Häufig gestellte Fragen

Ist die Gehölzpflege bei einer Straßenbauverwaltung überhaupt richtig angesiedelt?

Ja, denn Straßen.NRW hat ausgewiesene Fachleute, vom Landschaftsarchitekten über Landschaftspfleger bis hin zu speziell ausgebildeten Baumkontrolleuren. Insofern ist die per Gesetz geregelte Zuständigkeit richtig.

Es ist von einer "Pflege" der Gehölze die Rede, gleichzeitig werden an einigen Stellen ganze Bäume entfernt - wie passt denn das zusammen?

Oberste Priorität hat für Straßen.NRW bei der Gehölzpflege die Verkehrssicherheit. Nicht immer muss dafür ein Baum dafür gleich gefällt werden, in manchen Fällen genügt ein fachgerechter, regelmäßiger Rückschnitt. Mitunter kann "Pflege" jedoch bedeuten, dass auch stärkere Bäume in größerer Zahl entfernt werden müssen, um potenzielle Gefahrenquellen zu beseitigen.

Nach welcher Methode pflegt Straßen.NRW die Gehölze?

Gemäß den "Hinweisen für die Gehölzpflege an Bundesfern- und Landesstraßen in Nordrhein-Westfalen" (Ausgabe 2013) ersetzt der Landesbetrieb mittelfristig das bislang praktizierte abschnittweise "auf den Stock setzen" der Gehölze durch die "selektiven Bestandspflege". Bei dieser Methode werden Sträucher, die im Randbereich zur Straße stehen, zurückgeschnitten, im hinteren Bereich werden einzelne Bäume entfernt, damit deren Nachbarn freier stehen. In den dabei entstehenden Zwischenräumen kann sich dann eine neue Pflanzengeneration entwickeln.

Findet das abschnittweise "auf den Stock setzen" der Gehölze nicht mehr statt?

Auch diese Methode, bei der die Gehölze wenige Zentimeter über dem Boden gekappt werden, bleibt erhalten, denn nicht immer ist eine "selektive Bestandspflege" möglich. Die "selektive Bestandspflege" eignet sich vor allem dann, wenn bereits ausreichend Bäume vorhanden sind, die auch allein stehend noch stabil und sicher sind. Stehen die Bäume hingegen sehr dicht aneinander und sind vor allem schlanke Exemplare enthalten, ist weiterhin das flächige "auf den Stock setzen" erforderlich, da die einzelnen Bäume für sich nicht stabil genug stehen würden. Das ist häufig bei Altbeständen der Fall. Ferner gelten die überarbeiten Pflegerichtlinien nicht für Gehölze, die lediglich in einem Abstand von drei bis fünf Metern zum Fahrbahnrand stehen. Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr im Rahmen der Verkehrssicherheitspflicht bleiben ebenfalls unberührt.

Wird durch das abschnittweise "auf den Stock setzen" der Gehölze nicht Natur zerstört?

Manchmal schauen frisch gepflegte Flächen auf den ersten Blick wirklich schlimm aus. Aber was für Außenstehende häufig nach einem "Kahlschlag" aussieht, hilft der Natur dabei, sich zu verjüngen und neu aufzustellen. Schon relativ kurze Zeit später, wenn die Pflanzen wieder ihre Triebe ausbilden, stellt sich ein ganz anderes Bild dar.

Was passiert mit dem abgeschlagenen Holz?

Ein geringer Teil des Holzes verbleibt vor Ort, wo es als Totholz oder zu Reisighaufen gestapelt Pilzen, Pflanzen, Insekten und Vögeln einen neuen Lebensraum bietet. Der weitaus größere Teil des Gehölzes wird jedoch entfernt, damit in den Bereichen eine Naturverjüngung stattfinden kann und wieder austreibende Wurzelstöcke sich entwickeln können. Das Schnittgut wird weiterverwertet und als gehäckselte Biomasse energetisch genutzt oder kommt als Holzwerkstoff zum Einsatz, zum Beispiel für Spanplatten. Eine Nutzung als klassisches Brennholz oder als sogenanntes „Stammholz lang“ erfolgt in sehr geringerem Umfang.

Wann wird das Holz abtransportiert?

In der Regel wird das Holz direkt nach den Pflegearbeiten abtransportiert. Mitunter kann es jedoch zu Verzögerungen kommen, etwa wenn das Wetter nicht mitspielt oder für den Transport erforderliche Maschinen an anderer Stelle im Einsatz sind.

Ist Gehölzpflege also umso lukrativer, je mehr Holz abgeschlagen werden kann?

