Radschnellwege in NRW: Das Konzept

Foto: Radschnellweg

Kaum etwas prägt das Leben in einer globalisierten Gesellschaft so sehr wie Mobilität. Mobilität ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe, sie steht für Beweglichkeit, Veränderung und Entwicklung. Und so erfreut sich das Auto nach wie vor größter Beliebtheit, wird aber immer öfter in einem Atemzug mit den Themen Staus, Luftbelastung und Platzmangel, vor allem in den dicht bevölkerten Städten und Metropolen, genannt. In der Folge verändert das Autofahren sein Gesicht. Fahrerlose Systeme sind in der Erprobung, Elektroantrieb macht das Fahren abgasärmer. Immer öfter greift der mobile Mensch für Langstrecken auf Bahn und Fernbusse zurück. Daneben liegt das gute, alte Fahrrad, 200 Jahre nach seiner Erfindung, wieder voll im Trend. Das Fahrrad wandelt sich vom Fortbewegungsmittel zum angesagten Statussymbol – Radfahren ist Fortbewegung mit eingebautem Fitnessfaktor und es ist Ausdruck eines individuellen, gelassenen und nachhaltigen Lebensstils.

Radfahren – die Alternative zum motorisierten Individualverkehr

Mit dem „Aktionsplan zur Förderung der Nahmobilität“ hat das Land Nordrhein-Westfalen den Mobilitätstrend aufgegriffen. NRW verfolgt das Ziel, Nahmobilität, das heißt insbesondere den Rad- und Fußgängerverkehr, gleichwertig neben den öffentlichen Personenverkehr und motorisierten Individualverkehr zu stellen. Einen wesentlichen Beitrag dazu werden die Radschnellwege in Nordrhein-Westfalen leisten:

Die leistungsfähigen Verkehrswege dienen der Verbindung von wichtigen Quell- und Zielgebieten, z.B. Universitäten, Wohnvierteln und großen Arbeitgebern - und das mit direkten Führungen zum Ziel und der Möglichkeit, hohe Reisegeschwindigkeiten zu halten, auch über größere Entfernungen.

Radschnellwege sollen vor allem in Ballungsräumen mit starken zwischengemeindlichen Verflechtungen bzw. mit staugefährdeten Pendlerstrecken eine Alternative zum motorisierten Individualverkehr bieten. Perspektivisch sollen die Radschnellverbindungen des Landes zusätzlich mit einem attraktiven Zubringernetz in den Regionen bzw. Kommunen verknüpft werden.

Von gut ausgebauten und vernetzten, sicher und komfortabel zu befahrenden Radschnellwegen verspricht sich die Landesregierung eine Verlagerung von Berufs- und Ausbildungsverkehr vom Pkw auf das Fahrrad - eine große Kooperationsaufgabe für Land, Regionen und Kommunen.

Planung und Bau im Einklang mit Natur und Umwelt

Foto: Radschnellweg

Die Radschnellwege sollen sicher und schnell zu befahren sein und müssen daher – so schreibt es das 2016 geänderte Straßen-und Wegegesetz NRW vor – ähnlichen Ansprüchen wie Landesstraßen genügen.

Im Rahmen der Planung von Radschnellwegen wird geprüft, ob schützenswerte Ressourcen beeinträchtigt werden. Für einen neu zu bauenden Radweg kann es also Ausgleichsmaßnahmen geben, die zum Beispiel die Versiegelung von Grund und Bodenfläche in der Öko-Bilanz wieder ausgleichen. Je nachdem, mit welchem Ergebnis die Prüfung endet, ergeben sich unterschiedliche Planungsverfahren. Alle haben das Ziel, den Bau der Radschnellwege rechtlich abzusichern. Dabei werden Interessen von Bürgern sowie der „Träger öffentlicher Belange“, das können Wasser- und Stromversorger, Netzwerkbetreiber, Bahn oder Rettungsdienste sein, berücksichtigt.

Alle Regelungen dienen der Vereinbarkeit von Ansprüchen an einen modernen Verkehrsweg mit den Interessen von Menschen und Umwelt.

Partnerschaft Radschnellwege

An einem Radschnellweg – der längste wird über 100 Kilometer lang sein – wird an vielen Stellen gearbeitet. Jeder Abschnitt muss im Detail betrachtet und geplant werden. Dafür übernimmt Straßen.NRW die Verantwortung und arbeitet dabei eng mit den Kommunen oder Verbünden, z. B. mit dem Regionalverband Ruhr (RVR), zusammen, die für einzelne Abschnitte die Planung und alle notwendigen Abstimmungsgespräche übernehmen.

Der Landesbetrieb sorgt mit konkreten Vorgaben für Bau- und Ausstattungsstandards sowie mit klaren Regeln für den Winterdienst dafür, dass sich Nutzer der Radschnellwege auf eine einheitliche Qualität verlassen können.

Ein zentraler Partner in allen Fragen der Nahmobilität ist die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGFS). Die AGFS, das Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr und Straßen.NRW setzten sich gemeinsam dafür ein, den Radverkehr zu fördern und durch die Verlagerung von Pendlerverkehren vom Kraftfahrzeug auf das Fahrrad die Erlebnisqualität der Stadt-und Straßenräume zu optimieren.