Berücksichtigung von Fledermäusen bei der Straßenplanung

Fachgespräch Straße - Landschaft - Umwelt | 24. Juni 2010, Köln

Fledermaus (Fotomontage)

Die neuen artenschutzrechtlichen Vorschriften erfordern bei der Fach- und Bauleitplanung eine sorgfältige Auseinandersetzung mit den geschützten Tier- und Pflanzenarten. Regelmäßig steht dabei die Gruppe der Fledermäuse im Fokus, weil sie fast bei jeder Planung betroffen ist.

Insbesondere bei Infrastrukturprojekten lassen sich die einschlägigen Verbotstatbestände aufgrund der Kollisionsgefahr nicht immer ausschließen. Trifft man dabei auf Fledermausarten, deren Erhaltungszustand auch ohne das Projekt bereits ungünstig ist, ist die Zulassung des Projekts gefährdet. Die Straßenbauverwaltung gibt Leitfäden zur Lösung dieser Probleme heraus, z.B. "Planung und Gestaltung von Querungshilfen für Fledermäuse" aus Sachsen oder in Kürze "Quantifizierung und Bewältigung verkehrsbedingter Trennwirkungen auf Fledermauspopulationen als Arten des Anhangs der FFH-RL" des Bundesministeriums für Verkehr, Bauwesen und Städtebau.

Wegen des großen Interesses am derzeitigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dieser Problematik und an der Frage, wie die Fach- und Bauleitplanung dem Fledermausschutz gerecht werden kann, hat der Landesbetrieb Straßenbau NRW mit Unterstützung der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (FGSV) am 24. Juni 2010 in Köln eine Fachtagung mit über 200 Teilnehmern aus dem In- und Ausland durchgeführt. Deren Beiträge hier dokumentiert sind. Die Veranstalter möchten damit unter Beteiligung der federführenden Autoren der o.g. Leitfäden den bundesweiten Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch zu dieser Thematik fördern und dabei auch internationale Erfahrungen einschließen. Zielgruppen sind vor allem die Straßenbau- und Naturschutzverwaltungen des Bundes und der Länder sowie Planungsbüros. Über die Straßenplanung hinaus werden auch alle anderen Planungsdisziplinen angesprochen, die mit der Vergabe, der Bearbeitung oder der Qualitätssicherung von Artenschutz- und FFH-Verträglichkeitsprüfungen in der Fach- und Bauleitplanung befasst sind.

Die Tagung zeigte, dass auch bei großen Straßenbauvorhaben finanzierbare Lösungen des Konflikts mit dem Fledermausschutz gefunden werden können. Die im Leitfaden-Entwurf vorgestellten Methoden und Konventionen sind vermittelbar und erscheinen weitgehend tragfähig. Weiterer Forschungsbedarf ist erkennbar z.B. für Ausbau- und Kleinprojekte und zur Wirkung von Mittelstreifenzäunen.

Dokumente

Erfahrungen mit dem Fledermausschutz im Zuge von Straßenbaumaßnahmen

Erfahrungen im Vereinigten Königreich

Len Wyatt, Environmental Science Advisor, Department for the Economy and Transport, Welsh Assembly Government, Cardiff; "Experiences of Dealing with Lesser Horseshoe Bats in Wales, United Kingdom".

Erfahrungen in den Niederlanden

Herman Limpens, Zoogdiervereniging Nijmegen & Eco Consult & Project Management, Wageningen.

Erfahrungen in Deutschland

Dr. Robert Brinkmann, Planungsbüro Dr. Brinkmann, Gundelfingen

Erfahrungen mit Fledermäusen in der Planungsphase

Dr. Jochen Lüttmann, Roland Heuser, FÖA Landschaftsplanung GmbH, Trier

Leitfaden Fledermäuse und Straßenverkehr

Auszüge aus dem unabgestimmtem Entwurf (Januar 2010), Forschungsprojekt Quantifizierung und Bewältigung verkehrsbedingter Trennwirkungen auf Fledermauspopulationen als Arten des Anhangs der FFH-Richtlinie, - Teil "Leitfaden" -, im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung