Jetzt mit
Freunden teilen:

Arbeitsplatz Straße

Straßen sind die Mobilitätsadern für Tausende von Berufspendlern, Freizeitfahrern und rund einer Millionen Berufskraftfahrern in Deutschland, die tagtäglich mit ihren Brummis Menschen oder Güter transportieren. Unsere Straßen sind aber auch der tägliche Arbeitsplatz für deutschlandweit 30.000 Straßenwärterinnen und Straßenwärter – dem Straßenbetriebsdienstpersonal –, die mit ihrer Arbeit für ein verkehrssicheres und leistungsfähiges Streckennetz sorgen.

Die Arbeit der Straßenwärter

Nicht nur wenn Straßen repariert werden müssen, ist das Straßen.NRW-Betriebspersonal in Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Die Straßenwärterinnen und Straßenwärter, gekleidet in leuchtend-oranger Sicherheitswarnkleidung, gehören zum alltäglichen Bild im Straßenverkehr.

Die Straßenwärterinnen und Straßenwärter, die die Verkehrssicherheit auf den Straßen gewährleisten, müssen oft im gefährlichen Verkehrsraum arbeiten, um Hindernisse von der Fahrbahn zu holen, um Baustellen einzurichten, um Schutzplanken zu reparieren, Verkehrsanlagen zu warten oder im Winterdienst Strecken zu räumen.

Bevor eine Baufirma auf einer Straße arbeiten kann, bereitet das Straßenbetriebsdienstpersonal die Arbeiten vor, damit der Verkehr sicher an der Arbeitsstelle vorbei geführt werden kann. Sie sperren einzelne Fahrstreifen und arbeiten, immer dicht neben dem fließenden Verkehr, wenn Gras und Sträucher geschnitten oder die Wasserabläufe gesäubert werden müssen.

Mit Spezialfahrzeugen und Maschinen kehren sie die Fahrbahnen, reinigen Schilder und Leitpfosten, damit sie les- und sichtbar bleiben, reparieren Schutzplanken, beseitigen Schlaglöcher, warten Ampeln und befreien die Straßen im Winter von Eis und Schnee.

Anstrengungen für mehr Sicherheit

Um die Unfallzahlen zu reduzieren, ist Straßen.NRW auf mehreren Ebenen aktiv. Das Betriebsdienstpersonal wird regelmäßig geschult. Die Weiterentwicklung der persönlichen Schutzausrüstung der Mitarbeiter wird bei Straßen.NRW genauso als ständige Aufgabe begriffen. Hinzu kommen Innovationen, die Arbeitsstellen sicherer machen sollen.

Wählen Sie aus, welcher Aspekt Sie interessiert:

Der Risiko-Parcours für Straßenwärter
öffnen

Der Risiko-Parcours Straßenbetriebsdienst geht auf eine Anregung im Rahmen eines Ideenwettbewerbs bei Straßen.NRW zurück. Der konkrete Parcours wurde daraufhin von der Unfallkasse NRW zusammen mit dem NRW-Verkehrsministerium, der Hessischen sowie der Bayerischen Unfallkasse und Straßen.NRW entwickelt. Seine Premiere feierte das Projekt schließlich im Jahr 2012. Zunächst wurden die Straßenwärter der damaligen Straßen.NRW-Autobahnmeistereien geschult. Seit Ende 2017 sind die Kollegen in den Straßenmeistereien an der Reihe.

Darum geht es beim Risiko-Parcours

Der Parcours soll Straßenwärtern helfen, gefährliche Situationen im Arbeitsalltag besser einschätzen zu können und die Arbeit sicherer zu machen. So ist es zum Beispiel wichtig, Entfernungen heranbrausender Autos bei einem Blick in den Seitenspiegel richtig einschätzen oder die Abstände von vorbeifahrenden Fahrzeugen und die Geschwindigkeiten der anderen Verkehrsteilnehmer ermitteln zu können.

