Sprechende Signalanlagen: Straßen.NRW arbeitet an der "Ampel 4.0"

Foto: Ampelanlage

Gelsenkirchen (straßen.nrw). Sie sind Alltag für jeden Verkehrsteilnehmer und doch unerlässlich für einen sicheren Verkehrsfluss: Ampeln oder fachlich richtig "Lichtsignalanlagen" (LSA). Für etwa 5.200 dieser Anlagen ist Straßen.NRW derzeit zuständig. Im Rahmen eines umfangreichen Digitalisierungsprogramms werden sie derzeit in Nordrhein-Westfalen für die Zukunft gerüstet. Das Ziel sind optimierte und automatisierte Verkehrsflüsse, weniger Emissionen und eine umfassende Vernetzung aller Verkehrsteilnehmer. Kurz: Straßen.NRW arbeitet an der "Ampel 4.0". Und die ist auch vorbereitet auf das Thema "Autonomes Fahren".

Grundlage ist die so genannte "Fachschale LSA", die derzeit erstellt wird. Das ist eine umfangreiche Datenbank, die, so Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin bei Straßen.NRW, sämtliche Informationen über die einzelnen Lichtsignalanlagen zusammenfasst: "Wo steht die Ampel, welche Ausstattungsmerkmale hat sie? Gibt es Fußgängerverkehr, eine Anforderungstaste, verfügt die Lichtsignalanlage über eine Kamera oder Induktionsschleifen? Und: Handelt es sich schon um eine Anlage mit LED, oder läuft sie noch mit der alten Glühlampen-Technik?" Gleichzeitig werden im Rahmen eines landesweiten Verbesserungsprogramms die Schalt- und Signaltechnik erneuert, die Ampeln zudem, wo nötig, auf LED umgestellt. Das hat sowohl nachhaltige als auch rein praktische Vorteile, weil so häufige wartungsbedingte Eingriffe in den Verkehr vermieden werden.

Sprechende Ampeln

Die Erstellung der kompletten Datenbank wird etwa zwei Jahre dauern. Die Digitalisierungsmaßnahmen können jedoch bereits vorher starten. Künftig sollen alle Lichtsignalanlagen verstärkt miteinander kommunizieren können, entweder über Glasfaser oder Mobilfunktechnik. Bereits heute verfügt jede Ampel über ein Schaltprogramm, das für die jeweilige Situation an einem Knotenpunkt, also einer Kreuzung oder einem Abzweig, erstellt wurde. Hier kann beispielsweise eine "Grüne Welle" fest einprogrammiert sein. In den Schaltkästen vieler Ampelanlagen steckt bereits jetzt eine Art SIM-Karte, über die im Falle einer Störung selbstständig eine Meldung an die nächste Niederlassung sowie an den Wartungsnehmer verschickt wird. "Grundsätzlich wollen wir dahin kommen, dass alle Anlagen auf einen zentralen Verkehrsrechner aufgeschaltet werden können. Nehmen wir einmal folgendes Beispiel: Aufgrund eines Unfalls ist eine Autobahn voll gesperrt. Der Verkehr wird über eine Umleitung geführt. Bei Lichtsignalanlagen, die miteinander kommunizieren, könnte man dann längere Grünphasen auf der Umleitungsstrecke bis zur nächsten Autobahn-Auffahrt einrichten", sagt Sauerwein-Braksiek. Das Ergebnis sind ein besserer Verkehrsfluss und weniger Emissionen.

Autonomes Fahren

Auf diesem Prinzip lässt sich weiter aufbauen. Das Stichwort ist "Autonomes Fahren". "Gerade hier wird viel digitale Kommunikation nötig sein", bestätigt Benjamin Pier, Abteilungsleiter im Bereich Betrieb und Verkehr bei Straßen.NRW. So sollen die Ampeln nicht nur miteinander "reden", sondern auch mit den Fahrzeugen sowie die Fahrzeuge untereinander. Beispiel: "Die Ampel sagt dem heranfahrenden Fahrzeug: Achtung, ich bin noch fünf Sekunden grün, bei deiner gleichbleibenden Geschwindigkeit schaffst du es nicht mehr. Also bitte schon mal bremsen. Oder: Ja, du schaffst es noch, roll also einfach weiter."

"Herzstück" dieser Pläne ist eine Programmierlogik, die auf bestimmte Situationen selbstständig reagieren kann, sprich ein Verkehrsrechner, auf den sich später dann auch Städte und Kommunen aufschalten können, um Informationen auszutauschen. "Gerade in den Ballungsräumen haben wir natürlich Potenzial für verbesserten Verkehrsfluss. So ließen sich dann auch die Verkehrsströme an Baustellen oder bei Großveranstaltungen wie Bundesligaspielen oder Konzerten optimieren", sagt Pier.

Die Voraussetzungen für die tatsächliche Umsetzung dieser Zukunftsvisionen schafft der Landesbetrieb Straßenbau derzeit über die "Fachschale LSA". Ohne die entsprechenden Grunddaten, so der Experte von Straßen.NRW, "kommen wir erst einmal nicht weiter".

Pressekontakt: Bernd A. Löchter/Susanne Schlenga, Telefon 0209-3808-333

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