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B54: Ortsumgehung Kierspe Informationen zur Planungsphase

Der Betrachtungsraum für die Ortsumgehung liegt im nördlichen Bereich von Kierspe, wobei eine Linie über den Lauseberg verlaufen kann. In einer älteren Planung wurde die Straße als sogenannter „Lausebergaufstieg“ geplant. Die Länge der Strecke beträgt ca. 3,7 km und wird als zweistreifige Fahrbahn geplant.

Planungswerkstatt fand statt

Straßen.NRW informierte am 17. und 18. Mai über die Ergebnisse der bisherigen Arbeit und stellte mögliche Varianten für eine Ortsumgehung vor. An mehreren Planungstischen konnten Interessierte ihre Anregungen und Vorschläge auf Karten einzeichnen und Fragen im direkten Austausch mit den Expert*innen klären.

Zudem gab es die Möglichkeit sich mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms den möglichen Aufbau verschiedenster Trassen inklusive Brückenbauten und einer Abstandsberechnung zum eigenen Grundstück anzeigen zu lassen.

Was passiert in der Planung?

Die Neubauplanung einer Straße ist nicht frei von Zwängen. Es müssen zahlreiche Faktoren wie Topografie, Schutz der Umwelt und Vermeidung unnötiger Belastungen für die Anwohnerinnen und Anwohner berücksichtigt werden. Im weiteren Planungsprozess wollen wir verschiedene mögliche Trassenverläufe prüfen und miteinander vergleichen. In mehreren aufeinander aufbauenden Planungsschritten wird dann gemeinsam mit der Region der tatsächliche Verlauf anhand zahlreicher Kriterien ermittelt.

Aktuell befinden wir uns in der Vorplanung. Wir ermitteln zunächst die wichtigsten Grundlagen. Das heißt, es werden alle verkehrlichen, naturräumlichen, geologischen und sonstigen Gegebenheiten innerhalb des Planungsraums erfasst. Anschließend kann auf dieser Grundlage eine verkehrlich sinnvolle, technisch machbare, wirtschaftlich vertretbare und umweltverträgliche Linienentwicklung vorgenommen werden. Dabei handelt es sich immer um eine Abwägungsentscheidung. Zu den wesentlichen Untersuchungen im Rahmen der Vorplanung zählt eine Umweltverträglichkeitsstudie (UVS), eine Verkehrsuntersuchung, und ein straßenplanerischer Variantenentwurf.

In der UVS werden Auswirkungen des geplanten Vorhabens auf die unterschiedlichen Schutzgüter (Mensch, Tiere, Pflanzen, etc.) untersucht. Durch die Verkehrsuntersuchung erhalten wir eine Bild über die zu erwartende Verkehrsentwicklung. Der straßenplanerische Variantenentwurf widmet sich der technischen Machbarkeit der möglichen Varianten.

Aus allen untersuchten Trassenverläufen wird eine Vorzugsvariante herausgearbeitet. Diese wird dann dem Bundesverkehrsministerium in einem formalen Verfahren zur „Bestimmung der Linie“ vorgelegt. Die Vorzugstrasse wird daraufhin öffentlich bekannt gegeben und ist damit für die weitere Planung als „linienbestimmt“ verbindlich festgelegt. Dieser linienbestimmten Trasse wenden wir uns in der Entwurfsplanung zur genaueren Ausarbeitung zu.

Der Bundesverkehrs­wegeplan

Seit Mitte der siebziger Jahre legt der Bund einen verkehrsträgerübergreifenden Infrastrukturplan vor, den Bundesverkehrswegeplan. Dieser Plan wird vom Bundesverkehrsministerium aufgestellt und vom Bundeskabinett beschlossen. Er enthält alle beabsichtigten Straßen-, Schienen- und Wasserstraßenprojekte sowie den Erhaltungsbedarf. Der Bundesverkehrswegeplan legt die Dringlichkeit von Projekten fest, berücksichtigt die zur Verfügung stehenden Mittel und setzt Prioritäten für Investitionsentscheidungen der öffentlichen Hand.

