Seiten-URL: https://www.strassen.nrw.de/de/l70-grundhafte-sanierung-des-kiesbergtunnels-in-wuppertal-projektueberblick.html
Rhein-Berg | Wuppertal | L70In Planung

L70: Grundhafte Sanierung des Kiesbergtunnels in Wuppertal

Der Kiesbergtunnel in Wuppertal wird in den kommenden Jahren grundhaft saniert und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Dafür setzt Straßen.NRW auf ein neues, partnerschaftliches Vergabemodell: die integrierte Projektabwicklung (IPA) mit einem Allianzvertrag.

Überblick

Der Kiesbergtunnel im Zuge der L70 ist mit dem Autobahnkreuz Sonnborn und dem erst deutlich später realisierten Burgholztunnel Teil einer Verkehrsanlage, die den südlichen Teil von Wuppertal für den Kfz-Verkehr erschließt. Er wurde 1970 eröffnet und war damals Europas erster Doppelstocktunnel und Deutschlands längster Straßentunnel.

Eckdaten

  • Bauzeit: 1965 bis 1970, Eröffnung am 2. Oktober 1970
  • Bauherrin: Stadt Wuppertal, später Übergang an das Land NRW
  • Besonderheit Doppelstocktunnel: Die beiden Fahrtrichtungen verlaufen auf zwei Ebenen übereinander in einer gemeinsamen Tunnelröhre
  • Verkehrsaufkommen: Prognostiziert werden heute rund 15.000 Kfz pro Tag, ursprünglich war der Tunnel für etwa 25.000 Kfz pro Tag ausgelegt

Früh zeigte sich, dass auf eine Abdichtung nach heutigem Standard verzichtet worden war. Dadurch sind Wasserzutritte und Feuchtigkeit bis heute ein zentrales Problem – mit Folgen für Bausubstanz und Betriebstechnik.

Ostportal des Kiesbergtunnels

Hintergrund

Nach über 50 Jahren Betrieb weist der Tunnel erhebliche Mängel an der Bausubstanz und der sicherheitstechnischen Ausstattung auf.

Durch fehlende Abdichtung dringt Wasser in die Konstruktion, es kommt zu Durchfeuchtungen, Beton- und Bewehrungsschäden sowie zu Eisbildung im Winter. Das dauerhaft feuchte Milieu belastet Schaltschränke, Kabel und andere technische Anlagen und erhöht die Störanfälligkeit. Ohne eine grundhafte Sanierung wäre eine dauerhafte Außerbetriebnahme nicht auszuschließen.

Auch haben sich Sicherheitsanforderungen wie Vorgaben zu Brandlasten, Lüftung, Fluchtwegen und Tunnelausstattung seit den 1970er-Jahren deutlich weiterentwickelt und sind im Kiesbergtunnel noch nicht vollständig umgesetzt.

Was wird bei der Sanierung gemacht?

Die Sanierung ist als umfassender Umbau des bestehenden Tunnels unter Vollsperrung geplant.

Vorgesehene Maßnahmen:

  • Vollständige Abdichtung des Tunnels von außen durch eine Folienabdichtung und eine neue wasserdruckhaltende Innenschale
  • Rückbau der Sohle in der unteren Röhre und der Deckenplatte zwischen oberer und unterer Ebene, Einbau einer neuen Fahrbahnplatte
  • Querschnittsanpassung: Künftig je eine Fahrspur pro Richtung plus schmaler Standstreifen – im Einklang mit den heutigen Verkehrsprognosen
  • Erneuerung der betriebstechnischen und verkehrstechnischen Ausstattung (Beleuchtung, Lüftung, Sicherheitstechnik, Steuerung)
  • Ertüchtigung der Lüftung auf höhere Brandlasten, um künftig wieder Lkw-Verkehr zulassen zu können
  • Begleitende Maßnahmen an Brücken, Portalen, Stützmauern, Entwässerung und Regenrückhaltebecken

Für die bauliche Sanierung unter Vollsperrung wird derzeit mit rund zwei Jahren Bauzeit gerechnet, für die komplette Erneuerung der Betriebstechnik kommt etwa ein weiteres Jahr hinzu. Der konkrete Starttermin soll so früh wie möglich festgelegt werden, damit der Tunnel nach Möglichkeit rechtzeitig zur BUGA 2031 in Wuppertal wieder vollständig für die Verkehrsteilnehmenden zur Verfügung steht.

Was ist IPA bzw. ein Allianzvertrag?

Integrierte Projektabwicklung (IPA) ist ein Modell, bei dem Bauherr, Planer und Baufirmen von Anfang an als ein gemeinsames Team in einer Allianz zusammenarbeiten. Alle wichtigen Beteiligten schließen einen gemeinsamen Vertrag, teilen Chancen und Risiken und treffen Entscheidungen gemeinsam. So sollen Konflikte reduziert und Bauprojekte schneller, sicherer und kostengünstiger umgesetzt werden

In Deutschland wird IPA bereits bei verschiedenen Hoch- und Infrastrukturprojekten eingesetzt, u.a. im Bahn- und Hafenbereich; erste Vorhaben sind erfolgreich abgeschlossen oder im Plan. Bei einem Sanierungsprojekt wie dem Kiesbergtunnel soll IPA dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu beherrschen und die Bauzeit möglichst kurz zu halten.

Warum nutzt Straßen.NRW IPA bei diesem Projekt?

