Straßenbeläge
Auch wenn es sich hartnäckig im Sprachgebrauch hält: Straßen in Deutschland werden schon seit Ende der 1970er Jahre nicht mehr "geteert", Ende der 1980er Jahre wurden teer- und pechhaltige Mischgute sogar ganz verboten. Der Grund: Bei der Herstellung und beim Einbau von heißem teer- und pechhaltigem Mischgut entstehen ungesunde Dämpfe. Insofern ist das "Teeren" der Straße ein sprachliches Relikt aus der Vergangenheit und hat mit der Herstellung einer neuen Asphaltschicht nichts zu tun. Unsere Straßen werden "asphaltiert". Und dabei kommen verschiedene Sorten und Bauweisen zum Einsatz.
Aufbau einer Asphaltstraße
Bauweisen beim Straßenbelag
Vergleich Früher und Heute
Früher wurden Straßenpech beziehungsweise Straßenteer, Mischungen aus Straßenpech und Bitumen sowie andere teer- und pechhaltige Bindemittel in verschiedenen Bereichen des Straßenbaus eingesetzt. Sie dienten vor allem als Bindemittel für Schichten des Straßenoberbaus (zum Beispiel so genannte Teerasphaltbinder und Teerasphaltbeton). Während Bitumen aus Erdöl gewonnen wird, stammt Pech aus Steinkohle.
Heute wird im Straßenbau "Bitumen" als Bindemittel für Heißmischgut und als Basis für Anspritzmittel ("Bitumenemulsionen") eingesetzt. Aus Gesteinskörnungen und Bitumen wird Asphaltmischgut hergestellt, das als Baustoff für die Asphaltschichten des Straßenoberbaus dient.
Gussasphalt
Gussasphalt ist sehr verformungsbeständig, hat eine lange Nutzungsdauer und eine dauerhaft gute Griffigkeit. Aufgrund seiner langen Nutzungsdauer stellt er eine gute Wahl dar, wenn es darum geht, den Zeitraum zwischen zwei Sanierungsmaßnahmen zu verlängern. Seit einigen Jahren gibt es ihn auch in der lärmtechnisch verbesserten Variante. Die bedeutet: Wenn bei der Herstellung gewisse Randbedingungen eingehalten werden, darf er offiziell als Lärmarmer Fahrbahnbelag bei den sogenannten Lärmtechnischen Berechnungen berücksichtigt werden.
Wegen seiner dichten Struktur kann die lärmmindernde Wirkung nur über die Gestaltung der Oberfläche erfolgen. So muss die Körnung des Abstreusplittes möglichst eng gestuft sein.
Temperaturabgesenkter Asphalt
Auf den Straßen im Verantwortungsbereich von Straßen.NRW wird seit 2021 auf ausgesuchten Streckabschnitten Temperaturabgesenkter Asphalt (TA-Asphalt) systematisch erprobt. Bei der Verwendung von TA-Asphalt wird der Asphalt mit einer um mindestens 20 Grad Celsius niedrigeren Temperatur als bisher hergestellt und eingebaut. Dies wird durch die Zugabe von speziellen Additiven oder auch alternative Herstellungstechnologien erzielt. Ziel der Erprobung ist, unterschiedliche Additive oder Herstelltechnologien unter Einbaubedingungen in die Praxis zu bringen und damit Langzeiterfahrungen zu sammeln.
TA-Asphalt in Kombination mit einer Absaugeinrichtung am Straßenfertiger reduziert die potentiellen Gesundheitsgefahren für die Arbeiter*innen auf der Baustelle durch Dämpfe und Aerosole. Diese Gefährdung bei der Heißverarbeitung von Bitumen ist seit Jahren in der Diskussion.
Weitere Informationen zur konkreten Umsetzung von „Temperaturabgesenktem Asphalt bei Straßen.NRW“ finden sich unter „Infos für Umsetzungspartner“.
Bildergalerie: Einbau von temperaturabgesenktem Asphalt
Offenporiger Asphalt oder "Flüsterasphalt"
Offenporiger Asphalt (OPA) ist derzeit die effizienteste Art, die Fahrgeräusche des Straßenverkehrs zu reduzieren. Daher wird seit mittlerweile fast 15 Jahren dieser Fahrbahnbelag genutzt, um an besonders kritischen Stellen das Abrollgeräusch der Reifen auf einer Fahrbahn deutlich zu verringern. Durch den hohen Anteil gröberer Gesteinskörner entstehen im Asphalt mehr Hohlräume (22 Vol.-%), die den Schall "schlucken", der durch die Rollgeräusche der Reifen auf der Straßenoberfläche erzeugt wird. Wegen dieser Eigenschaften wird der OPA umgangssprachlich auch als "Flüsterasphalt" bezeichnet. Allerdings hat der Offenporige Asphalt auch Nachteile: Während der normale Straßenbelag einer hoch belasteten Autobahn aus Asphalt oder Beton heute circa 20 Jahre lang hält, liegt die Haltbarkeit des OPA-Belages nur bei etwa zehn Jahren.
Zum Einsatz kommt dieser spezielle Fahrbahnbelag allerdings fast ausschließlich auf hoch belasteten Autobahnen, weil sich in der Regel nur dort die Herstellung wirklich lohnt. Je schneller die Hohlräume verschmutzen, desto schneller lässt die gute Wirkung nach. Durch Schmutzeintrag von anderen (benachbarten) Baumaßnahmen, Aufgrabungen, landwirtschaftlichen Verkehr etc. kann die Verschmutzung außerhalb von Autobahnen besonders schnell einsetzen.