum Einsatz.

Übersichtsplan zum Projekt (Quelle: Straßen.NRW)
Übersichtsplan zum Projekt (Quelle: Straßen.NRW)

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Ersatzneubau als Pilotprojekt
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Innovative Brückenbauweise als Expressbrücke, Betonfertigteile schnell montieren und mit Ortbeton ergänzen - so lautet die Idee, die die Baufirma (Echterhoff Baugruppe) in Absprache mit Straßen.NRW, Landesverkehrsministerium undBundesverkehrsministerium für die neue Brücke der B474 über die Bahnstrecke entwickelt hat.

Beispielsweise wird beim Bau der Widerlager, auf denen die Brücke aufliegt, Zeit eingespart, indem der Einsatz von Fertigteilen mit Betonarbeiten vor Ort kombiniert wird. Statt an der Baustelle zeitaufwendig eine herkömmliche Schalung aus Holz zu bauen und mit Beton zu verfüllen, werden Betonplatten eingehoben, die die Schalung ersetzen. Mit Beton ausgefüllt, entsteht so ein tragfähiges Widerlager.

Auch die Hybridkappen sparen Zeit: Kappen sind die äußeren Bauteile einer Brücke, die in der Regel nachträglich betoniert und auf denen später Geländer und Schutzeinrichtungen montiert werden.

Bei einer herkömmlichen Bauweise müssen für die Kappenherstellung Gerüst und Schalung auf- und wieder abgebaut werden. Das kostet Zeit. Stattdessen wird bei der Hybridkappe eine Stahlkonstruktion als „verlorene Schalung“ eingesetzt, die dauerhaft am Bauwerk verbleibt. Die Stahl-Schalung ist nicht nur Form für den Beton, sondern das Brückengeländer und der Berührungsschutz für die Oberleitung, können bereits vorher montiert werden. Das Aufstellen eines Gerüstes und der An- und Abbau der Kappenschalung entfällt.

Herausforderungen und Lösungen
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Herausforderung 1: Diese besteht in der Kreuzung der Bahnstrecke. Um den Abbruch – und Neubau realisieren zu können, sind mehrere Sperrungen der Bahnstrecke erforderlich. Diese Sperrpausen müssen üblicherweise mit einer Vorlaufzeit von etwa drei Jahren beantragt werden.

Lösung 1: Für November 2020 plant die Deutsche Bahn AG in ihrem Netz selbst bauliche Maßnahmen. Dafür wird die IC-Strecke zwischen Essen und Münster für zwei Tage gesperrt. Dies ergab die Möglichkeit das Brückenbauwerk, das die B474 in Dülmen überführt, zeitnah zu erneuern.

Herausforderung 2: Für jede Baumaßnahme muss das Baurecht geklärt sein. Das erfordert oftmals langwierige Verfahren.

Lösung 2: Die durch das „Gesetz zur weiteren Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren im Verkehrsbereich“ (3. März 2020) vorgenommenen Änderungen im Fernstraßengesetz stellen erstmalig klar, dass es sich bei einem „reinen“ Ersatzbauwerk - wie in diesem Fall vorgesehen - nicht um eine „Änderung“ sondern vielmehr um eine „Unterhaltungsmaßnahme“ handelt, die kein eigenständiges Baurecht erfordert. Es handelt sich um einen reinen Ersatzneubau der vorhandenen Brücke mit, auf die neuen Vorschriften der Straße, leicht angepassten Geometrien.

Von der Planung zum Bau
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April 2020: Erste konkrete Planung zur Durchführung des Projektes

Nachdem die ersten Herausforderungen gelöst waren, stellte die Baufirma den Experten des Landesverkehrsministeriums und Bundesverkehrsministeriums sowie Straßen.NRW das Konzept der Expressbrücke vor. Gemeinsam beschloss man, die Brücke der B474 in Dülmen unter Einhaltung der vorgegebenen Rahmenbedingungen in einer Schnellbauweise mit der Expressbrücke und so genannten Hybridkappen als Pilotprojekt umzusetzen.

Das Ziel: Von der Projektidee über die Planungs-und Genehmigungsschritte bis zum fließenden Verkehr sollen nur acht Monate vergehen. Die eigentliche Bauzeit, beziehungsweise die Einschränkungen für den Verkehr auf der Bundesstraße soll nur 40 Tage andauern. Die Arbeiten im Bahnbereich werden in der rund zweitägigen Sperrpause durchgeführt.

Ende September 2020: Start der Vorarbeiten zu dem Pilotprojekt

Herstellung von beidseitigen Baustraßen, Absuche des Baustellenbereiches nach Kampfmitteln, erste Vorarbeiten auf der Brücke mit zwei kurzen nächtlichen Sperrungen des Verkehrs auf der Bundesstraße

November 2020: Zweitägige Sperrpause IC-Strecke zwischen Essen und Münster

Ab 9. November wird der Abschnitt der B474 zwischen L551 und K2 komplett für den Verkehr gesperrt. Die anfallenden Arbeiten werden genau geplant durchgeführt, damit alle Voraussetzungen für die Umsetzung des Projektes in der zweitägigen Sperrzeit der IC-Strecke zwischen Essen und Münster geschaffen sind.

Dezember 2020: Fertigstellung der neuen Brücke

Am 18.Dezember soll, soweit alle Arbeiten nach Plan funktioniert haben, der Verkehr über die B474 wieder laufen können. Mit vorgefertigten Teilen und der jeweiligen Ergänzung durch Ortbeton soll der Ersatzneubau binnen 40 Tage abgeschlossen sein.

Die Ausgangssituation
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Die B474 stellt eine wichtige Verbindung im Münsterländischen Straßennetz zur A43 dar. Der nordwestlich von Dülmen liegende Abschnitt der Bundesstraße dient als Umgehungsstraße von Dülmen und hat eine große Verkehrsbedeutung mit einer hohen Verkehrsbelastung. Notwendige Bauarbeiten mit Verkehrsbehinderungen müssen entsprechend gut überdacht und optimal abgestimmt werden, um die Einschränkungen für die Verkehrsteilnehmer so gering wie möglich zu halten.

Die vorhandene Brücke über die Bahn weist deutliche Schäden auf und muss daher dringend ersetzt werden. Das Brückenbauwerk wurde im Jahr 1972 durch den Kreis Coesfeld gebaut. Mit dem Bau der B474n im Jahr 2007 ist die Brücke in die Baulast der Bundesrepublik Deutschland übergegangen.

Die heutige Brücke wird von zwei Pfeilerreihen getragen und besteht somit aus drei Feldern. Die Brückenplatte wird aus aneinander gelegten Fertigteilträgern gebildet, die in Querrichtung miteinander verspannt sind.

Bei den regelmäßig durchzuführenden Hauptprüfungen wurden an der Brückenunterseite durchfeuchtete Stellen festgestellt. Nach umfangreichen weiteren Analysen ergab sich die schlechte Zustandsnote des Bauwerks von 3,4. Es sind viele Aussinterungen vorhanden und die Querverspannung ist korrodiert.

Ein schnelles Handeln war erforderlich, um verkehrliche Einschränkungen auf der Bundesstraße unbedingt zu vermeiden. Eine beispielsweise einspurige, lang andauernde Verkehrsführung über die Brücke, um das Bauwerk nicht mehr so stark zu belasten, hätte eine Verlagerung des Verkehrs in die verkehrsberuhigte Ortsdurchfahrt von Dülmen zur Folge gehabt.

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B474: Bau der Expressbrücke in Dülmen - Zug fährt wieder