46sieben: Kartierarbeiten laufen auf Hochtouren

Hemer/Menden/Neheim. Die Kartierungsarbeiten im Untersuchungsgebiet von 46sieben zur Erfassung der planungsrelevanten Tiergruppen laufen derzeit auf Hochtouren. „Nach dem Beginn der Arbeiten im Herbst 2020 mit Strukturerfassungen in den Wäldern und dem Aufstellen von Lockstöcken für Wildkatzen im Winter werden nun die Aktivitäten von Vögeln, Amphibien und Fledermäusen dokumentiert“, sagt Dr. Günter Bockwinkel vom Fachbüro NZO Bielefeld.

Derzeit sind Expertinnen und Experten von NZO sowie dem Kölner Fachbüro AFRY in dem 140 Quadratkilometer großen Areal unterwegs, um die Verbreitung bestimmter Arten und deren Raumnutzung zu dokumentieren. Die Ergebnisse der laufenden Fauna-Kartierung sowie die weiteren Schutzgüter Mensch, menschliche Gesundheit und Umwelt werden später in einer sogenannten Raumwiderstandskarte zusammengefasst. Sie zeigt bereits optisch, wo Raum für Trassenführung für das Projekt 46sieben zur Verfügung steht.

Wetterfeste Tablets mit GPS

Die Waldstruktur wird von den Kartiererteams - von NZO sind bis zu zehn Expertinnen und Experten im Feld -, anhand von 20 Meter mal Hundert(en) Metern großen Transsekten erfasst und auf die Fläche hochgerechnet. Zuvor wurden Luftbilder, Biotop-Kataster, Gewässerkarten etc. ausgewertet. Wetterfeste Tablets mit GPS und offline gespeicherten Karten sowie der Software Teams erlauben Kommunikation untereinander und sofortigen Austausch von Entdeckungen.

In der Waldemei zwischen Hemer und Menden dokumentierten Bockwinkel und seine Kollegin Julia Schielmann auf zum Teil jahrhundertalte Bestände von Buchen und Eichen. „Solche Waldstrukturen müssen sie heute mit der Lupe suchen“, sagt Bockwinkel. Hier kommen alle Spechtarten vor, Schwarz-, Grün-, Grau-, Bunt- und auch der Mittelspecht. „Ein Schwarzspechtpaar baut bis zu 40 Höhlen und sorgt so für ökosozialen Wohnungsbau“, sagt Bockwinkel. In die verlassenen Höhlen ziehen „Nachmieter“ wie etwa die Bechsteinfledermaus ein. Diese wechselt mit ihrem Nachwuchs wegen Parasitendrucks alle zwei, drei Tage die Höhle und ist auf die Vorarbeit des Schwarzspechtes angewiesen.

Waldkauz, Rot- und Schwarzmilan

Die Wälder am Mühlenbachtal bei Wimbern sind nicht nur Naturschutzgebiet, sondern auch zum Teil FFH- und Vogelschutzgebiet, erläutert Hendrik Sallinger, Landschaftsökologe bei AFRY Köln, der mit seiner Kollegin Laura Pelzer den östlichen Teil des Untersuchungsraums von 46sieben untersucht. Durch seine geschützte Lage ist das Tal sehr störungsarm, ideal für lärm- und lichtempfindliche Arten wie Eulen und Fledermäuse. „Wir haben hier bereits drei Reviere für Waldkäuze nachgewiesen“, sagt Sallinger, Experte für Avifauna. Zudem hat er Rot- und Schwarzmilane gesichtet, Bussarde und einen Habicht. Die Ruhr und der Ruhrstau bei Echthausen sind Fauna-Flora-Habitat und im Winter bedeutendes Rastgebiet der Graugänse. 500 bis 600 Tiere verbringen hier die kalten Monate, auch Schellente und Gänsesäger wurden beobachtet.

Revier- und Balzverhalten

Vorkommen von Vogelarten werden über ein ganzes Jahr dokumentiert. Für jede Vogelart gibt es einen artspezifisch optimalen Erfassungszeitraum, in dem Rufaktivitäten, Flugbeobachtungen, Revier- und Balzverhaltensweisen erfasst werden. Ab Januar werden Standvögel wie z.B. Kauz, Uhu, Sperber, Turmfalke gesucht, im März folgen Spechte und Greifvögel, bis in den Hochsommer Langstreckenzieher wie Baumfalke und Wespenbussard.

Nachweis der Wildkatze

Einer seltenen Spezies wird derzeit noch mit Gen-Analysen nachgeforscht. Das Büro NZO hat im mittleren Untersuchungsbereich an sechs Standorten 23 Nachweise von Wildkatzen dokumentiert. Insgesamt 33 sägeraue Lockstöcke wurden aufgestellt, die mit Baldriantinktur eingesprüht waren. Die Katzen reiben sich an diesen Stöcken und hinterlassen Haare, die genetisch untersucht werden. Es gibt eindeutige Nachweise dieser Art, Aussagen über die exakte räumliche Verbreitung und zur Populationsgröße lassen sich aber noch nicht abschließend machen. „Schon allein deshalb ist eine fundierte Bewertung der Funde im Hinblick auf das Projekt zur Zeit nicht möglich“, sagt Dr. Günter Bockwinkel. Das 46sieben-Team weist daraufhin, dass der Nachweis von Wildkatzen im Untersuchungsraum allein keine noch keine Bewertung für oder gegen eine Eignung einer späteren Linienführung ist. „Es gibt Mittel und Maßnahmen Projekte zu planen und gleichzeitig die Existenz und den Lebensraum der Wildkatzen zu sichern“, sagt Christoph Kindel, bei Straßen.NRW Projektleiter für 46sieben.

Bild- und Videomaterial finden Sie hier.

Pressekontakt: Susanne Schlenga, Autobahn Westfalen, Telefon 015201594027; Michael Schmitz, Telefon 0291-298129

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