B58n: Neubau der Ortsumgehung Wesel
Der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen baut mit der B58n die Südumgehung der Stadt Wesel. Dies ist sowohl für die Stadt als aber auch für die ganze Region ein wichtiges Verkehrsprojekt. Denn es bedeutet mehr Lebensqualität und eine höhere Verkehrssicherheit vor allem für Fußgänger*innen und Radfahrende im Ortskern von Wesel.
Die Südumgehung Wesel ist Teil des Bundesverkehrswegeplans und schließt eine überregionale Lücke im Verkehrsnetz zwischen Rheinberg, Wesel und Borken.
Aufgrund der Nähe zur Lippe und des Hochwasserschutzdeiches erfordert das Projekt besonders anspruchsvolle Bauverfahren und eine enge Abstimmung mit den Umwelt- und Wasserbehörden.
Maßnahme im Detail
Die B58n schließt südlich an die bestehende B58 bei Wesel an und verläuft auf rund 3,8 Kilometern Länge zwischen der Lippe und der B70. Die Maßnahme ist ein wichtiger Beitrag zum Ausbau der Infrastruktur und zur Entlastung für den Ortskern Wesel von Lärm- und Abgasemissionen (bislang mehr als 23.500 Fahrzeuge/Tag).
Zum Gesamtprojekt gehören mehrere technisch anspruchsvolle Bauwerke, darunter:
- BW 1 - Lippebrücke: Neubau einer großen Flussquerung mit Stahlüberbau
- Dichtwandbereich: zur Abdichtung und Stabilisierung der Baugruben und als Teil des Hochwasserschutzes
- BW 2 (B8) und BW 3 (Deutsche Bahn): Überführungsbauwerke über Straße und Bahn, teilweise als integrale Bauwerke
- Tunnel Fusternberg: rund 360 Meter langer Straßentunnel in offener Bauweise
- Knotenpunkt B58n / B70: aufwändig gestaltetes Kreuzungsbauwerk in Trogbauweise
Das Projekt berücksichtigt umfangreiche Anforderungen aus den Bereichen Hochwasser- und Grundwasserschutz, Altlastenmanagement, Kampfmittelräumung sowie der baulichen Abstimmung mit der DB-Betuwe-Linie.
Visualisierungen der neuen B58n
Zeitplan & Bauphasen
Der Bau der Südumgehung erfolgt in drei großen Abschnitten:
Abschnitt 1 - Lippebrücke bis B8
- Zeitraum: 2019 - 2026
- Maßnahmen: Lippeverfüllung, Dichtwände, Neubau der Lippebrücke, Hochwasserschutzdeich, Anschluss an B8
Abschnitt 2 - Wackenbrucher Str. bis B70
- Zeitraum: 2026 - 2028
- Maßnahmen: Trogbauwerk, Düker, Brücken an Wackenbrucher Straße und Kiek in den Busch
Abschnitt 3 - B8 bis Wackenbrucher Straße
- Zeitraum: 2027 - 2032
- Maßnahmen: Tunnel Fusternberg, Düker, Straßenbau, Schutzeinrichtungen
Gesamtfertigstellung: voraussichtlich 2032
Verkehrliche Auswirkungen
Während der einzelnen Bauphasen kommt es abschnittsweise zu Verkehrseinschränkungen und Umleitungen, insbesondere an der B8 und im Bereich der DB-Betuwe-Linie.
