46sieben-Gutachter: Weyer-Studie wissenschaftlich nicht belastbar

Hagen/Meschede (Autobahn Westfalen/straßen.nrw). Der Verkehrsgutachter des Projektes 46sieben, Friedhelm Kossmann, weist die Berechnungen des Verkehrssoziologen Prof. Johannes Weyer aus Menden als wissenschaftlich nicht belastbar zurück. Weyer (TU Dortmund) hatte in einer privaten Untersuchung die These aufgestellt, dass sich die Fahrtzeiten mit dem Straßenneubau nicht maßgeblich verringern würden. Gleichzeitig stellte Weyer fest, dass der Straßenneubau mehr Verkehr produzieren würde und sich im Endeffekt dadurch sogar Fahrzeiten verlängern könnten. Autobahn Westfalen und Straßen.NRW sehen die in dem Weyer-Papier aufgestellten Thesen als nicht haltbar an.

Kritik an Methodik

Kritik übte Friedhelm Kossmann von SSP Consult Köln am methodischen Vorgehen Weyers. „Die Nutzung von Google Maps zur Ableitung von Geschwindigkeiten entspricht nicht dem Stand der Technik.“ Hierfür gebe es Modelle die anhand von sogenannten Fundamentaldiagrammen zu Verkehrsstärke und -dichte belastungsabhängige und realistische Geschwindigkeiten sowohl für Spitzen - als auch für Schwachlastzeiten ermittelten „Zum Beispiel ist eine durchschnittliche Pkw-Geschwindigkeit von 85 km/h auf Autobahnen in der Nacht viel zu gering. Mit dieser Geschwindigkeit fahren die schweren Lkw, die von Pkw mit deutlich höherer Geschwindigkeit überholt werden“, so Kossmann.

Derzeit keine Aussage zu Zeitersparnissen

Die von Johannes Weyer zugrunde gelegte Annahme, dass sich die Fahrzeit zwischen Neheim und Hemer halbieren könne, stammt aus einem Pressebericht aus dem Frühjahr 2020. Straßen.NRW hatte die Presseanfrage zu möglichen Fahrzeitersparnissen durch 46sieben negativ beschieden mit dem Hinweis, dass es damals - wie auch heute - noch keine Trasse gebe, die seriöse Berechnungen rechtfertige. „Zu einer möglichen Zeitersparnis können wir derzeit keine Aussage machen. Das ist reine Spekulation“, hatte ein Sprecher von Straßen.NRW geantwortet. Die von der Lokalzeitung daraufhin veröffentlichten Fahrzeiten, die bei zwei Fahrten im Privat-Pkw von Neheim nach Hemer ermittelt wurden, sowie auf einer Schätzung der Autorin auf Grundlage des Bundesverkehrswegeplans basierten, greift Professor Weyer in seiner Studie auf. „Wir hätten von einem Wissenschaftler eine andere Herangehensweise erwartet“, sagte Christoph Kindel, Projektleiter bei Straßen.NRW.

Nicht Stand der Technik

Auch die Aussage eines fehlenden Nutzen der A46/B7 für die Region auf der Basis von fünf weitgehend beliebigen Beispielen, in denen Johannes Weyer fiktive Strecken zugrunde legt, ist für Friedhelm Kossmann nicht nachvollziehbar. Es fehle vor allem eine Ermittlung und Bewertung der Anzahl der Autofahrer, die einen Nutzen von 46sieben hätten. „Dazu ist nach dem aktuellen Stand der Technik ein umfassendes Verkehrsmodell notwendig und nicht nur die Auswertung weniger Google-Maps-Routen“, sagte Kossmann.

"Ortslagen werden entlastet"

Und nicht zuletzt stellt der Gutachter fest: „Neben der fehlerhaften Übernahme viel zu geringer Reisezeitvorteile wird vor allem verschwiegen, dass mit 46sieben eine deutliche Entlastung der Ortslagen im Umfeld der Neubaumaßnahme einhergeht. Der Durchgangsverkehr kann auf die A46/B7 verlagert und z.B. die hochbelastete Ortslage Hemer um rund 10.000 Kfz/24h entlastet werden.“

Pressekontakt: Michael Schmitz, Telefon 0291-298129

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