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B474n: Erfolgreicher Verschub der Stabbogenbrücke über den Dortmund-Ems-Kanal

Datteln (straßen.nrw). Die Straßen.NRW-Regionalniederlassung Ruhr hat am Wochenende die neue Stabbogenbrücke für die Ortsumgehung B474n im Dattelner Meer über den Dortmund-Ems-Kanal verschoben. Dafür war auch die zeitweise Sperrung des Kanals und des Geh- und Radweges entlang des Kanals notwendig. Insgesamt drei Tage dauerte der Transport der Brücke von ihrem Konstruktionsort am Südufer des Dortmund-Ems-Kanals an ihren Bestimmungsort.

Knapp 130 Meter lang und an ihrer höchsten Stelle fast 22 Meter hoch ist die neue Stabbogenbrücke und hatte während des Einschubs ein Gesamtgewicht von knapp 1.350 Tonnen. Zum Vergleich: Das derzeit größte Flugzeug der Welt, das mehr als 850 Passagiere gleichzeitig befördern kann, wiegt leer 270 Tonnen – die Brücke wog also etwa so viel wie fünf leere Airbus‘ A380. In den kommenden Monaten wird zumindest das Stahlgerüst aber wieder etwas leichter, denn die insgesamt 20 Hänger, die künftig auf beiden Seiten die Fahrbahn mittragen, wurden mit Stützen für den Transport stabilisiert.

Diese tonnenschwere Masse musste mit Fingerspitzengefühl bewegt werden, damit sie nicht beschädigt wird und zentimetergenau an der sogenannten Vorlandbrücke auf dem nördlichen Ufer ankommt. Mit mehreren sogenannten Verschubeinheiten (SPMT, self-propelled modular transporter) in unterschiedlichen Laststellungen wurde die Brücke zunächst von ihrem Konstruktionsort am südlichen Ufer an den Kanal transportiert und dann auf zwei lenkbaren Pontons über den Kanal geschoben. Dafür mussten der Wesel-Datteln-Kanal und der Dortmund-Ems-Kanal sowie die umliegenden Schleusen gesperrt werden, damit die Wasserbewegung von vorbeifahrenden Schiffen oder aus den Schiffshebewerken die Pontons nicht aus dem Gleichgewicht bringen.

Die Einzelteile der Brücke – wie die beiden Hauptträger und insgesamt 47 Querträger, auf denen künftig die Fahrbahn ruhen wird, die beiden Bögen und die daran befestigten Hänger – wurden in Hannover gefertigt und ab Juni 2020 sukzessive in unterschiedlich großen Segmenten mit Tiefladern nach Datteln gebracht. Vor Ort wurden die einzelnen Bauteile miteinander verschweißt. Im Anschluss wurde das in Hannover vorgefertigte Korrosionsschutzsystem auf der Baustelle vervollständigt. Die im Endzustand sichtbare Deckbeschichtung aus sechs verschiedenen Gelb- und Orangetönen erhält die Brücke in den kommenden Monaten.

Die Stabbogenbrücke ist Teil eines sogenannten Brückenzuges, zu dem noch eine Vorlandbrücke in Spannbetonbauweise mit einer Stützweite von knapp 75 Metern gehört. Bei dieser Bauweise werden durch das Vorspannen mit hochfestem Spannstahl planmäßig zusätzliche Druckspannungen in das Bauwerk eingebracht. Hierdurch werden auftretende Zugspannungen – für deren Abtragung Beton schlecht geeignet ist – minimiert und der Betonverbrauch reduziert. Für den Überbau der Vorlandbrücke wurden etwa 950 Kubikmeter Beton benötigt. Dies entspricht in etwa dem Volumen von acht Gelenkbussen. Für die tragenden Elemente an Land, die sogenannten Widerlager – also die Pfeiler des Brückenzuges – wurden seit Oktober 2019 insgesamt etwa 1.800 Kubikmeter Stahlbeton verbaut, etwa so viel wie das Volumen eines olympischen Schwimmbeckens.

In den kommenden Monaten werden die Stabbogenbrücke mit der Spannbetonbrücke auf der nördlichen Uferseite verbunden und die Fahrbahnplatten der Stabbogenbrücke fertiggestellt. Anschließend finden die Erd- und Straßenbauarbeiten zum Anschluss des Brückenzuges an die neue Straße statt.

Die orangefarbene Stabbogenbrücke ist eines der aufwendigsten der etwa 20 Brückenbauwerke, die im Rahmen des Neubaus der B474n entstehen. Die Konstruktion aus Stabbogen- und Vorlandbrücke kostet insgesamt circa zehn Millionen Euro.

Hintergrund

Straßen.NRW baut die etwa zwölf Kilometer lange B474n als Ortsumgehung für die Städte Datteln und Waltrop. Die Bundesstraße ist größtenteils als zweistreifige Kraftfahrtstraße geplant und soll als Nord-Südachse die B235 (Olfener Straße) in Datteln und die L609 in Waltrop vom Durchgangsverkehr entlasten. Die neue B474n stellt eine unmittelbare Fortführung der am im Autobahnkreuz Dortmund-Nordwest endenden Autobahn A45 dar. Sie dient daher der verkehrlichen Erschließung des östlichen Emscher-Lippe-Raums und der besseren Verbindung zwischen dem Münsterland und dem Ruhrgebiet.

Verschiedene Kompensationsflächen auf einer Gesamtfläche von etwa 38 Hektar für den Dattelner Bereich wurden bereits angelegt, weitere 70 Hektar Ausgleichflächen sind für den Bereich Waltrop geplant. Dazu gehören zum Beispiel eine über ein Hektar großen Streuobstwiese und Extensivgrünland auf ehemaligen Ackerflächen. Zudem werden mehrere tausend heimische Bäume und Sträucher gepflanzt und Nisthilfen für verschiedene Eulen- und Fledermausarten geschaffen.

Der erste Bauabschnitt im Dattelner Gebiet umfasst neben dem Neubau der Brücke Erdarbeiten für die Neubautrasse bis zur Markfelder Straße. Mit den Arbeiten für den 2. Bauabschnitt, der südlich der Brücke die Verbindung zur L609 herstellt, wurde im Oktober 2020 begonnen. Neben der eigentlichen Trasse entstehen hier unter anderem zwei Regenrückhaltebecken und ein naturnahes Gewässer als Ausgleichsmaßnahme. In einem dritten Bauabschnitt erfolgt ab 2021 der Lückenschluss zur B235 nördlich der Brücke.

Der Abschnitt Waltrop befindet sich noch im Planungfeststellungsverfahren.

Pressekontakt: Sebastian Felgenhauer, Telefon 0234-9552-378

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