Arbeitsplatz Straße

Foto: Straßenwärter am Schraßenrand

Autobahnen und Straßen sind die Mobilitätsadern für Tausende von Berufspendlern, Freizeitfahrern und rund einer Millionen Berufskraftfahrern in Deutschland, die tagtäglich mit ihren Brummis Menschen oder Güter transportieren. Unsere Straßen sind aber auch der tägliche Arbeitsplatz für deutschlandweit 30.000 Straßenwärterinnen und Straßenwärter – dem Straßenbetriebsdienstpersonal –, die mit ihrer Arbeit für ein verkehrssicheres und leistungsfähiges Streckennetz sorgen.

Erfahren Sie mehr über die vielfältigen Aufgaben der Straßenwärter und die Risiken bei der Arbeit:

Die Unfallstatistik bei Straßenwärtern
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Die rund 1.900 Straßenwärter des Landesbetriebes Straßenbau Nordrhein-Westfalen haben einen gefährlichen Job. Statistisch gesehen stirbt jedes Jahr ein Mitarbeiter von Straßen.NRW während seines Dienstes auf der Straße. In 2018 litten die Straßenwärter auf den Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen bis jetzt unter drei fremdverschuldeten Unfällen mit Personenschaden bei drei Beschäftigten. Ein Unfall mit tödlichem Ausgang für einen Beschäftigten von Straßen.NRW ereignete sich nicht. (Stand: Oktober 2018)

"Personenschaden", das hört sich nach Versicherungsmathematik an, dahinter stecken aber Schicksale: Es sind Menschen, die oft wochen- oder monatelang aus dem Arbeits- und dem Familienleben herausgerissen werden und manchmal ihr Leben lang an den Folgen leiden.

19 getötete Mitarbeiter seit 1993

Insgesamt wurden in Nordrhein-Westfalen seit 1993 rund 511 fremdverschuldete Unfälle mit Personenschaden von der Abteilung Arbeitssicherheit bei Straßen.NRW registriert. Fast noch einmal so viele Unfälle verliefen mit Sachschäden. Die schwersten Unfälle werden auf Autobahnen durch unaufmerksame Fahrer verursacht. Die Beschäftigten erlitten teils schwere Prellungen, Frakturen, oder Schocks. 19 Beschäftigte von Straßen.NRW kamen bei diesen Unfällen ums Leben. Das Risiko eines Straßenwärters bei einem Arbeitsunfall ums Leben zu kommen, ist 13 Mal höher als in der gewerblichen Wirtschaft.

Auch wenn die Zahl der Unfälle von Straßenwärtern, die auf Fremdverschulden anderer Verkehrsteilnehmer zurückzuführen sind, erfreulicherweise rückläufig ist, ist jeder Unfall ein Unfall zu viel.

Nicht erfasst in dieser Statistik sind sonstige Arbeitsunfälle: Die meisten davon passieren im Bereich der Grünpflege am Rand der Straßen. Dabei arbeiten die Beschäftigten häufig in unwegsamen Bereichen mit gefährlichen Geräten wie Kettensägen. Die Mitarbeiter stürzten bei der Arbeit oder knickten um, schleudernde Äste führten zu Verletzungen trotz Sicherheitsausrüstung.

Der Risiko-Parcours für Straßenwärter
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Der Risiko-Parcours Straßenbetriebsdienst geht auf eine Anregung im Rahmen eines Ideenwettbewerbs bei Straßen.NRW zurück. Der konkrete Parcours wurde daraufhin von der Unfallkasse NRW zusammen mit dem NRW-Verkehrsministerium, der Hessischen sowie der Bayerischen Unfallkasse und Straßen.NRW entwickelt. Seine Premiere feierte das Projekt schließlich im Jahr 2012. Zunächst wurden die Straßenwärter der Straßen.NRW-Autobahnmeistereien geschult. Seit Ende 2017 sind die Kollegen in den Straßenmeistereien an der Reihe.

Darum geht es beim Risiko-Parcours

Der Parcours soll Straßenwärtern helfen, gefährliche Situationen im Arbeitsalltag besser einschätzen zu können und die Arbeit sicherer zu machen. So ist es zum Beispiel wichtig, Entfernungen heranbrausender Autos bei einem Blick in den Seitenspiegel richtig einschätzen oder die Abstände von vorbeifahrenden Fahrzeugen und die Geschwindigkeiten der anderen Verkehrsteilnehmer ermitteln zu können.

An mehreren Stationen sind die Straßenwärter deshalb mit verschiedenen Aufgaben konfrontiert. Unter realistischen Bedingungen, aber ohne Gefahr für die Gesundheit. Denn trainiert wird nicht auf freier Strecke, sondern auf dem Gelände der jeweiligen Meisterei.

Standen beim Parcours zunächst vor allem die Arbeiten an und auf Autobahnen im Mittelpunkt, wurde der Parcours mittlerweile auf die Herausforderungen der täglichen Arbeit an und auf Landesstraßen abgestimmt.

Die Stationen des aktuellen Risiko-Parcours

  • Argus Auge 1: Einschätzen von Entfernungen
  • Argus Auge 2: Einschätzen von Geschwindigkeiten
  • Argus Auge 3: Einschätzen von Ausstiegs-Lücken
  • Faustregeln 1: Ein- und Aussteigen
  • Faustregeln 2: Einstellen von Sitz und Kopfstütze
  • Faustregeln 3: Gurt und Spiegelnutzung
  • Faustregeln 4: Ladungssicherung
  • Doppeldenker: Trotz Arbeitsgeräuschen die heranfahrenden Fahrzeuge bemerken
  • Sprunglabor: Eigenes Sprunggewicht richtig einschätzen

Anstrengungen für mehr Sicherheit

Um die Unfallzahlen zu reduzieren, ist Straßen.NRW auf mehreren Ebenen aktiv. Das Betriebsdienstpersonal wird regelmäßig geschult. Die Weiterentwicklung der persönlichen Schutzausrüstung der Mitarbeiter wird bei Straßen.NRW genauso als ständige Aufgabe begriffen. Hinzu kommen Innovationen, die Arbeitsstellen sicherer machen sollen.