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Pressemitteilung vom 29.05.2019

Planen, aber sicher: neue Sicherheitsauditoren bei Straßen.NRW

Gelsenkirchen (straßen.nrw). 15 Ingenieure von Straßen.NRW haben jetzt die Weiterbildung zum so genannten „Sicherheitsauditor für Straßen“ abgeschlossen. Damit verfügt der Landesbetrieb Straßenbau nun insgesamt über 102 Auditoren. Die Experten überprüfen einen Großteil der Planungen von Straßen.NRW im Hinblick auf Sicherheitsaspekte. Und das aus unterschiedlichen Perspektiven: Die Auditoren versetzen sich in die Lage aller, die direkt oder indirekt am Verkehr teilnehmen, und kontrollieren so, ob eine neue Straße Gefahrenquellen birgt. Ziel ist es, Straßen schon in der Planungsphase sicherer zu machen.

Wo gearbeitet wird, können Fehler passieren. Diese Erfahrung gilt bei der Planung einer neuen Straße ebenso wie bei der Einrichtung einer Bushaltestelle. „Es gibt zahlreiche Faktoren, die einem Planer das Leben schwer machen können“, erläutert Wolfgang Mattner, der bei Straßen.NRW für die Ausbildung von Sicherheitsauditoren zuständig ist. „Da gibt es so genannte Zwangspunkte, die im Rahmen einer Planung umschifft werden wollen. Das können vorhandene Gebäude oder auch schützenswerte Bäche sein. Hinzu kommen die unterschiedlichen Anforderungen aus den Bereichen Umwelt, Lärm, Luftschadstoffe oder auch die Wünsche örtlich Betroffener. Und manchmal werden bei all dem die Aspekte der Verkehrssicherheit zu wenig berücksichtigt.“

Um etwaige Fehler dieser Art zu finden und zu korrigieren, bildet Straßen.NRW seit mittlerweile 17 Jahren erfahrene Ingenieure zu Sicherheitsauditoren weiter. In Zweierteams, bestehend aus einem Planer und einem Experten für Verkehrssicherheit, überprüfen sie sämtliche Planungen. „Ob Kfz, ÖPNV, Radfahrer oder Fußgänger – sie alle müssen zu ihrem Recht kommen“, sagt Harald Bode von Straßen.NRW. „Die Auditoren waren an der Ausarbeitung der Pläne nicht beteiligt und gehen deshalb ohne Vorwissen beispielsweise über politische Absprachen an ihre Aufgabe. Sie versetzen sich in die Rolle der einzelnen Verkehrsteilnehmer und schauen ausnahmslos auf deren Sicherheit.“ Das geschieht zunächst am Schreibtisch: Lagepläne und Erläuterungsberichte werden gesichtet, die Verkehrsbelastung miteinbezogen. Später geht es dann hinaus auf die Straße, um die räumliche Wirkung der Maßnahmen direkt vor Ort in das Audit einfließen zu lassen.

„Wir haben innerorts eine Straße mit zwei Geschäften, aber der Fußgängerüberweg ist in 100 Metern Entfernung geplant“, nennt Mattner ein Beispiel. „Da sagt uns die Erfahrung, dass die Fußgänger an einer anderen Stelle die Straße überqueren werden – nämlich dort, wo die Geschäfte sind. Also muss der Fußgängerüberweg verlegt werden, um das Unfallrisiko zu mindern.“ Auf diese Weise werden wichtige Sicherheitsaspekte berücksichtigt und optimal auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt. Und das gilt für alle Bereiche der Planung. Wenn etwa Schilder bei der Anfahrt aufgrund einer Steigung zu spät gesehen werden oder durch Bäume verdeckt sind, müssen sie versetzt werden. Kurzum: Ein Sicherheitsaudit betrachtet den konkreten Einzelfall auf eventuelle Gefahrenquellen und hilft, diese zu beseitigen.

Die Auditoren selbst sind Ingenieure und Ingenieurinnen mit mehrjähriger Erfahrung. Über einen Zeitraum von sechs Monaten werden Ihnen in mehreren Schulungsmodulen exemplarisch Fehlermöglichkeiten in Planungen aufgezeigt – das können eine falsche Querneigung einer Straße oder eine fehlende Entwässerung sein, aber auch die Art der Bepflanzungen oder Schwierigkeiten durch die Ausführung der Radverkehrsanlagen. Auch gilt es, bei einer Bewertung zwischen Autobahnen, Landstraßen oder Ortsdurchfahrten zu unterscheiden und die Lage vor Ort jeweils individuell angepasst zu bewerten. Da sich zudem Regelwerke ändern können, findet einmal jährlich ein Erfahrungsaustausch statt, damit die Auditoren jederzeit über neue Vorschriften auf dem Laufenden sind. Und: „Durch die zusätzliche Ausbildung lernen die Ingenieure auch für ihren eigenen Arbeitsalltag“, so Bode. „Ein genauer Einblick in das Thema Verkehrssicherheit hilft nun einmal bei der grundsätzlichen Planung von neuen Straßen.“

Das Sicherheitsaudit wurde Ende 2002 beim Landesbetrieb Straßenbau NRW eingeführt. Pro Jahr werden bei Straßen.NRW etwa 300 Audits in der Vorplanung, im Vorentwurf, im Ausführungsentwurf und vor der Verkehrsfreigabe durchgeführt.

Pressekontakt: Susanne Schlenga, Telefon 0209-3808333; Bernd A. Löchter, Telefon 0209-3808333

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