Der Bundesverkehrswegeplan ist ein Rahmenprogramm und Planungsinstrument, er ist kein Finanzierungsplan oder -programm und hat keinen Gesetzescharakter. Vielmehr bildet er die Grundlage für den Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen.

Verkehrsuntersuchung

Die Verkehrsuntersuchung ist Teil der Vorplanung und somit der vorbereitenden Grundlagenermittlung zur Planung einer neuen Ortsumgehung. Diese Untersuchung startet im März 2021 mit der Bestandserfassung in und um Kierspe herum.

Ziel der Verkehrsuntersuchung ist es, fundierte Ergebnisse darüber zu liefern, wie die verkehrliche Situation im Planungsraum der Ortsumgehung aktuell, aber auch mit einer möglichen Ortsumgehung aussehen wird. Sie gibt Auskunft darüber, welche Strecken entlastet werden bzw. welche Strecken möglicherweise zusätzliche Belastungen erfahren. Außerdem lässt sich mit den Ergebnissen aussagen, wie viel Verkehr die neue Trasse aufnehmen wird.

Die Ergebnisse zur Verkehrsuntersuchung sind die entscheidende Grundlage, um die Auswirkungen in Hinblick auf Lärm und Schadstoffe zu ermitteln. Die Verkehrsuntersuchung dient dazu, die verkehrlichen Wirkungen verschiedener hypothetischer Trassenverläufe der Ortsumgehung – der sogenannten Planfälle – zu untersuchen und darzustellen.

Wie läuft die Verkehrsuntersuchung ab?

Voraussetzung für die Verkehrsuntersuchung ist der Aufbau eines Verkehrsmodells, mit dem die Verkehrssituation im Jahr 2030, dem zurzeit maßgeblichen Prognosejahr, ermittelt werden kann. Diese Prognose ermöglicht wiederum den Vergleich von Planfällen, also von Varianten der Trasse Ortsumgehung – und zu der Situation im Jahr 2030 ohne Neubau (Prognose-Bezugsfall).

Grundlage für jedes Verkehrsmodell ist neben einer breiten Datengrundlage (diverse Gutachten und Pläne) und den Ergebnissen der Straßenverkehrszählung SVZ 2015 die Erhebung des Ist-Zustands in Form umfassender Verkehrszählungen. Zunächst werden die aktuellen Verkehrsbelastungen und Verkehrsrouten vom beauftragten Ingenieurbüro erhoben. Für die Ortsumgehung Kierspe werden hierfür an verschiedenen Werktagen und über unterschiedliche Zeiträume Knotenstrom-Zählungen und 24h-Zählungen durchgeführt, einschließlich der Erfassung des Schwerverkehrsanteils. In einem weiteren Schritt wird das Modell mit der Straßenverkehrszählung des Bundes (SVZ 2015) abgeglichen.

Um die Wirkung der o.g. Planfälle korrekt zu erfassen, geht das Netzmodell der Verkehrsuntersuchung über den Raum, in dem die eigentliche Planung von Trassenvarianten stattfinden wird, deutlich hinaus. Die Verkehrsuntersuchung wird die verkehrlichen Wirkungen insbesondere in Bezug auf die Erreichbarkeit der Region und die Anbindung an die umliegenden Ballungsräume feinmaschiger untersuchen.

Antworten auf häufige Fragen zur Planung

Mit dem gesetzlich verabschiedeten Bundesverkehrswegeplan 2030 hat die Straßen.NRW-Regionalniederlassung Südwestfalen den Planungsauftrag für die Ortsumgehung Kierspe.

Straßen.NRW führt die Vor-, Entwurfs- und Genehmigungsplanung durch. Die verschiedenen Planungsschritte bauen aufeinander auf und benötigen im Einzelnen die Zustimmung des Bundes. Im ersten Schritt wird in der Vorplanung eine Vorzugsvariante erarbeitet, die in einem Linienbestimmungsverfahren festgelegt werden soll.

