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Pressemitteilung vom 12.10.2020

A45: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gibt grünes Licht für Vorzugsvariante der Siegtalbrücke

Siegen (straßen.nrw). Nach weitreichenden Voruntersuchungen zum Ersatzneubau der Siegtalbrücke und Abwägung der Vor- und Nachteile verschiedener Varianten hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Beisein von Vertretern des Verkehrsministeriums NRW, des Landesbetriebs-Straßenbau NRW sowie der ab 2021 zuständigen Autobahn GmbH des Bundes den Beschluss gefasst, der weiteren Entwurfsplanung als Vorzugsvariante eine Schrägseilbrücke mit Spannweiten von bis zu 192,5 m zu Grunde zu legen.

Untersucht wurden Aspekte der Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Herstellbarkeit, Umweltauswirkungen und Gestaltung. Der Ersatzneubau der Siegtalbrücke zeichnet sich neben der rein ingenieurmäßigen Herausforderung, die sich aus der außergewöhnlichen Länge und Höhe der Brücke ergibt, auch durch eine Vielzahl an Kollisionspunkten im Tal aus. Ein großes Augenmerk bei der Variantenuntersuchung lag auf der Vermeidung bzw. Reduzierung der Betroffenheit im Tal. Dies umfasst neben möglichen Einschränkungen von Flächennutzbarkeiten oder verkehrlichen Behinderungen der unterführenden Straßen- und Schienenwege insbesondere auch die Reduzierung der durch die Baumaßnahmen entstehenden Immissionen für die direkten Anwohner. Nach Abstimmung mit dem BMVI wurde der Variante mit der mit Abstand kürzesten Bauzeit der Vorzug gegeben. Die Pfeileranzahl kann durch die großen Stützweiten einer Schrägseilbrücke von zwölf auf lediglich sechs Stück reduziert werden, wodurch auch die aktiv im Talbereich stattfindenden Bautätigkeiten gegenüber herkömmlicher Balkenbrücken reduziert werden kann. Neben den technischen Vorteilen einer Schrägseilbrücke bietet diese Variante in besonderem Maße die Möglichkeit, das Ortsbild durch eine optische Öffnung des Tals für die Zukunft positiv zu prägen.

Nach Festlegung der Vorzugsvariante für die Siegtalbrücke wird neben der Fortführung der Brückenplanung der straßenplanerische Entwurf erstellt. Dieser beinhaltet auch den 6-streifigen Ausbau der A45 gemäß Bundesverkehrswegeplan und die hierdurch erforderlichen Ersatzneubauten der in diesem Planungsabschnitt liegenden sonstigen Brückenbauwerke, Lärmschutzmaßnahmen, Entwässerungsanlagen nach dem Stand der Technik, landschaftspflegerische Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen sowie ggf. erforderliche Maßnahmen für den Artenschutz etc. Nach Prüfung und Genehmigung dieser Planunterlagen werden auf deren Grundlage die Planfeststellungsunterlagen erstellt und das Planfeststellungsverfahren durchgeführt. Die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens ist nach derzeitigem Stand für 2024 disponiert.

Der Beginn der Baumaßnahme wird maßgebend beeinflusst vom Verlauf des Planfeststellungsverfahrens. Nach Erlangung des Baurechts kann, wenn alle rechtlichen und tatsächlichen Voraussetzungen vorliegen, der Ausbau der A45 mit Ersatzneubau der Siegtalbrücke erfolgen. Hiermit ist frühestens 2027 zu rechnen.

Auch für den Abbruch des Bestandsbauwerks werden verschiedene Varianten untersucht. Beim Rückbau von Bestandsbauwerken ist jedoch immer der Zustand des Bauwerks von entscheidender Bedeutung für die Durchführbarkeiten der Varianten. Deshalb wurden für die laufenden Planungen bereits zerstörungsfreie sowie invasive Untersuchungen sowie Vermessungsarbeiten und statische Untersuchungen vorgenommen, um grundsätzliche Machbarkeiten abzuklären. Bislang sind nicht alle Untersuchungen und Abwägungsprozesse abgeschlossen, sodass noch keine Vorzugsvariante festgelegt werden kann. Das ausgewiesene Planungsziel lautet jedoch, alle Immissionen und Einschränkungen für die Siegener Bevölkerung sowohl zeitlich als auch qualitativ auf das geringstmögliche Maß zu begrenzen.

Der Verkehr der A45 wird über die gesamte Bauzeit über die Autobahn geführt werden. Die beiden Fahrtrichtungen Dortmund und Frankfurt liegen derzeit auf zwei getrennten Überbauten je Fahrtrichtung. Dieser Zustand ermöglicht, dass bauzeitlich zunächst der komplette Verkehr mit reduzierten Fahrspurbreiten über einen der beiden Überbauten geführt werden kann, während der zweite Überbau zurückgebaut wird. Somit entsteht Platz für den Neubau der Schrägseilbrücke. Sobald diese errichtet ist, kann der Verkehr bereits vollständig auf die neue Brücke umgelegt werden und der Rückbau des Restbestands erfolgen. Je nach Baufortschritt können zeitweise verkehrliche Einschränkungen der unterführenden Verkehrswege auftreten, die jedoch mit sinnvollen Verkehrsführungen oder Umleitungskonzepten gelöst werden.

Die Schätzkosten für den Neubau der Brücke liegen bei ca. 160 Millionen Euro. Hinzu kommen noch die Rückbaukosten, die jedoch aufgrund der laufenden Vorplanungen derzeit noch nicht feststehen.

Pressekontakt: Karl-Josef Fischer, Telefon 0271-3372-242

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