Der Kiesbergtunnel ist technisch und organisatorisch besonders anspruchsvoll: begrenzter Raum, komplexe Bauzustände im Bestand, schwierige Geologie und ein hoher Zeitdruck um die Dauer der Vollsperrung möglichst zu minimieren. Solche Projekte sind mit klassischen Vergabeverfahren oft nur schwer planbar und neigen zu Verzögerungen.

Mit der integrierten Projektabwicklung (IPA) verfolgt Straßen.NRW u.a. diese Ziele:

  • Gemeinsame Verantwortung: Auftraggeber, Planer und Bauunternehmen bilden eine Allianz und arbeiten von Anfang an gemeinsam an den Projektzielen (Kosten, Termine, Qualität, Sicherheit).
  • Frühe Einbindung der Praxis: Bauunternehmen und Spezialisten (z.B. aus der Betriebstechnik) bringen ihr Know-how schon in der Planungs- und Validierungsphase ein.
  • Transparente Kosten und Risiken: Statt klassischer Festpreise gibt es ein Zielkostenmodell mit erstattbaren Selbstkosten, gemeinsamem Risikobudget und Bonus-/Malus-Regelungen.
  • Weniger Schnittstellenkonflikte: Ein gemeinsamer Mehrparteienvertrag reduziert Brüche zwischen Planung und Bau und unterstützt eine kooperative Projektkultur.

Wie funktioniert IPA beim Kiesbergtunnel?

Für den Kiesbergtunnel plant Straßen.NRW eine integrierte Projektabwicklung auf Basis eines Mehrparteienvertrages mit mehreren Allianzpartnern.

Zentrale Bausteine:

  • Mehrparteienvertrag: Auftraggeber, Planungsbüros und Bauunternehmen schließen einen gemeinsamen Vertrag mit klaren Regeln zur Zusammenarbeit, gemeinsamen Gremien und gemeinsamem Risikobudget.
  • Kompetenzwettbewerb statt reiner Preiswettbewerb: Die Allianzpartner werden in einem EU-weiten Verfahren vor allem nach Eignung, Erfahrung und Teamkonzept ausgewählt.
  • Phasenmodell mit Validierung: In der ersten Projektphase werden Bauherrenprogramm, Zielkosten, Terminrahmen und technische Lösungen gemeinsam erarbeitet; erst danach startet in der zweiten Projektphase die Realisierung.
  • Gemeinsame Entscheidungsstrukturen: Ein gemeinsames Project Management Team (PMT) und ein Senior Management Team (SMT) treffen Entscheidungen grundsätzlich einstimmig und steuern Kosten, Termine und Qualität.
  • Kollaborative Methoden: Lean-Methoden, BIM und gemeinsame Planungsräume (Big Room) unterstützen Transparenz und schnelle Abstimmung.

Für das Projekt wird aktuell eine Struktur mit rund fünf Allianzpartnern angestrebt, die zentrale Planungs- und Baugewerke sowie die Betriebstechnik abdecken.

Nächste Schritte und Termine

Der Weg zur Umsetzung führt über mehrere vorbereitende Schritte, in denen auch der Markt eng eingebunden wird.

Geplante Meilensteine:

  • 6. März 2026, 12 Uhr: In einer Online-Informationsveranstaltung geben wir dem Markt erste Informationen, einen Überblick über das Projekt, die vertraglichen Eckpunkte und die Besonderheiten der IPA-Abwicklung.

Interessierte Marktteilnehmer werden gebeten, ihr Interesse am Marktmonolog per E-Mail an kiesbergtunnel@strassen.nrw.de zu bekunden.
Die Einwahldaten zur Online-Informationsveranstaltung am 6. März 2026 werden zeitnah versandt.

  • 19. März 2026: Marktdialog in Wuppertal mit Vertreterinnen und Vertretern der Planungs- und Bauwirtschaft zum geplanten IPA-Vergabeverfahren. Zur Anmeldung nutzen Sie bitte das untenstehende Formular.
  • Anschließend: Ausarbeitung des Mehrparteienvertrages, Festlegung des Partnerzuschnitts und der Vergabestrategie, Vorbereitung des EU-weiten Vergabeverfahrens
  • Danach: EU-weites Vergabeverfahren und Auswahl der Allianzpartner, Start der Validierungs- und Planungsphase, anschließend Realisierung und Bau

Anmeldung für den Marktdialog am 19. März 2026 in Wuppertal

Hiermit melde ich mich zum Marktdialog für das IPA-Projekt Kiesbergtunnel an. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, den 19. März 2026, von 17 bis 20 Uhr in Wuppertal statt. Die genaue Adresse erhalten Sie mit weiteren Unterlagen vorab.

Felder mit einem * sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden.

Was ist die Summe aus 3 und 3?

Über das Projektpostfach sind wir für alle Fragen zum Projekt erreichbar:

Projektpostfach L70 Sanierung Kiesbergtunnel
Regionalniederlassung Rhein-Berg
Hauptsitz Gummersbach

Partner

Zu den bisherigen Partnern in der Vorbereitung des IPA‑Verfahrens zählen die Kanzlei Kapellmann und Partner, die SWELO Alliance aus Sweco und Lombardi sowie Gerhard Herbers als IPA‑Coach.

Foto Straßentunnel

Mehr zum Thema Tunnelbau und Tunnelsicherheit

Tunnel sind die aufwendigsten und teuersten Konstruktionen im Straßenverkehrsnetz. Sie werden dann gebaut, wenn aus Gründen der Überwindung natürlicher Hindernisse, des Lärm- und Landschaftsschutzes oder der Platzmangel in Ballungsräumen, Straßen in Tunnel verlegt werden müssen.