Das Bundesverkehrsministerium überprüft die Leistungsfähigkeit seiner Straßen und erarbeitet Lösungen für identifizierte Problemstellen. Dabei untersucht der Gesetzgeber, ob ein Projekt zur Bewältigung des zukünftigen Verkehrs grundsätzlich geeignet ist, und nicht, wie das Projekt tatsächlich in seinen Details umgesetzt werden soll. Die Linie im Bundesverkehrswegeplan ist also nicht verbindlich und beschreibt nur eine mögliche Trassierungsoption.

Die Kosten für die Ortsumgehung werden durch das Bundesverkehrsministerium im Rahmen der Entwurfsplanung geprüft und genehmigt.

Eine neue Straße erzeugt nicht mehr, sondern anderen Verkehr. Der sogenannte induzierte Verkehr ergibt sich aus einer Verlagerung des Verkehrs von anderen (kleineren) Straßen auf die Neubautrasse oder durch neue Zielauswahl einiger Verkehrsteilnehmer. Das bedeutet weiter entferntere Ziele, die in der gleichen Zeit erreicht werden können.

Diese Verkehre sind Teil des Modal Splits, also der Verteilung der Verkehrsteilnehmer auf unterschiedliche Verkehrsmittel – Auto, ÖPNV, Fahrrad usw. Dabei bleibt die Anzahl der Wege pro mobile Person nahezu unberührt, nur die Wahl der Wege verändert sich.

Eine genaue räumliche Abgrenzung gibt es hier nicht. Auch im Falle einer ortsfernen Variante muss gewährleistet sein, dass diese auch als Umgehung wahrgenommen wird und den Verkehr aus einem Ort verlagert.

Die Pandemie hat seit 2020 verschiedene Phasen durchlaufen. In engem Zusammenhang mit dem Infektionsgeschehen und zeitweise geltenden Auflagen kam es wie im März/April 2020 zu einem kurzfristigen Rückgang des Verkehrsverhaltens der Menschen. Mit der Lockerung von Auflagen stiegen die Verkehrszahlen wieder. Aufgrund der Sorge vor Ansteckungsgefahr sind sogar zusätzliche Verkehrsteilnehmer von Bus und Bahn auf den motorisierten Individualverkehr umgestiegen. Es sind daher bislang nur kurzzeitige Effekte feststellbar. Inwiefern Entwicklungen wie Stärkung des Homeoffice sich langfristig auf das Verkehrsaufkommen auswirken, kann nicht festgestellt werden und bleibt abzuwarten.

Die Begriffe Korridor, Variante und Trasse beschreiben dem Grunde nach das Gleiche. In einem größeren Korridor (Untersuchungsraum) wird versucht, mehrere Varianten/Trassen für einen möglichen Verlauf einer Ortsumgehung zu finden.

Der Straßenquerschnitt ist in Abhängigkeit des zu erwartenden Verkehrs und der räumlichen Gegebenheiten abzuleiten. Anhand dieser Punkte wird eine Entwurfsklasse bestimmt, die in den Richtlinien für die Anlage von Landstraßen (RAL) die Kriterien für die Ausgestaltung der Variante festlegt.

Bevor eine Straße geplant und gebaut werden kann, muss der Verkehr untersucht werden. Mit Hilfe von Computerprogrammen wird ein Verkehrsmodell erstellt. Ziel der Verkehrsuntersuchung ist, die Wirkung der geplanten Maßnahme auf den Verkehr darzustellen. Die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung fließen in die Planung ein. Die Daten werden zum Beispiel genutzt, um Breite und Spuranzahl einer Straße zu bestimmen. Auch für weitere Gutachten wie Lärm- und Artenschutz wird auf die Daten der Verkehrsuntersuchung zurückgegriffen.

Video Der Weg vom Planungsauftrag bis zum Bau

Der Bau von Straßen und Wegen erfolgt nach klaren Vorgaben. Im Video möchten wir Ihnen davon einige Grundlagen vermitteln.