An mehreren Stationen sind die Straßenwärter deshalb mit verschiedenen Aufgaben konfrontiert. Unter realistischen Bedingungen, aber ohne Gefahr für die Gesundheit. Denn trainiert wird nicht auf freier Strecke, sondern auf dem Gelände der jeweiligen Meisterei.

Standen beim Parcours zunächst vor allem die Arbeiten an und auf Autobahnen im Mittelpunkt, wurde der Parcours mittlerweile auf die Herausforderungen der täglichen Arbeit an und auf Landesstraßen abgestimmt.

Die Stationen des aktuellen Risiko-Parcours

  • Argus Auge 1: Einschätzen von Entfernungen
  • Argus Auge 2: Einschätzen von Geschwindigkeiten
  • Argus Auge 3: Einschätzen von Ausstiegs-Lücken
  • Faustregeln 1: Ein- und Aussteigen
  • Faustregeln 2: Einstellen von Sitz und Kopfstütze
  • Faustregeln 3: Gurt und Spiegelnutzung
  • Faustregeln 4: Ladungssicherung
  • Doppeldenker: Trotz Arbeitsgeräuschen die heranfahrenden Fahrzeuge bemerken
  • Sprunglabor: Eigenes Sprunggewicht richtig einschätzen
Abbiegeassistent in LKW
öffnen
Foto: Abbiegeassistent

Straßen.NRW ist seit Juli 2019 Sicherheitspartner des Bundesministeriums für Verkehr (BMVI). Damit ist Straßen.NRW die erste Landesstraßenbauverwaltung, die sich an der von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ins Leben gerufenen „Allianz für Sicherheit“ beteiligt.

Deren zentraler Inhalt: die Ausrüstung von LKW mit so genannten Abbiegeassistenten. Dabei handelt es sich um ein Warnsystem, das Berufskraftfahrer auf Radfahrer und Fußgänger hinweist, die sich im so genannten „toten Winkel“ des Fahrzeugs befinden. Die übergeordneten Ziele des Projekts: weniger Abbiegeunfälle, mehr Verkehrssicherheit.

Die Arbeitsstättenrichtlinie (ASR) A5.2
öffnen

Straßenbaustellen sind aufgrund ihres Eingriffs in den Verkehr immer auch eine Risikoquelle, für Verkehrsteilnehmende, aber auch für die Arbeitenden. Seit Dezember 2018 gilt eine neue Arbeitsstättenrichtlinie (ASR), die nicht nur den Bewegungsraum innerhalb der Baustelle, sondern auch den Sicherheitsabstand zum fließenden Verkehr neu regelt. Damit nimmt die „ASR A5.2“ den Arbeitsschutz stärker als bislang in den Fokus. Das bedeutet, dass Straßen unter Umständen öfter gesperrt werden müssen, wenn gebaut wird.

Herr Paul, die ASR A5.2 ist seit Dezember 2018 in Kraft. Um was geht es hier genau?

Die Arbeitsstättenregel A5.2 schützt die Beschäftigten auf Baustellen vor Gefährdungen durch den fließenden Verkehr im Grenzbereich zum Straßenverkehr. Das bedeutet vor allem, dass sie eine Mindestbreite sowie einen geschwindigkeitsabhängigen Sicherheitsabstand zu den vorbeifahrenden Fahrzeugen definiert.

Die Beschäftigten bekommen also genügend Freiraum für ihre Arbeiten, zugleich aber auch ein größtmögliches Maß an Sicherheit. Wie sieht es mit den Verkehrsteilnehmenden aus? Werden auch deren Belange in der neuen Richtlinie berücksichtigt?

Die ASR A5.2 betrachtet nur den Arbeitssicherheitsaspekt. Die Belange der Verkehrsseite werden weiterhin in der Straßenverkehrsordnung, den Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA) sowie den zusätzlichen technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Sicherungsarbeiten an Arbeitsstellen an Straßen (ZTV-SA) geregelt.

Die Bedingungen auf Baustellen müssen also gleich mehreren Richtlinien gerecht werden. Welche konkreten Auswirkungen hat das auf die Abläufe vor Ort?

