Wenn Straße, Ampel und Fahrzeug miteinander reden – Straßen.NRW testet vernetzte Ampeln

Gelsenkirchen (straßen.nrw). Das selbstfahrende und mit seiner Umgebung redende Auto ist längst kein utopisches Szenario mehr. Im Rahmen des Forschungsprojekts ACCord - Korridor für neue Mobilität Aachen – Düsseldorf für autonomes und vernetztes Fahren unter Leitung der RWTH Aachen hat Straßen.NRW mehrere Anwendungsfälle für die Kommunikation zwischen Ampeln, Fahrzeugen und der Straßeninfrastruktur erprobt.

Die Bilanz nach knapp 2,5 Jahren: Ein umfassender Informationsaustausch zwischen Straßeninfrastruktur und Fahrzeugen wird die Verkehrssicherheit und -leistungsfähigkeit deutlich voranbringen. Effizientere Verkehrsflüsse haben zudem einen positiven Einfluss auf die Lärm- und Schadstoffbelastungen.

Straßen als Testfelder

In unterschiedlichen Verkehrsszenarien wurde im Rahmen des Projekts die Interaktion zwischen automatisierten Fahrzeugen und vernetzter Infrastruktur getestet. Dazu sind Testfelder in der Stadt Aachen, auf der Autobahn A44, auf der Bundesstraße B56 sowie auf den Landstraßen L232 und L240 mit Messeinrichtungen ausgestattet worden, um das Verkehrsverhalten aller Verkehrsteilnehmenden möglichst genau zu erfassen. Mit den erhobenen Daten werden die Möglichkeiten für sicheres, autonomes Fahren untersucht.  Personen oder Kennzeichen wurden weder erfasst noch gespeichert.

Straßen.NRW erprobt kooperative Ampeln und Möglichkeiten virtueller Netzbeeinflussung

Ampeln haben die Aufgabe, Unfälle an Straßenkreuzungen zu verhindern. Die Schaltung der Ampeln kann mit fest vorgegebenen, verkehrsabhängigen oder von zentral koordinierten Programmen erfolgen. Eine sogenannte kooperative Ampel tauscht sich nun zusätzlich zu diesen Schaltungen mit den Verkehrsteilnehmenden aus. Wie dieser Austausch aussehen kann, hat Straßen.NRW in drei Anwendungsfällen erprobt:

  • Mit einer Schaltzeitprognose informiert die kooperative Ampel nahende Fahrzeuge über die voraussichtliche Dauer der nächsten Grün- oder Rotphase.
  • Fahrzeuge des Öffentlichen Nahverkehrs oder Einsatzfahrzeuge können sich mit einer Grünzeitanforderung bei der Ampel anmelden und ein schnelleres Grünsignal einfordern.
  • Aus der Erfassung von Verkehrsdaten aller an einer Straßenkreuzung zusammenkommenden Fahrzeuge lässt sich in einer angeschlossenen Verkehrszentrale eine Verkehrslage ermitteln. Diese Verkehrslage kann anderen Verkehrsteilnehmenden frühzeitig bereitgestellt werden und für Maßnahmen zur Verbesserung des Verkehrsflusses genutzt werden.

„Fahrzeugbasierte Verkehrslageermittlung“ nennt der Projektverantwortliche von Straßen.NRW, Dr. Martin Rose, diesen Anwendungsfall und erklärt: „Mit einem solchen wechselseitigen Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen, Signalanlagen und der Verkehrszentrale kann der Verkehr insgesamt sicherer und leistungsfähiger werden.“

In einem weiteren Anwendungsfall haben die Verkehrsexperten von Straßen.NRW die Potenziale der virtuellen Netzbeeinflussung getestet: Verkehrsteilnehmenden erhielten Hinweise zu Störungen im Straßennetz und Umleitungsempfehlungen direkt in ihr Fahrzeug.

Aus Verkehrssituationen lernen

Straßen NRW und den insgesamt neun Projektpartnern aus Wissenschaft, Straßenbau, Telekommunikation sowie Fahrzeug- und Softwareherstellern geht es vor allem um das Zusammenspiel von Fahrzeugen im Verkehr. Denn wenn eines Tages Autos vollautomatisch ohne Fahrer funktionieren sollen, müssen sie in erster Linie eines sein: sicher. Das wird nur gelingen, wenn möglichst viele Verkehrssituationen im Vorfeld untersucht wurden, um aus den so gewonnenen Daten Autos entsprechend steuern zu können und an den Straßen eine Technik zu installieren, die Autos sicher leiten kann.

Vernetzte Mobilität als zentraler Baustein der Mobilitätswende

Alle von Straßen.NRW in das Projekt eingebrachten Anwendungsfälle konnten in der Projektlaufzeit erfolgreich umgesetzt werden: Nachdem das Konzept für die Testfelder stand, wurde die Technik aufgebaut und die Tests konnten koordiniert und erfolgreich durchgeführt werden.

„Mit der Erprobung vernetzter Ampeln und dem Aufbau einer Zentrale für Intelligente Verkehrssysteme werden wir die Potenziale vernetzter Infrastruktur weiter systematisch testen und absichern.“, kündigt Straßen.NRW-Direktorin Dr. Petra Beckefeld mit Blick auf die Ergebnisse des Verbundprojekts an und ergänzt: „Unser Ziel ist es, die Straßen und Radwege für alle Verkehrsteilnehmenden noch sicherer zu machen. Weniger Staus, mehr Sicherheit und beste Informationsversorgung überall und jederzeit sorgen für erhöhten Komfort und vereinfachen die Fortbewegung aller Verkehrsteilnehmenden. Wir stehen erst am Anfang, das Potenzial vernetzter Mobilität für die Straßeninfrastruktur zu nutzen.“

Die digitale Abschlussveranstaltung von ACCorD findet am 29.03.2022 statt und wird in den kommenden Wochen digital fortgesetzt. Präsentationen und weitere Informationen werden kontinuierlich auf der Projektseite zur Verfügung gestellt.

Pressekontakt: Nilgün Ulbrich, Telefon 0209-3808-333

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