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Pressemitteilung vom 04.07.2019

B51/B64: „4zu1“ Ost-Münsterland-Verbindung: Ohne einen vierstreifigen Ausbau der B51 wird es nicht gehen

Münster (straßen.nrw). Auf der Bürgerveranstaltung in Handorf begründen das Verkehrsministerium und der Verkehrsgutachter den Ausbau der B51 als wichtigen Teil der leistungsfähigen Ost-Münsterland-Verbindung. Im Mittelpunkt der Bürger-Diskussion stand die Frage, ob durch die anvisierte „Verkehrswende“ ein Ausbau nicht überflüssig werden würde.

Michael Heinze, Chefplaner im Verkehrsministerium NRW, eröffnet die Veranstaltung mit einer sehr deutlichen Antwort auf die „Ob-Frage“ im Zusammenhang mit der 4zu1-Baumaßnahme von Straßen.NRW. Durch die drei B64-Ortsumgehungen in Herzebrock-Clarholz, Beelen und Warendorf sowie durch den vierstreifigen Ausbau der B51 von Münster nach Telgte soll eine schnelle Verbindung zwischen den Oberzentren Münster und Bielefeld entstehen. „Wir haben das große Glück, dass sich die Oberzentren positiv entwickeln. Wir wollen dieses Wachstum in NRW und deshalb brauchen wir eine geeignete Infrastruktur“, betont Heinze einleitend. Der zuständige Verkehrsgutachter Dr.-Ing. Hartmut Ziegler von DTV Consult aus Aachen belegt im Anschluss mit seinen Zahlen, warum es zum vierstreifigen Ausbau keine Alternative gibt. Derzeit fahren im Durchschnitt 24.500 Fahrzeuge im Streckenabschnitt zwischen Münster und Handorf. 1.450 davon sind LKWs. Bis 2030 werden es aufgrund des Wachstums der Region und entsprechend steigendender Wirtschaftsverkehre 33.500 Fahrzeuge werden – hiervon rund 2.300 LKWs. Auch heute schon staut sich spätestens ab der Kreuzung Handorfer Straße jeden Werktag der Verkehr, so dass viele Pendler bereits ab Warendorf eine Ausweichroute über Freckenhorst wählen oder über Schleichwege fahren. Die jetzige Situation wird vom Verkehrsgutachter als mangelhaft eingestuft. Die Maßnahme ist deshalb im Fernstraßenausbaugesetz enthalten und vom Bundestag beschlossen. Dies kann weder das Land noch eine Kommune rückgängig machen.

„Zum Glück“, sagt Michael Heinze, denn Alternativen zum motorisierten Individualverkehr sind vor allem für Städte attraktiv. Im ländlichen Raum greifen diese aber leider nicht. Dies sieht auch der Verkehrsgutachter so, der bereits eine deutliche Erhöhung der Fahrgastzahlen bei einer Verdoppelung der Schienentaktung eingerechnet hat. Bei einem Halbstundentakt würden rund 1900 Fahrzeuge weniger die Straße benutzen – vorausgesetzt die Bürger fahren auch wirklich mit den Öffentlichen. Wenn nicht, muss mit 35.000 Fahrzeugen gerechnet werden. Mehrere Bürgerinnen und Bürger wollen in der Debatte wissen, ob nicht zukünftig viel mehr Menschen auf den ÖPNV umsteigen könnten. „Selbst wenn ein Viertelstundentakt auf einer eingleisigen Strecke realisiert werden könnte, wären das wieder nur 1.900 Fahrzeuge weniger“ erläutert Dr. Ziegler. Die Rechnung ginge auch nicht auf, wenn mehrere Tausend Menschen jeden Tag per Fahrrad, Roller, mit zusätzlichen Bussen oder mit Mitfahrmöglichkeiten nachhaltiger unterwegs wären. Im Idealfall könnte dies eine Reduktion von sechs- bis achttausend Fahrzeugen bedeuten. Abgesehen von der Frage, ob dies dann auch für Regenwetter realistisch ist, gäbe es 2030 dann immer noch den gleichen Stau wie heute. „Wir haben hier eindeutige Rechtsvorschriften, dass ein solcher Missstand zu beheben ist“, macht Michael Heinze deutlich und verweist noch einmal auf die besondere Situation der Unternehmen. Die Bahnstrecke ist für den Güterverkehr nicht geeignet, weil das Gleisbett die Lasten nicht trägt und es keine Be- und Entlademöglichkeiten gibt. Das Lastenfahrrad ist ebenfalls nur in wenigen Fällen eine Alternative zum LKW. „Wir brauchen hier eine bessere Infrastruktur, damit die Unternehmen in der Region eine Zukunft haben“, erläutert Heinze. Ein anderer Bürger fragt, ob die Bahnstrecke nicht zweigleisig ausgebaut werden könnte. Bernhard Epmann, Projektleiter von Straßen.NRW ist hier ebenfalls eindeutig. „Für eine zweigleisige Bahnstrecke in den Ortsdurchfahrten Telgte, Beelen und Warendorf müssten ganze Häuserzeilen in den Ortskernen weichen. Das ist keine Option!“. Alle Podiumsteilnehmenden betonen, dass für eine Verkehrswende Mobilität CO2-frei und der ÖPNV gestärkt werden muss. Aber selbst dies würde vier Fahrstreifen voraussetzen – z.B. für eine separate schnelle Busspur.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wird an Thementischen die Planung detaillierter besprochen. Wichtige Anregungen kommen zu den Bus-Haltestellen für Schüler am Pleistermühlenweg sowie für die St. Rochus Klinik. Hier müssen neue Lösungen erarbeitet werden. Viel Neues bringen die Stationen zum Landschaftsbild und Naturschutz, zum Denkmalschutz sowie zur Landwirtschaft. Die Bürgerinnen und Bürger haben vier Varianten entwickelt, wo genau ein neuer Prozessionsweg geschaffen werden könnte.

Eine Idee zielt auf einen viereinhalb Meter breiten Wirtschaftsweg direkt entlang der B51, welchen die Landwirte auch mit großen Fahrzeugen nutzen könnten. Die Anregungen werden in einem zusätzlichen Fachworkshop mit der Landwirtschaft weiter vertieft. Dieser breite Wirtschaftsweg könnte auch als zusätzliche schnelle Radverbindung zwischen Münster und Telgte genutzt werden und wäre zugleich eine gute Lösung für schnelle E-Bikes oder Roller, die nicht auf der B51 fahren dürfen. Vielleicht könnte auch eine lange Baumreihe oder Allee angelegt werden, so ein Vorschlag. Bernhard Epmann zeigte sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung: „Wir haben hier sehr viele wertvolle Anregungen mitgenommen, die die Planungen im Sinne der Bürger voranbringen“.

Am Freitag, den 05. Juli folgt eine Infomesse in Warendorf, bevor am 09. Juli in einer öffentlichen Ratssitzung in Telgte der Planungsstand vorgestellt wird und einen Tag später am 10. Juli die Bürgerinnen und Bürger zu einer Planungswerkstatt eingeladen sind.

Pressekontakt: Sandra Beermann, Telefon 0251-1444-763

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