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Straßen.NRW und Verband Bauindustrie NRW setzen auf innovative und nachhaltige Bauweisen

Gelsenkirchen/Düsseldorf. Funktionale Ausschreibungen, innovative Bauweisen und nachhaltige Materialien: Bei der Modernisierung der Straßen- und Brückeninfrastruktur in Nordrhein-Westfalen sollen neue Lösungen künftig schneller den Weg in die Praxis finden. Straßen.NRW und der Bauindustrieverband Nordrhein-Westfalen e.V. (Bauindustrie NRW) wollen dafür enger zusammenarbeiten. Dazu haben sie heute auf der Infrastrukturkonferenz.NRW in Düsseldorf eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben.

Beide Partner wollen bei der Modernisierung der Straßen- und Brückeninfrastruktur in Nordrhein-Westfalen noch enger zusammenarbeiten und innovative und nachhaltige Lösungen schneller aus einzelnen Projekten in die breite Anwendung bringen. Dafür sollen die bestehenden vergaberechtlichen Möglichkeiten gezielt genutzt und weiterentwickelt werden.

Die umfangreichen Investitionen in Straßen, Brücken und weitere Teile der Infrastruktur bieten dafür eine wichtige Chance: Neue Bauweisen, Materialien und Verfahren können unter realen Bedingungen erprobt und ihre Praxistauglichkeit bewertet werden. Erfolgreiche Ansätze sollen anschließend möglichst schnell auf weitere Projekte übertragen werden.

„Wir wollen unsere Infrastruktur nicht nur schneller, sondern auch zukunftsfähig erneuern. Dafür brauchen wir innovative Bauweisen, nachhaltige Materialien und das Know-how der Bauwirtschaft. Mit der Kooperationsvereinbarung schaffen wir eine gemeinsame Grundlage, um neue Lösungen schneller in unsere Projekte und damit perspektivisch auch stärker in die Fläche zu bringen“, erklärt Straßen.NRW-Direktor Christoph Jansen.

Mehr Freiraum für Innovationen durch funktionale Ausschreibungen

Ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt auf der Weiterentwicklung funktionaler Ausschreibungen. Dabei beschreibt Straßen.NRW stärker, was mit einer Baumaßnahme erreicht werden soll, und gibt weniger detailliert vor, wie dieses Ziel technisch umgesetzt werden muss. Unternehmen können dadurch ihr Fachwissen und ihre Erfahrung stärker einbringen und eigene Lösungen anbieten.

Straßen.NRW nutzt funktionale Ausschreibungen bereits heute bei geeigneten Projekten. Dieser Ansatz soll weiterentwickelt und häufiger eingesetzt werden. Auch andere vergaberechtlich mögliche Instrumente können dabei helfen, innovative Lösungen aus dem Markt für Infrastrukturprojekte nutzbar zu machen. Dazu gehören beispielsweise Nebenangebote, Markterkundungen sowie Pilot- und Erprobungsvorhaben.

Dabei soll geprüft werden, welche Instrumente für welche Vorhaben geeignet sind. Innovation und Nachhaltigkeit sollen gefördert werden, ohne die Grundsätze eines transparenten und fairen Wettbewerbs aus dem Blick zu verlieren.

Transparenter und fairer Wettbewerb sowie technologie- und produktneutrale Ausschreibungen bleiben dabei wesentliche Grundsätze. Straßen.NRW bewegt sich hierbei innerhalb der geltenden haushalts- und vergaberechtlichen Rahmenbedingungen.

Nachhaltigkeit von Anfang an mitdenken

Auch Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil der Vereinbarung. Klima- und Ressourcenschutz sollen möglichst früh in die Planung, Ausschreibung und Umsetzung von Bauprojekten einbezogen werden.

Dabei geht es beispielsweise um ressourcenschonende Bauweisen und den Einsatz nachhaltiger Materialien.

Beispiele für ressourcenschonende und nachhaltige Bauweisen im Brückenbau sind die Swistbachbrücke der L182 bei Heimerzheim sowie die Brücke der B56 über die Erft in Euskirchen. Beide Bauwerke wurden nach den Schäden infolge der Flutkatastrophe von 2021 unter Einsatz von geokunststoffbewehrter Erde (KBE) wiederhergestellt. Dabei wird der Boden durch Geokunststoffe verstärkt und zur Herstellung der Brückenwiderlager genutzt. Dadurch können gegenüber konventionellen massiven Stahlbetonwiderlagern der Beton- und Bewehrungsstahlbedarf reduziert und vorhandene beziehungsweise regional verfügbare Bodenmaterialien effizient eingesetzt werden. Durch den geringeren Betonbedarf werden Rohstoffe gespart und weniger CO₂ verursacht, da besonders die Herstellung von Zement viele CO₂-Emissionen erzeugt.

Die beiden Brücken zeigen damit, wie durch alternative Widerlagerkonstruktionen der Materialeinsatz im Brückenbau reduziert und gleichzeitig eine technisch leistungsfähige und dauerhafte Konstruktion realisiert werden kann.

Als einer der zentralen öffentlichen Auftraggeber für Straßeninfrastruktur in Nordrhein-Westfalen kann Straßen.NRW mit seinen Vergabe- und Beschaffungsentscheidungen wichtige Impulse setzen.

Die Bauindustrie NRW bringt die fachliche Expertise und die praktischen Erfahrungen ihrer Mitgliedsunternehmen ein. Der regelmäßige Austausch zwischen Auftraggeber und Bauwirtschaft soll dabei helfen, neue Möglichkeiten frühzeitig zu erkennen, Erfahrungen aus der Praxis zu nutzen und gemeinsam praxistaugliche Lösungen zu entwickeln.

Gemeinsam schneller von der Idee in die Praxis

Wie dieser Ansatz funktionieren kann, zeigt die Einführung von temperaturabgesenktem Asphalt. Sie wurde durch einen engen Austausch mit den maßgeblichen Verbänden begleitet. Neben der Bauindustrie NRW waren hierbei die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen und der Deutsche Asphaltverband e. V. beteiligt.

Die Erfahrungen aus der praktischen Anwendung wurden kontinuierlich ausgewertet und flossen in die Weiterentwicklung ein. In diesem Jahr ging das Verfahren in die reguläre Anwendung über.

Straßen.NRW und die Bauindustrie NRW wollen ihren strategischen Austausch künftig fortsetzen und Erfahrungen aus konkreten Projekten gemeinsam auswerten. Ziel ist es, erfolgreiche Ansätze wie diesen möglichst einheitlich und praxistauglich weiterzuentwickeln und damit die Sanierung und Modernisierung der Straßen- und Brückeninfrastruktur voranzubringen.

Pressekontakt

Nilgün Ulbrich
Leiterin
Zentrale Kommunikation
0209 3808-333

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