Im Mittelpunkt der Gehölzpflege bei Straßen.NRW steht die Verkehrssicherheit und nicht der Holzertrag. Die Gehölzpflege darf daher nicht mit klassischen Holzerntemaßnahmen im Wirtschaftswald verglichen werden. Die Gehölzpflege an Straßen ist häufig komplex. Straßen müssen für die Arbeiten gesperrt oder mit aufwändigen Sicherungsmaßnahmen (Ampeln) versehen werden. Gearbeitet wird außerdem vielfach in Steillagen, was den Einsatz aufwändiger Sicherungstechnik und kostenintensiver Maschinen notwendig macht. Dadurch erzeugen höhere Einschlagsmengen nicht automatisch auch höhere Profite. Holzpreise unterliegen starken Schwankungen. Durch die Dürre-Sommer und der Borkenkäferkatastrophe besteht ein starkes Überangebotes am Holzmarkt. Der Beitrag, mit dem die Kosten der Gehölzarbeiten durch den Verkauf des Holzes gesenkt werden, fällt dadurch geringer aus. Einnahmen aus dem Holzverkauf dienen dazu, die meist hohen Kosten der Pflegearbeiten für den Steuerzahler zu mindern.

Wer führt die Gehölzpflege durch?

Welche Bäume beschnitten werden müssen, um Fußgänger, Auto-, Motorrad-, und Fahrradfahrer vor Gefahren zu schützen, legen Fachleute vorab genau fest. Die konkrete Maßnahme führen schließlich entweder Mitarbeiter von Straßen.NRW oder beauftragte Unternehmen aus. Dass der Rohstoff Holz keinen Abfall darstellt, sondern wiederverwertbar ist, wirkt sich dabei positiv auf die Kosten einer Gehölzpflegemaßnahme aus. Mitunter ist vereinbart, dass die Unternehmer das anfallende Holz direkt selbst verwerten. Ist dies der Fall, muss der Unternehmer den vermutlich zu erzielenden Erlös vorab in seinem Angebot berücksichtigen. Die Beauftragung der Unternehmen erfolgt nach den öffentlich-rechtlichen Vergaberegeln im Wettbewerbsverfahren.

Kann man Gehölzschnitt nicht nachts erledigen?

Den Gehölzschnitt nachts zu erledigen ist sehr gefährlich. Zum einen ist das Arbeiten mit Strauchwerk bei schlechten Sichtverhältnissen für die Arbeiter sehr gefährlich. Zum anderen werden solche Arbeiten, z.B. im Mittelstreifen einer Autobahn, als so genannte Wanderbaustelle durchgeführt. Nachts können sich die Autofahrer schlechter darauf einstellen.

Dienen Gehölze nicht auch dem Lärmschutz?

Nein, eine Lärmschutzfunktion übernehmen Bäume - entgegen der landläufigen Meinung - nicht. Hierbei handelt es sich eher um einen psychologischen Effekt. In Anlehnung an "Das Auge isst mit" könnte man in diesem Fall sagen: "Das Auge hört mit“. Auch bei der Wahrnehmung von Geräuschen existiert eine Wechselwirkung zwischen den Ohren und den Augen. Sind nach Unterhaltungs- und Pflegemaßnahmen die Fahrzeuge auf der Straße für Anlieger plötzlich sichtbar, kann sich daher die „gefühlte“ Lautstärke der Straße erhöhen. Geräuschquellen, die zusätzlich gesehen werden, nimmt der Mensch in der Regel intensiver wahr. Aber: Eine merkliche, physikalisch messbare Schallreduktion wird erst mit Gehölzbreiten von 100 Metern erreicht. Und selbst dann werden lediglich Reduktionen um ca. fünf Dezibel messbar. Eine „schallschluckende“ Wirkung durch die straßenbegleitenden schmalen Gehölzstreifen ist daher nicht gegeben.

Filtern Gehölze nicht auch Feinstaub?

Zur Filterwirkung für Feinstaubpartikel durch Pflanzen gibt es unterschiedliche Untersuchungen. Eine Staubreduktion wird darin prinzipiell von unterschiedlichsten Faktoren abhängig gesehen. Wesentlich sind die Nähe zur Stoffquelle, eine permanente und raue Blattoberfläche sowie keine zu hohen Windbewegungen. Nennenswerte Filterwirkungen für Stäube von Fahrzeugen konnten bislang nur bei immergrünen Nadelhölzern und langsamen Fahrgeschwindigkeiten bzw. geringen Windbewegungen bestätigt werden. Dies sind allerdings Bedingungen, die sich insbesondere an Autobahnen so nicht ergeben. Mit den Gehölzpflegemaßnahmen wird insbesondere der Unter- und Zwischenstand in den Gehölzstreifen gefördert. Auch wenn diese Streifen kurzzeitig nach den Arbeiten gering bewachsen sind, wirkt die sich danach einstellende strukturierte, stufige Vegetation "bremsend" auf die Windbewegung.

Was passiert nach der Gehölzpflege?

Auch dort, wo Gehölze flächig auf den Stock gesetzt werden, ist die Natur nicht zerstört. Vor allem für Insekten findet sich schon im Frühjahr nach dem Pflegeinsatz ein neues Nahrungsangebot, da auf den gelichteten Flächen Blumen und Kräuter wachsen können, die im dichten Unterholz nicht gedeihen. Die auf den Stock gesetzten Bäume treiben zudem wieder aus und bieten schnell wieder einen Lebensraum für Vögel und Kleintiere. Dadurch, dass die Wurzeln im Boden verbleiben und die Bäume buschig wieder austreiben, werden auch die Böschungen dauerhaft gesichert.