Regionaler Nutzen
Deutliche Verkehrsentlastung der Weseler Innenstadt:
- Bis zu 18.500 Fahrzeuge pro Tag weniger in der Stadt (Reduktion um ca. 75%)
- Bessere Verbindung zwischen A3, A57 und dem Raum Münsterland
- Erhöhung der Verkehrssicherheit durch Entzerrung von Konfliktpunkten und Umgehung innerstädtischer Engstellen
Umwelt- und Mobilitätsaspekte
- Die Planung integriert Hochwasserschutzanlagen und berücksichtigt ökologische Aspekte, insbesondere im Bereich der Lippe und angrenzender Schutzgebiete
- Durch die Entlastung der Innenstadt verbessern sich die Luftqualität und Lärmsituation in den Wohngebieten
- Rad- und Fußwegverbindungen werden an den neuen Knotenpunkten mitgeführt und sicher gestaltet
Ökologischer Ausgleich
Artenschutz Zauneidechse
Die Südumgehung verläuft teilweise in so genannter Troglage in einem Geländeeinschnitt und wird so harmonisch in das Stadt- und Landschaftsbild eingefügt. Eine besondere Herausforderung für die Planung beim dritten Bauabschnitt stellte der Artenschutz dar, insbesondere der Erhalt des Lebensraums für die Zauneidechse. In einem Gutachten waren 35 Exemplare der streng geschützten Eidechsenart nachgewiesen worden. Für die Tiere wurde ein 10.000 Quadratmeter großes Ersatzhabitat geschaffen und nach einer aufwändigen Umsiedlungsaktion haben die Eidechsen dort nun einen neuen Lebensraum. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird dieses Areal geöffnet, damit sich die Tiere weiter ausbreiten können.
Weitere Maßnahmen
Im Rahmen der Baumaßnahme werden weitere umfangreiche Vermeidungs-, Verminderungs- und Schutzmaßnahmen umgesetzt. Dazu gehört unter anderem die vollständig ökologisch durchgängige Gestaltung der Brücke im Naturschutzgebiet Lippeaue. Weitere Ersatzmaßnahmen sind die Schaffung eines Biotopkomplexes mit Extensivgrünland sowie Kopfbäumen und Steinkauzröhren im Naturschutzgebiet Lippeaue. Der Umfang der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen umfasst insgesamt rund 25 Hektar. Hiervon werden rund fünf Hektar real umgesetzt. Die verbleibende Eingriffs-Ausgleichs-Differenz von 20 Hektar wurde über Ersatzgeldzahlungen an die Untere Naturschutzbehörde Kreis Wesel, den Lippeverband sowie den Landesbetrieb Wald und Holz NRW beglichen.
Finanzierung und Kosten
Das Projekt wird vom Bund finanziert.
Die veranschlagten Gesamtkosten liegen bei rund 220 Millionen Euro (Stand 2029).
Bisherige Meilensteine
- 2009: Freigabe des ersten Bauabschnitts (Brücke über den Rhein)
- 2013: Fertigstellung Umfahrung Ortsteil Büderich
- 2018: nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens Beginn des dritten Bauabschnitts (Südumgehung Wesel)
- 2021: Fertigstellung der DB-Brücke
- 2022: Fertigstellung der B8-Brücke
Brückenverschub 9. Juli 2021
Neben der Lippebrücke wurde eine Überführung über die Bahnstrecke Emmerich-Oberhausen gebaut. Das Bauwerk wurde zunächst neben der Strecke errichtet und im Juli 2021 im Rahmen einer vierwöchigen Sperrpause der Bahn (25. Juni bis 23. Juli 2021) an seinen Zielort, nämlich unter die Gleise, geschoben. Für den Verschub wurden drei Verschubkanäle unterhalb des Bauwerkes gebaut, in denen die Brücke mit einem hydraulischen System an ihren Platz verschoben wurde.
Der Verschubweg betrug rund 70 Meter und die Verschubgeschwindigkeit circa 7 Meter/Stunde. Die Brücke wiegt rund 10.000 Tonnen bei einer Gesamtlänge von circa 69 Metern (Breite circa 23 Meter, Höhe circa 9,50 Meter). Die Kosten für das Bauwerk belaufen sich auf circa 11 Millionen Euro. Ein drittes Gleis für die ABS 46/2 („Betuwe-Linie“) ist bereits vorgesehen.