L675: Hangsicherung zwischen Wetter und Herdecke hat alpines Format

Herdecke/Wetter (straßen.nrw). „Wir haben es hier mit alpinem Gelände zu tun“, sagt Straßen.NRW-Landschaftsbauingenieur Christoph Geck mit Blick auf die Klippen oberhalb der L675 zwischen Herdecke und Wetter. Entsprechend aufwändig fallen die Hangsicherungsmaßnahmen aus, die Straßen.NRW nach mehreren Steinschlägen nun in Auftrag geben muss.

Vor wenigen Wochen hatte die Straßenmeisterei Schwelm Alarm geschlagen. Mehrfach waren Steine auf und am Rand der Fahrbahn gefunden worden. Angesichts der Größe der Brocken sahen die Verantwortlichen in der Straßen.NRW-Regionalniederlassung Südwestfalen Gefahr im Verzug und sperrten die Landesstraße zwischen Wetter und Herdecke und auch den unterhalb liegenden Ruhrtalradweg unverzüglich. Zeitgleich wurde gemeinsam mit einem Herdecker Ingenieurbüro der Hang oberhalb der Straße in Augenschein genommen. Erste Erkenntnis: Hier muss genauer untersucht werden. Und es besteht Lebensgefahr.

Auf einer Länge von 900-1000 Metern ist der Hang nun freigeschnitten worden, um den felsigen Untergrund und die vorhandenen Schutzeinrichtungen besser begutachten zu können. Dabei erkundeten nicht nur professionelle Kletterer die Felsen, auch aus der Luft wurden Daten gesammelt. Eine Vermessungsdrohne lieferte Aufnahmen und digitale Daten des Hanges, aus denen die Fachingenieure ein digitales Geländemodell der Klippen erstellt haben. Diese Daten sind auch Grundlage für Fallversuche, die im Computer simuliert worden sind. „Wir haben eine Fallhöhe von fast 125 Metern, da wird die Durchschlagskraft auch eines kleineren Steins schon gewaltig“, erklärt Christoph Geck. „Wir haben aber nicht nur kleine Steine, die sich lösen, sondern auch schon solche im Format eines großen Schuhkartons am Fuß des Hanges gefunden.“ Hinzu kommen mehrere Quadratmeter große Steinplatten, die ins Rutschen geraten können. „Wir können die Straße auf keinen Fall öffnen, bevor dieser Bereich nicht neu gesichert ist“, so Geck.

Was nun ansteht, ist eines der größten Hangsicherungsprojekte, die die Straßen.NRW-Niederlassung je gestemmt hat. Die Schutzsysteme müssen auf einer Länge von 900-1000 Metern neu gebaut werden und es müssen ca. 12000 Quadratmeter Hang übernetzt werden.

Folgende Arbeiten sind nun geplant:

  • Bis Ende April Erarbeitung eines geologischen Gutachtens. Parallel dazu soll bereits ein Entwurf für ein Schutzsystem erstellt werden.
  • Ausschreibung und Vergabe der Baumaßnahme bis Ende Juli.
  • Baubeginn Mitte Juli 2020

Die Sperrung der Verbindungsstraße nach Herdecke bringt Verkehrsprobleme mit sich, da zeitgleich Sanierungsarbeiten auf der B226 zwischen Hagen und Wetter-Volmarstein stattfinden und die Brücke über die Ruhr nur einspurig zu befahren ist. Um die Bürgerinnen und Bürger zu entlasten, investiert Straßen.NRW zusätzlich in die Arbeiten an der B226, um hier zu einem schnelleren Abschluss zu kommen. Ende März soll die Strecke wieder freigegeben werden. Anschließend wird auch die Baustellen-Ampel auf der Ruhrbrücke abgebaut.

„Wir rechnen derzeit damit, dass wir zum Jahreswechsel mit den Arbeiten an den Klippen fertig sind“, sagt Christoph Geck. Bis dahin bleiben die L675 zwischen den Ruhrstädten und auch der Ruhrtalradweg gesperrt. Der Straßen.NRW-Mitarbeiter warnt dabei noch einmal ausdrücklich davor, diese Sperrungen zu missachten. „Unterhalb des Hanges herrscht Lebensgefahr.“

Hintergrund

  • Die Bauzeit wird wesentlich durch die Lieferzeiten der Schutzsysteme beeinflusst. In der erforderlichen Dimensionierung werden die Steinschlagschutzzäune nur durch eine Schweizer Firma gefertigt.
  • Die Fangzäune sind mit einem Umlenksystem ausgestattet, so dass sie die Wucht eines Aufpralls abfedern können und nicht brechen.
  • An einigen Stellen werden die Zäune bis zu sieben Meter hoch sein.
  • Die Kosten der Maßnahme liegen nach erster Einschätzung bei ca. 1,5 Mio. Euro.
  • Die vorhandenen Verankerungen (Kreuznägel) des Netzes haben sich gelöst und können teilweise mit der Hand herausgezogen werden. Die Fundamente der Zäune sind teilweise unterhöhlt und die Zaunpfosten sind zum Teil geknickt. Rückabspannungen existieren nicht.
  • Die Arbeiten finden in einem aus Naturschutz-Sicht sehr sensiblen Bereich statt. „In diesem von Menschen ungestörten Bereich finden seltene Tiere wie Schwarzspechte, Haselmäuse, Fledermäuse oder Uhu eine Heimat“, sagt Christoph Geck. Die Arbeiten sind mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt.
Pressekontakt: Andreas Berg, Telefon 02331-8002-220

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