Motorradsicherheit: Maßnahmen gegen schwere Unfälle

Foto: Motorradfahrer auf der Strecke

Motorradfreunde sollten sich und ihre Maschine gewissenhaft auf Ausfahrten vorbereiten. Um schwere Biker-Unfälle zu vermeiden, setzt Straßen.NRW zudem seit Jahren auf zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen an viel befahrenen Strecken. Kontinuierlich wird hierfür das Unfallgeschehen ausgewertet. Entpuppen sich dabei bei Motorradfahrern beliebte Strecken als Unfallschwerpunkt, ergreift Straßen.NRW in Absprache mit der Polizei und der Straßenverkehrsbehörde gezielt Maßnahmen, um vor Ort Abhilfe zu schaffen.

Darüber hinaus ist Straßen.NRW in diversen Arbeitskreisen aktiv tätig, um die strassenbaulichen Aspekte, die für Motorradfahrer sicherheitsrelevant sind, einzubringen. Ziel ist es unter anderem, die "ultima Ratio" - eine Streckensperrung für Motorräder - zu verhindern.

Mail-Hotline

Um potenzielle Gefahren noch besser identifizieren zu können, hat Straßen.NRW eine Hotline eingerichtet. Aufmerksame Biker können per Mail Stellen melden, die ihnen kritisch erscheinen.

Rüttelstreifen

Foto: Rüttelstreifen

Als effektives Mittel zur Verbesserung der Verkehrs- und Unfallsituation haben sich die so genannten Rüttelstreifen auf einzelnen Streckenabschnitten bewährt. Diese etwa 50 Zentimeter breiten und in der Mitte 1,5 Zentimeter hohen Erhebungen quer zur Fahrbahn sollen die Aufmerksamkeit erhöhen und zum Beispiel Raser vor Gefahrenstellen dazu bringen, vom Gas zu gehen.

Insgesamt gibt es bislang zwölf Stellen mit Rüttelstreifen im Land. 2003 hatte der Landesbetrieb auf der B514 bei Kalldorf erstmals einen Streckenabschnitt mit Rüttelstreifen ausgestattet. Nach über zehn Jahren Erfahrung zeigt sich, dass auf Abschnitten mit Rüttelstreifen die Unfallsituation und auch das Geschwindigkeitsverhalten positiv beeinflusst werden kann, wenn gewisse Einsatzkriterien beachtet werden.

Rüttelstreifen sollten nur auf Geraden zum Einsatz kommen. Sie müssen zudem ausreichend von der Gefahrenstelle entfernt sein, damit der Motorradfahrer die Chance hat, sein Verhalten zu korrigieren. Umfahren können sollte der Biker die Erhebungen auch nicht, das würde den Gegenverkehr gefährden. Des Weiteren sollte ein ausreichender Abstand zur Bebauung gewährleistet sein, um Anwohnerbeschwerden auszuschließen.

Strecken mit Rüttelstreifen (Stand: Juli 2016)

Foto: Rüttelstreifen
  • B514 Kalldorf (von Vlotho nach Kalletal)

  • B236 Schälk (von Letmathe nach Schwerte)

  • B236 Oberkirchen (von Schmallenberg nach Winterberg)

  • L755 Altenbeken (von Altenbeken nach Langeland)

  • L165 Hardtbrücke (von Bad Münstereifel zur Landesgrenze)

  • L107 Velbert (östlich der Anschlussstelle Tönisheide (A535))

  • L439 Essen (südlich Baldeney-See)

  • L856 Hirschberg (von Meschede nach Hirschberg)

  • L839 Hellefeld (südlich Arnsberg)

  • L707 Herscheid (von Herscheid nach Valbert)

  • L687 Rönkhausen (von Rönkhausen nach Wildewiese)

  • L166 Simmerath (Höhe Jugendherberge)

Unterfahrschutz

Foto: Unterfahrschutz

Bewährt haben sich ebenso Schutzplanken, die mit einem Unterfahrschutz ausgerüstet sind. Diese mindern die Verletzungen der Fahrer bei einem Anprall; ein "Durchrutschen" oder ein Verkeilen wird verhindert. Fast 500 Streckenabschnitte mit einer Gesamtlänge von über 66 Kilometern sind auf diese Weise mittlerweile sicherer geworden, vor allem auf Zweiradstrecken in topographisch interessanten Gebieten, zum Beispiel in der Eifel sowie im Sauer- und Siegerland.

