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Pressemitteilung vom 11.07.2019

B51/B64: „4zu1“ Ost-Münsterland-Verbindung: Auch nachhaltige Mobilität braucht Infrastruktur

Telgte/Münster (straßen.nrw). Der Verkehrsgutachter Dr.-Ing. Hartmut Ziegler von DTV Consult aus Aachen ist mehr als eindeutig. Für 2030 prognostiziert er 35.500 Fahrzeuge auf der Strecke zwischen Telgte und Münster. Die Region wächst. Zum Glück entstehen neue Arbeitsplätze und auch Telgte plant ein neues Baugebiet. Nur die dafür notwendige Infrastruktur will man nicht, wie die Mehrheit der fast 500 Anwesenden auf der Bürgerveranstaltung unmissverständlich deutlich macht.

Stattdessen fordert Bürgermeister Pieper eine S-bahn. Selbst wenn die derzeit äußerst unzuverlässige Bahnverbindung im Takt verdoppelt würde, bleiben aber 33.500 Fahrzeuge. Rund 2300 davon sind Schwerverkehr. Der Güterverkehr kann auf dieser Strecke nicht über die Bahn abgewickelt werden, weil das Gleisbett nicht für die Belastung geeignet ist und keine Be- und Entlademöglichkeiten bestehen. Auch ein zweigleisiger Ausbau der Bahn wird nicht möglich sein, weil sonst in Münster, Telgte, Beelen, Warendorf und Herzebrock-Clarholz ganze Häuserzeilen fallen müssten. Eine Bürgerin regte eine Klimaspur an, auf der Busse und Elektroautos Vorrang hätten. Hierfür wäre allerdings ein vierspuriger Ausbau der B51 nötig, und das wird abgelehnt. Über zweieinhalb Stunden erläutert der Gutachter und das Team von Straßen.NRW die Methodik des Gutachtens und begründet die Notwendigkeit der Maßnahme. Das Bilden von Fahrgemeinschaften, mehr Homeoffice und flexible Arbeitszeiten wurden bereits mit eingerechnet. DTV Consult gilt als fachlich versiertes Gutachterbüro, dessen Arbeiten bis vor das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig höchstrichterliche Anerkennung haben. „Auch wenn alle 3850 Telgter, die heute nach Münster pendeln, an jedem Tag zu jeder Zeit und bei jedem Wetter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad fahren, bilden sich hier 2030 jeden Tag Staus“, macht Dirk Griepenburg, Leiter der Region Münsterland und Ruhr von Straßen.NRW deutlich. Die Kritiker auf der Veranstaltung lehnen die Maßnahme dennoch ab.

An einem konstruktiven Dialog besteht wenig Interesse. Nur etwa 80 Personen nutzen die Planungswerkstatt und gestalten die noch weitgehend offene Planung mit. Gute Anregungen werden dennoch aufgenommen: Eine Neugestaltung des Knotens am Münstertor mit Brücke über die Bahn wird vorgeschlagen. So könnte auch eine bessere Anbindung an die St. Rochus Klinik ohne Bahnquerung sowie an das Gewerbegebiet Kiebitzpohl erfolgen. Zum Radverkehr wurde eine Veloroute auch im Süden angeregt. Die von Straßen.NRW vorgeschlagene schnelle Rad-Verbindung direkt neben der B51 nach holländischem Modell wird dagegen kritisch betrachtet. In Holland werden Wirtschaftswege gemeinsam von Landwirtschaft, schnellen Radfahrern und motorisierten Kleinfahrzeugen genutzt – ohne große Konflikte.

Bewegung zeichnet sich auch für die Landwirtschaft ab. Straßen.NRW prüft die Möglichkeit, ob ab dem Handorfer Knoten mit Ausnahmeregelung außerhalb der Stauspitzenzeiten landwirtschaftlicher Verkehr zugelassen werden könnte. Ein zusätzlicher Workshop mit der Landwirtschaft wird das Ersatzwegenetz und Fragen der Ausgleichflächen bearbeiten. Am Umweltstand werden Hinweise auf einen Uhu und einen Steinkautz aufgenommen und jetzt geprüft. Auch Ideen zur Versetzung der Bildstöcke sind dabei, sie könnten zukünftig im Norden an der Veloroute einen neuen Platz finden. „Es geht also doch, gemeinsam mit den Bürgern gute Anregungen für die Planung zu sammeln“, kommentiert Dr. Antje Grobe von DIALOG BASIS den Abend, auch wenn Sie bedauert, dass viele Kritiker diese Chance nicht genutzt haben.

Pressekontakt: Sandra Beermann, Telefon 0251-1444-763

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