Die häufigsten Fragen zu Großraum- und Schwertransporten

Foto: Schwertransport bei Nacht

Nordrhein-Westfalen zählt im bundesweiten Vergleich zu den wichtigsten Wirtschafts- und Exportländern. Viele Güter werden in NRW produziert oder per Transitverkehr durch das Land transportiert. Kurzum: Nordrhein-Westfalen ist Güterverkehrsdrehscheibe von nationaler und internationaler Bedeutung. Viele Transporte finden über Wasserwege oder die Schiene statt, häufig führt der Weg jedoch über Autobahnen, Bundes- oder Landesstraßen. LKW prägen quasi täglich das Straßenbild. Es gibt jedoch Güter, die sind so groß oder so schwer, dass ein "normaler" LKW sie gar nicht mehr transportieren kann. Dann wird ein so genannter Schwer- beziehungsweise Großraumtransport durchgeführt. Eine Herausforderung für die Spediteure - aber auch für die Infrastruktur. Auf dieser Seite beantwortet Straßen.NRW die häufigsten Fragen zu Großraum- und Schwertransporten.

Was ist überhaupt ein Schwertransport?

Großraum- und Schwertransporte weichen von den zulässigen, also "normalen", Abmessungen und Gewichten ab. Was als "normal" gilt, ist in Vorschriften geregelt – insbesondere in der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO). Grob kann man sagen, dass alles über 44 Tonnen Gesamtgewicht als Schwertransport gilt. Hauptsächlich kann man folgende Arten unterscheiden:

  1. Großraumtransporte, das bedeutet große Abmessungen und kleines Gewicht (zum Beispiel ein Blechsilo oder ein Tank als Transportgut)
  2. Schwertransporte, das bedeutet geringe Abmessungen, aber ein sehr hohes Gewicht (zum Beispiel ein Autokran)
  3. Großraum- und Schwertransporte, also eine Kombination aus den Punkten 1 und 2 (zum Beispiel Großtransformatoren oder Turbinen als Transportgut)

Dürfen Großraum- und Schwertransporte einfach losfahren zum Zielort - so wie jeder "normale" LKW?

Nein, Großraum- und Schwertransporte brauchen immer eine Genehmigung. Damit diese Transporte genehmigt werden können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Hierzu gehört unter anderem, dass die Ladung unteilbar ist. Das bedeutet, dass die Ladung nicht in Einzelteile, die dann jeweils ein geringeres Gewicht oder geringere Abmessungen hätten, zerlegt werden kann. Schwertransporte sind immer eine Herausforderung für die Infrastruktur: Nicht alle Straßen und Brücken sind für solch schwere und große Lasten ausgelegt. Priorität hat deshalb zunächst ein Transport über Schiene oder Wasserstraße. Ist dies nicht möglich oder unzumutbar, kommt ein Transport über die Straße in Betracht. Der konkrete Fahrtweg muss dann so gewählt sein, dass der Zustand der Straßen durch den Transport nicht beeinträchtigt wird.

Wer arbeitet solch einen Fahrtweg aus?

Hier gilt eine bundesweit einheitliche Vorgehensweise: Der Antragssteller, in der Regel ein Transportunternehmen, nennt exakt die Strecke, die auf die speziellen Anforderungen seines jeweiligen Transports zugeschnitten ist. Der Antrag wird gestellt bei der zuständigen Verkehrsbehörde am Startort des Transports oder am Firmensitz. Die Verkehrsbehörde begleitet den Antrag federführend und fragt die weiteren Beteiligten, ob die vorgeschlagene Strecke okay ist. Beteiligt sein können zum Beispiel andere Kommunen, wenn der Weg über ihre Straßen führt, und/oder Straßen.NRW als zuständige Straßenbauverwaltung für Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen in Nordrhein-Westfalen. Auch die Polizei, die die Transporte später überwacht und gegebenenfalls begleitet, wird beteiligt. Geben alle Beteiligten grünes Licht, kann die zuständige Verkehrsbehörde den Großraum- oder Schwertransport genehmigen. Funktioniert eine Strecke nicht, weil etwa eine Straße zu schmal, ein Tunnel zu niedrig oder eine Brücke nicht ausreichend tragfähig ist, muss der Antragsteller seinen Fahrtweg anpassen.

Neue Richtlinie für das Beantragungsverfahren für Groß- und Schwertransporte

Mit dem Allgemeinen Rundschreiben Nr. 21/2016 hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im August 2016 die „BEM-ING Teil 3 - Berechnung von Straßenbrücken im Bestand für Schwertransporte“ eingeführt. Straßen.NRW hat die BEM-ING und damit die Umstellung des Genehmigungsverfahrens analog zur neuen Richtlinie seit Juli 2017 umgesetzt. Ziel dieser Richtlinie ist u.a. ein bundesweit einheitliches Vorgehen im Rahmen des Anhörungs- und Genehmigungsverfahrens für Schwertransporte im Bereich des konstruktiven Ingenieurbaus. [mehr...]

Wie geht es weiter, wenn die Genehmigung vorliegt?

Grundsätzlich kann der Antragsteller den Transport dann durchführen, häufig gelten für den Transport aber spezielle Auflagen und Bedingungen. Ziel ist es dabei, dass der Transport sicher durchgeführt werden kann. So dürfen zum Beispiel durch den Transport keine Schäden an der Infrastruktur (Straßen, Brücken, Ampeln, Verkehrsschilder etc.) entstehen oder andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden. Viele Schwertransporte finden deshalb nachts und innerhalb fester Zeitkorridore statt. Mitunter muss die Fahrt durch private Begleitfahrzeuge oder die Polizei abgesichert werden.

Wie viele Schwertransporte finden in einem Jahr statt?

Im Jahr 2016 wurden bundesweit über das Elektronische Verfahrensmanagement Großraum- und Schwertransporte "VEMAGS" rund 514.00 Bescheide erteilt, davon knapp 107.500 Bescheide in Nordrhein-Westfalen. Somit hat Nordrhein-Westfalen einen Anteil von fast 21 Prozent am bundesweiten Aufkommen und damit die höchsten Antrags- und Bescheidzahlen.

Der Anteil von VEMAGS an den Gesamtverfahren beträgt ca. 95 Prozent, der Rest wird per Fax oder anderweitig erteilt.

Über die Anzahl der daraufhin tatsächlich durchgeführten Transporte gibt es keine Statistik, weil mit einem Antrag zum Teil auch mehrere Transporte durchgeführt werden können oder aber Transporte nicht durchgeführt werden. Es gibt Schätzungen, die davon ausgehen, dass in Deutschland jährlich etwa 500.000 Großraum- und Schwertransporte stattfinden.