Anpralldämpfer

Foto: Anpralldämpfer

Diese speziellen Elemente wurden in der Vergangenheit in unfallträchtigen Kurven an Schutzplankenpfosten angebracht um beim Motorradfahreranprall die Verletzungsfolgen zu minimieren. Rund 15.000 Stück wurden in der Vergangenheit in Nordrhein-Westfalen montiert. Aktuell geht man jedoch dazu über - wo immer möglich - Schutzplanken mit einem Unterfahrschutz auszurüsten bzw. auch umzurüsten.

Flexible Kunststoffpoller

Foto: Straßenwärter stellen an der L427 flexible Poller auf.

In einer Pilotanwendung stellt Straßen.NRW in Abstimmung mit dem Landesverkehrsministerium 500 flexible Poller aus Kunststoff auf. Zum Einsatz kommen die Poller in anspruchsvollen Kurven auf Landesstraßen, die Motorradfahrer gerne für eine Spritztour nutzen; also vor allem im topografisch reizvollen Gegenden wie Sauer- und Siegerland, aber auch in flacheren Bereichen des Landes. Die flexiblen Poller können in Absprache mit der Straßenverkehrsbehörde und der Polizei im Einzelfall die roten Pfeile auf weißem Grund, die so genannten Richtungstafeln, ersetzen. Trägt es den Motorradfahrer, etwa aufgrund zu hoher Geschwindigkeit, aus der Kurve, stellen die starren, quadratischen Schilder aus Metall mit den Aufstellpfosten eine zusätzliche Verletzungsgefahr dar - für den Biker und für den nachfolgenden Verkehr.

Die runden flexiblen Kunststoffpoller (Höhe: 105 Zentimeter, Durchmesser: zwölf Zentimeter) sollen diese Verletzungsgefahr verringern. Die Farben Rot und Weiß bleiben erhalten. Scharfe Kanten sind aber nicht mehr vorhanden. Wenn nun ein Motorrad gegen die Poller fährt, geben diese nach, knicken um und richten sich anschließend wieder auf. Die Poller sind so aufgestellt, dass sie dem Verkehrsteilnehmer den Kurvenverlauf anzeigen.

Die runden flexiblen Kunststoffpoller (Höhe: 105 Zentimeter, Durchmesser: zwölf Zentimeter) sollen diese Verletzungsgefahr verringern. Die Farben Rot und Weiß bleiben erhalten. Scharfe Kanten sind aber nicht mehr vorhanden. Wenn nun ein Motorrad gegen die Poller fährt, geben diese nach, knicken um und richten sich anschließend wieder auf. Die Poller sind so aufgestellt, dass sie dem Verkehrsteilnehmer den Kurvenverlauf anzeigen.

Seine Premiere feierte das System im September 2015 auf der L427 bei Leichlingen. Mittlerweile hat Straßen.NRW weitere Straßenzüge mit den flexiblen Pollern ausgerüstet. Aktuell werden die Erfahrungen aus der vergangenen Saison ausgewertet. Eine letztendliche Entscheidung, inwieweit diese Poller sich als weiterer Mosaikstein zur Verbesserung der Verkehrssicherheit etablieren steht noch aus.

An einzelnen Streckenabschnitten wird vor Beginn der Saison 2017 noch nachgebessert.

Strecken mit flexiblen Kunststoffpollern in der Pilotphase (Stand: März 2017)

Foto: Flexible Poller aus Kunststoff
  • L427 bei Leichlingen
  • L107, L427, L438, L433 (im Raum Velbert)
  • L310 (nördlich Odenthal)
  • L249 (Nideggen-Heimbach)
  • L520 (Sendenhorst).
  • L559 (Steinfurt)
  • L946 (Marienmünster-Löwendorf)

Flexible Fahrbahnteiler

Foto: Fahrbahnteiler

An der L707 zwischen Herscheid und Valbert ("Nordhelle") werden die Fahrstreifen im Kurvenbereich durch Fahrbahnteiler getrennt. Diese mobilen und flexiblen Elemente machen die Strecke unattraktiv für Raser, die die Kurve mit hoher Geschwindigkeit und extremer Schräglage nehmen wollen. In der Vergangenheit hatten sich dort schwere Verkehrsunfälle ereignet und vor allem an Wochenenden renntypische Situationen mit entsprechendem Lärm abgespielt. Die im Juli 2017 installierten Fahrbahnteiler sollen Abhilfe schaffen und die Ultima-Ratio „Streckensperrung“ verhindern.

Die L707 fungiert in Nordrhein-Westfalen als Pilotstrecke für Fahrbahnteiler in Verbindung mit Motorradsicherheit. Straßen.NRW greift dabei auf positive Erfahrungen in Bayern mit Fahrbahnteilern zurück. Damit die Elemente den Winterdienst nicht stören, kommen sie nur während der Motorradsaison zum Einsatz.