Der uns zur Verfügung stehende Raum ist beschränkt, weil es definierte Abstände gibt, die für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden und möglichst fließenden Verkehr sorgen sollen. Bei immer breiter werdenden Fahrzeugen lassen sich auf der vorhandenen Verkehrsfläche jedoch schon jetzt die notwendigen Fahrstreifenbreiten kaum realisieren. Durch die ASR A5.2 kommen zusätzliche Anforderungen hinzu. Das macht die Planungen komplexer.

Was zur Folge hat, dass je nach vorhandenem Platz und bei Arbeiten von Beschäftigten im Grenzbereich zum fließenden Verkehr ein erhöhter Planungs- und Abstimmungsbedarf besteht. Die ASR A5.2 eröffnet zwar die Möglichkeit auch andere Lösungen zu wählen, jedoch müssen sie die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen und sind im Vorfeld mit den für Arbeitsschutz zuständigen Behörden abzustimmen. Die Anwendung der ASR A5.2 kann sogar bis zur Vollsperrung einer Strecke oder Fahrtrichtung führen - mit allen notwendigen Umleitungsmaßnahmen.

Aber wäre eine Vollsperrung dann nicht ohnehin die beste Lösung?

Eine Vollsperrung stellt aus Sicht des Arbeitsschutzes sicherlich die optimale Lösung dar. Aus Verkehrssicht ist eine Vollsperrung allerdings die Ultima Ratio, die nur dann zur Anwendung kommt, wenn gar nichts anderes mehr geht.

Eine Vollsperrung ist – neben dem Aufwand bei der Abstimmung und Einrichtung sowie dem starken Eingriff in den fließenden Verkehr – auch mit erheblichen Gefährdungen der Verkehrsteilnehmenden verbunden. Hier sind exemplarisch Stauendunfälle und Umleitungen auf Straßen, die nicht für die Aufnahme der Umleitungsverkehre konzipiert sind, zu nennen.

Mit welchen konkreten Sicherheitsmaßnahmen fängt Straßen.NRW die gerechtfertigten Belange beider Gruppen – Arbeitende und Verkehrsteilnehmende – also prinzipiell auf?

Straßen.NRW versucht, wo immer es möglich ist, die verkehrlichen Auswirkungen der planbaren Baustellen zu minimieren. Dabei müssen wir auch die Baustellen anderer Verkehrsträger berücksichtigen. Darüber hinaus kündigen wir die Arbeiten konkret und frühzeitig durch die Medien, Flyer, Beschilderungen, Markierungen, Sicherungshänger oder Leitschwellen an, um die Sensibilität aller Verkehrsteilnehmenden für etwaige Gefahrenquellen zu erhöhen.

Appell an Verkehrsteilnehmer
öffnen
Foto: Straßenwärter mit Warnschwelle
  • Der Standstreifen an Autobahnen und Straßen ist für den Betriebsdienst Arbeitsraum. Als Straßennutzer müssen Sie immer damit rechnen, dass am Rande der Straßen oder auf gesperrten Fahrstreifen Betriebsdienstfahrzeuge stehen, dass dort Menschen arbeiten.

  • Beachten Sie daher unbedingt die Geschwindigkeitsgebote in Arbeits- und Baustellenbereichen. Je niedriger das Tempo, desto weniger Gefahr für das dort arbeitende Personal.

  • Werfen Sie keine Dosen oder Dinge, die Menschen verletzen können, aus dem Fahrzeug. Erschrecken Sie das Personal nicht durch unnötiges oder aggressives Hupen: Das könnte zu einem unkontrollierten Verhalten führen.

  • Halten Sie Abstand von Absperrbaken und Kegeln, damit Straßenwärter an ihren Arbeitsplatz nicht durch aufgewirbeltes Absperrmaterial verletzt werden.

  • Haben Sie Verständnis für unsere Arbeit und bedenken Sie: Es geht auch um Ihre Sicherheit!