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Straßen.NRW: Erfolgreicher Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner

Gelsenkirchen (straßen.nrw). „Wir können eine erste positive Bilanz ziehen: Die frühe Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners hat einen starken Befall in den meisten Regionen verhindert“, sagt Straßen.NRW-Direktor Dr. Sascha Kaiser mit Blick auf die abgelaufene EPS-Saison. „Vor allem die Anschaffung von Turbinenspritzen hat uns in die Lage versetzt, zielgenau gegen die gefährlichen Raupen vorzugehen.“

Die Voraussetzungen für eine große Verbreitung des Eichenprozessionsspinners waren in diesem Jahr ideal. Trockenheit und Wärme liefern den Raupen des unscheinbaren Falters beste Bedingungen. Und dennoch hat sich die Zahl der befallenen Bäume 2020 in Grenzen gehalten. „Unser Konzept, die Raupen schon in einem frühen Larvenstadium zu bekämpfen, geht auf“, sagt Gerhard Schmidt, im Straßen.NRW-Betriebssitz Gelsenkirchen für die Themen Gehölz- und Grünpflege zuständig. Durchschnittlich 70 bis 90 Prozent weniger Nester haben die Straßen- und Autobahnmeistereien verzeichnet. Ein Erfolg.

Ab dem dritten Larvenstadium bilden die EPS-Raupen für den Menschen gefährliche Brennhaare aus. In großen Nestern hängen die Raupen dann an den Eichen, dem bevorzugten Wirtsbaum der Spinner. „Für Verkehrsteilnehmer, vor allem für Fußgänger und Radfahrer, geht davon eine Gefahr aus“, sagt Schmidt. Doch es geht nicht nur um die Nutzer der Straßen. „Wir müssen auch unsere eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schützen“, sagt Straßen.NRW-Direktor Dr. Sascha Kaiser. „Sie sind nicht nur während der Raupensaison betroffen, sondern auch noch im Herbst und Winter, wenn sie zum Beispiel für die Gehölzpflege im Böschungsbereich unterwegs sind.“ Denn die Brennhaare bleiben gefährlich. Eine Altraupe besitzt bis zu 700.000 Brennhaare, die noch lange am Boden liegen und bei Arbeiten immer wieder aufgewirbelt werden.

Anders als in den Vorjahren hat Straßen.NRW 2020 weitgehend auf eigene Kräfte – ausgerüstet mit neuen Turbinen-Spritzen – bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners gesetzt. „Wir haben zudem erstmals in den Bereichen, in denen im Vorjahr ein besonders hoher Befall zu finden war, zwei Mal das zugelassene Biozid versprüht“, sagt Clemens Lenzen, der als Fachagrarwirt und Baumsachverständiger der Regionalniederlassung Niederrhein schon seit vielen Jahren Erfahrungen bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners hat. Am Niederrhein traten die Raupen zuerst auf, nach und nach verbreiten sie sich über ganz NRW.

17.000 Eichen haben allein Lenzen und seine Kollegen am Niederrhein behandelt. An zehn dieser Bäume wurde allerdings nicht gespritzt – an ihnen wurden Fallen aufgehängt, die die Raupen ohne den Einsatz von Biozid bekämpfen sollen. Der Erfolg war allerdings überschaubar. In gerade einmal zwei Fallen wurden tote Raupen gefunden, fünf Fallen haben die Eichenprozessionsspinner schlicht „überbaut“ und drei weitere Fallen blieben wirkungslos, weil die Raupen nur ganz oben in der Krone des Baumes aktiv waren. „Der Einsatz der Fallen erscheint vor diesem Hintergrund als nicht sinnvoll“, so Lenzens Fazit.

Noch ohne Bilanz ist die Investition in 300 Nistkästen für Meisen, die die Straßen.NRW-Regionalniederlassung Ruhr aufgehängt hat. Da diese Nistkästen erst in diesem Frühjahr bezogen wurden, lässt sich der Nutzen noch nicht abschließend bewerten.

Für Straßen.NRW-Direktor Kaiser zeigt die Bilanz dieser EPS-Saison, dass sich die Investition in die eigenen Spritzen und die damit mögliche gezielte Bekämpfung gelohnt hat. Auch im Sinne der Verkehrsteilnehmer. Denn erst die Nester der Eichenprozessionsspinner zu beseitigen, wäre sehr aufwändig: „Diese Arbeiten sind zeitintensiv, gefährlich und behindern zudem den Verkehr massiv.“

Hintergrund

  • In NRW breitet sich die Mottenart immer weiter aus, auch begünstigt durch den Klimawandel. Im Spätsommer legen die grauen EPS-Motten legen ihre Eier ab. 100 bis 200 kleine gut versteckte weiße Kügelchen, in denen sich noch vor dem Winter eine Jungraupe entwickelt.
  • Ein sogenanntes Biozid, das für die Bekämpfung der Raupe zugelassen ist, wird im Frühjahr auf die jungen Eichenblätter (befallener Bäume) gesprüht. Das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis liefert den Ausgangsstoff für das spezielle Mittel. Die Raupe frisst das Blatt und erst im Darm der Raupe entfaltet der für Menschen und Tiere ungefährliche Stoff seine Wirkung. Die Raupen sterben ab, bevor sie die für den Menschen gefährlichen Brennhaare entwickeln können.
Pressekontakt: Susanne Schlenga/Stephan Lamprecht, Telefon 0209-3808-333

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