Mobile Sichtschutzwände gegen Schaulustige

Foto: Aufgebaute Sichtschutzwand

Nordrhein-Westfalen setzt auf mobile Sichtschutzwände gegen so genannte "Gaffer" bei Unfällen auf Autobahnen. NRW hat die blickdichten Elemente als erstes Bundesland flächendeckend eingeführt. Die grünen Wände sollen helfen, Staus und Nachfolge-Unfälle zu vermeiden. Schaulustige oder Autofahrer, die sich reflexartig vom Geschehen auf der Gegenfahrbahn ablenken lassen, bekommen nichts mehr zu sehen.

Die Sichtschutzwände

Rund 470.000 Euro aus Bundesmitteln hat Straßen.NRW in insgesamt zwölf Sichtschutzsysteme investiert.

Jedes der zwölf Systeme besteht aus einem Anhänger mit 40 einzelnen Stahlrahmen (aufgestellt jeweils 2,5 Meter lang und 2,1 Meter hoch), in denen jeweils eine grüne, blickdichte Folie verspannt ist. Vor Ort angekommen, können die Mitarbeiter der jeweiligen Autobahnmeisterei somit eine bis zu 100 Meter lange, undurchsichtige Wand errichten.

In den Niederlanden sind mobile Sichtschutzwände seit längerer Zeit ein gewohnter Anblick. Seinen Weg nach Deutschland fand das System durch den Wettbewerb "Gute Ideen gegen den Stau" bei Straßen.NRW. Ein Mitarbeiter des Landebetriebes schlug die grünen Wände vor. Zunächst startete ein einjähriges Pilotprojekt im Zuständigkeitsbereich der Autobahnmeisterei Kaarst. Insgesamt sieben Mal kam der Sichtschutz dabei damals zum Einsatz. Flächendeckend kommt das System auf den NRW-Autobahnen seit Mai 2015 zum Einsatz.

Die Standorte der Sichtschutzwände

Die Wände sind so auf die Autobahnmeistereien (AM) im Land verteilt, dass das rund 2.200 Kilometer umfassende Autobahnnetz in Nordrhein-Westfalen komplett abgedeckt ist.

Die einzelnen Standorte:

  • AM Dortmund
  • AM Herford
  • AM Isselburg
  • AM Kaarst
  • AM Leverkusen
  • AM Lüdenscheid
  • AM Münster
  • AM Ratingen
  • AM Recklinghausen
  • AM Titz
  • AM Weilerswist
  • AM Werl

Der Einsatz vor Ort

Foto: Straßenwärter tragen ein Sichtschutzelement

Ob und wann die zuständige Autobahnmeisterei von Straßen.NRW nach einem Unfall eine Sichtschutzwand aufbaut, entscheidet die Polizei am Ort des Geschehens. Ausschlaggebend ist dabei nicht nur die Frage, wie "spektakulär" - und somit potenziell ablenkend für andere Verkehrsteilnehmer - ein Unglück ist. Da es je nach Tageszeit und Unfallstelle bis zu 100 Minuten dauern kann, bis die Elemente vor Ort und aufgebaut sind, muss der Einsatzleiter zuvor abschätzen, wie lang Rettung und Räumung an der Unglücksstelle voraussichtlich laufen. Hinzu kommen äußere Umstände, so darf die Windstärke maximal Stufe fünf erreichen.

Die Bilanz

Über 100 Mal (Stand: Februar 2018) waren die grünen Wände seit Mai 2015 auf den NRW-Autobahnen bislang im Einsatz, um neugierige Blicke Schaulustiger auf die Unfallstelle zu verhindern. Mit positivem Effekt, wie die zwölf beteiligten Straßen.NRW-Autobahnmeistereien berichten.

Demnach normalisiert sich der Verkehrsfluss nach kurzer Zeit, sobald die Sichtbarrieren am Unfallort stehen. Auffahr- und „Stauende-Unfälle" nehmen ab, da die Autofahrer weniger abgelenkt werden. Gibt es außer einer blickdichten Folie nichts zu sehen, ändert sich nach den bisherigen Erfahrungen auch das Verhalten der Verkehrsteilnehmer auf der Gegenfahrbahn. Staus reduzieren sich oder lösen sich sogar komplett auf.

Zudem werden die Sichtschutzwände von den Einsatzkräften vor Ort als Sicherheitsgewinn wahrgenommen: Abgeschirmt von Ablenkungen und Belästigungen ist ein ruhigeres und zügigeres Arbeiten möglich.

Wie es geht:

  • Eine Rettungsgasse muss vorausschauend gebildet werden, nicht erst dann, wenn der Verkehr still steht oder das Einsatzfahrzeug schon direkt hinter Ihnen steht.
  • Bei zwei Fahrspuren wird die Rettungsgasse in der Mitte der Richtungsfahrbahn gebildet. Fahrer auf der rechten Fahrspur fahren ihre Pkw möglichst parallel zur Fahrbahn an den rechten Fahrbahnrand; jene auf der linken Fahrspur entsprechend an den linken Fahrbahnrand.
  • Bei einer höheren Anzahl an Spuren wird die Rettungsgasse bei drei oder mehr Fahrstreifen zwischen dem äußerst linken und dem direkt danebenliegenden Fahrstreifen gebildet.
  • Der Seitenstreifen/Standstreifen darf dabei nicht mitbenutzt werden, da der Streifen „nicht Bestandteil der Fahrbahn“ ist.
  • Aufgelöst wird die Rettungsgasse, sobald eindeutig erkennbar ist, dass der Verkehr wieder flüssig in Bewegung gerät und mit keinem weiteren Stillstand zu rechnen ist.

Was Sie wissen sollten:

  • Grundsätzlich darf eine Rettungsgasse nur von Polizei- und Hilfsfahrzeugen befahren werden. Hierzu zählen der Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei, Krankenwagen, Arzt-, und Abschleppfahrzeuge.
  • Die Rettungsgasse ist auch für Betriebsdienst-/Meistereifahrzeuge wichtig. Die Meistereien bauen Sichtschutzwände auf, unterstützen die Rettungskräfte, reinigen den Unfallort und sorgen so dafür, dass der Verkehr so schnell wie möglich wieder rollen kann.
  • Das Bilden einer Rettungsgasse ist gesetzlich vorgeschrieben. Verkehrsteilnehmern, die keine Rettungsgasse bilden, droht laut Straßenverkehrs-Ordnung ein Bußgeld. Auch Fahrverbote sind möglich.

Weitere Informationen

Quelle: Deutsche Verkehrswacht e.V./Ministerium für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen