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Die Leverkusener Rheinbrücke

Sie ist in die Jahre gekommen und muss dringend ersetzt werden: die Leverkusener Rheinbrücke. Aktuell schiebt und staut sich der Verkehr an diesem Nadelöhr der A1. Das rund 50 Jahre alte Bauwerk steht deshalb im Fokus des ersten A-bei-LEV-Planungsabschnitts, der von Köln-Niehl bis zum Autobahnkreuz Leverkusen-West reicht.



Gewichtsbeschränkung auf 3,5 Tonnen bleibt

Gute Nachrichten von der Expertengruppe Rheinbrücke Leverkusen: Das vorrangige Ziel, die Brücke bis zur Fertigstellung des ersten Neubauabschnitts mindestens für den Pkw-Verkehr offen zu halten, kann erreicht werden. Allerdings bleibt die Gewichtsbegrenzung für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht bestehen.

Die verschiedentlich diskutierte Brückenfreigabe für Lastwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen ist momentan nicht in Sichtweite. Ab November wird im Laufe des nächsten Jahres ein neuer Längsträger in die Brücke eingebaut. Die Experten können frühestens Ende 2016 darüber entscheiden, wenn diese Verstärkung in die Rheinbrücke eingebaut worden ist und Messungen belegen, dass die Schadensentwicklung zum Stillstand gekommen ist. Als gänzlich ausgeschlossen betrachten die Experten, dass je wieder 44-Tonner die marode Brücke benutzen dürfen.


Die Belastungsgrenzen sind erreicht

Mit zwei Fahrspuren plus Standstreifen war die Leverkusener Rheinbrücke in den 1960er-Jahren ein zukunftsweisendes Stück Infrastruktur. Einst konzipiert für 40.000 Kraftfahrzeuge pro Tag, hat die Brücke heute mit über 120.000 Fahrzeugen täglich, darunter 14.000 Lkw, ihre Belastungsgrenzen erreicht. Seit 2012 attestieren Fachleute der Brücke einen "kritischen Bauwerkzustand": mit Rissen in der Tragwerkskonstruktion waren erstmalig Schäden festgestellt worden, die kurzfristig dazu führen können, dass Stand- und Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben sind. Polizei und Straßenbauverwaltung reagierten sofort, trotzdem empfehlen Gutachter den Neubau des Bauwerks - und zwar so schnell wie möglich. Seit Anfang 2013 von einer Spezialfirma überwacht, sind auch die jüngst entdeckten Schäden in den Seilkammern ein Anzeichen dafür, dass das Brückenbauwerk angezählt und der Neubau unabwendbar ist.

[Rheinbruecke]


Neubau statt Sanierung

Im Rahmen der laufenden Beobachtung wurden u. a. massive Schäden in den wichtigen Seilkammern der Brücke festgestellt. Ein Neubau ist deshalb laut Gutachten unerlässlich. Die Vorzugsvariante sieht einen zweigeteilten Neubau der Brücke vor. Für die beiden nebeneinander stehenden Bauten sind jeweils bis zu sechs Fahrstreifen sowie ein Standstreifen geplant. Das soll sicherstellen, dass die Brücke auch für künftige Verkehrsbelastungen gerüstet ist. Der leicht nördlich verschobene Neubau soll direkt neben der jetzigen Brücke entstehen. Geplant ist, zunächst die erste Brücke zu bauen, über die nach Fertigstellung der Verkehr fließt. Im Anschluss wird die alte Rheinbrücke abgerissen, bevor es an den Bau der zweiten Brücke geht. Das soll den Verkehrsfluss während der gesamten Bauzeit sicherstellen.

Neben der Frage, wie der Bau unter laufendem Verkehr erfolgen kann, sind in die Planung viele weitere Überlegungen eingeflossen. So ist einer der ausschlaggebenden Faktoren für die jetzt angestrebte Lösung der Verkehrswert. Das bedeutet, es muss so gebaut werden, dass die neue Brücke wieder jedem Verkehrsteilnehmer zur Verfügung steht und die Menschen wie zuvor auf ihren gewohnten Wegen ans Fahrtziel gelangen. Weitere Kriterien waren die Kosten und eine schnelle Realisierbarkeit. Im Rahmen der Abwägung hat Straßen.NRW noch zahlreiche andere Aspekte berücksichtigt. So soll die bauliche Lösung nicht in die vorhandene Wohnbebauung sowie in die gewerbliche und betriebliche Nutzung eingreifen. Außerdem galt es, das vorhandene Verkehrswegenetz zu erhalten. Und natürlich wurde darauf geachtet, Mensch und Natur möglichst wenig zu belasten.

[Grafik: Fahrbahn]


Die Planungen laufen

[Grafik: Status Quo -Aktueller Stand]


Viele Fragen zur Planung

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für den ersten Abschnitt von A-bei-LEV mit dem Neubau der Rheinbrücke konnten betroffene Behörden und Bürger ihre Argumente gegen das Vorhaben vorbringen. Rund 300 Einwendungen sind bis Fristende bei der Bezirksregierung Köln eingegangen. Viele Anfragen zum Vorhaben betreffen die Gründung von Bauwerken und Straßenkörpern im Bereich der Altablagerung Dhünnaue, den Lärmschutz sowie die Kosten für den Ersatzneubau. Weiterhin gibt es Fragen hinsichtlich der nötigen Anzahl der Fahrstreifen.

1. Altablagerung Dhünnaue

Bei der Altablagerung Dhünnaue in Leverkusen handelt es sich um eine alte Kippstelle der Bayer AG und der Stadt Leverkusen mit vielfältigen Ablagerungen – von Bauschutt über Klärschlamm bis hin zu Produktionsabfällen aus der chemischen Industrie. Es muss zum Teil in der belasteten Fläche gebohrt werden, denn hier werden dann die neuen Bauwerke des Autobahnkreuzes Leverkusen-West gebaut. Die Gründungen hierfür erfolgen im tragfähigen Erdreich unter den Deponieablagerungen. Straßen.NRW hat im Vorfeld umfangreiche Sicherungskonzepte für die Dhünnaue erarbeitet, die Teil der Planfeststellungsunterlagen sind und einen sicheren Verlauf der Baumaßnahme gewährleisten. Insgesamt fallen ca. 88.000 Kubikmeter Deponat aus den Altablagerungen an, die entsorgt werden müssen.

[Grafik: Altablagerung Dhünnaue]

2. Lärmschutz

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Lärmschutz. Nach der Fertigstellung des Abschnitts wird durch Lärmschutzmaßnahmen wie Lärmschutzwände und lärmmindernden Asphalt eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur heutigen Situation eintreten. Einige Anlieger haben zusätzlich Anspruch auf passive Lärmschutzmaßnahmen wie isolierende Fenster und Lüfter. Die Berechtigten werden hierzu von Straßen.NRW nach dem Ende des Verfahrens automatisch angeschrieben.

3. Kosten

Auch zum Thema Kosten für den ersten Abschnitt gab es Fragen, weil diese nicht in den Planfeststellungsunterlagen angegeben sind. Diese Vorgehensweise ist jedoch gängige Praxis, da die Baukosten nicht von der Bezirksregierung genehmigt werden. Derzeit sind für den Neubau rund 600 Millionen Euro veranschlagt.

4. Fahrstreifen

Braucht man eine teilweise 12-spurige Brücke? Diese Frage wurde oft gestellt. Bisher hat die Rheinbrücke sechs Fahrstreifen – für das heutige Verkehrsaufkommen ist das zu wenig. Der Ausbau auf acht Fahrstreifen ist notwendig, um eine dauerhaft höhere Kapazität zu schaffen. Weiterhin werden die Ein- und Ausfahrten auf beiden Rheinseiten, also sowohl im Kreuz Leverkusen-West als auch in Köln-Niehl, zweispurig auf die bzw. von der Brücke herunter geführt. Durch diese Verflechtungsstrecken ergibt sich die höhere Spurenzahl. Dazu kommt je ein 3,25 Meter breiter Rad- und Fußweg auf beiden Seiten.

[Grafik: Fahrstreifen]


Die Baugrunduntersuchungen

Eine nachhaltige Infrastruktur braucht eine sichere Basis, auf der Fundamente, Trassen und Zufahrten entstehen. Deshalb lässt Straßen.NRW vor Beginn der Baumaßnahmen den Baugrund untersuchen. Auf Basis der vorliegenden Ergebnisse des Vorentwurfs können die Erkundungsbohrungen, insbesondere in der belasteten Dhünnaue, zielgerichtet zum Abschluss gebracht werden. Bauart und Verlauf der Brücke sind bekannt, jetzt wird das Erdreich an genau denjenigen Stellen untersucht, an denen später die Grundpfeiler eingelassen werden.

Anfang 2014 nahm das geotechnische Büro seine Arbeit auf, doch erst jetzt konnten die Erkundungsbohrungen intensiviert werden. Die Bohrarbeiten finden noch bis Mai unter strengen Sicherheitsauflagen statt. Die vor Ort stationierte Bauaufsicht entnimmt Proben für Laboruntersuchungen. Das überschüssige Bohrgut wird in geschlossenen Containern zur nahe gelegenen Deponie Bürrig transportiert, dort analysiert und entsorgt.

[Grafik: Entsorgung]

Die bisherigen Ergebnisse bestätigen das weitgehend bekannte Bild über den Untergrundaufbau. Im Bereich der Straßen ist das Erdreich nicht belastet. Nur unter der A 59 sind geringe Restabfalllagen verblieben. Außerhalb der Straßenverläufe sind die Ablagerungen unmittelbar unterhalb der Oberflächenabdichtung gering belastet. Erst in mehreren Metern Tiefe steigen die Belastungen der Abfälle an. Bislang wurden jedoch keine Substanzen identifiziert, die nicht bereits aus älteren Untersuchungen bekannt waren. Auch die Schadstoffkonzentration bewegt sich in bekannten Größenordnungen.


Entwirrung des Spaghetti-Knoten

Breitere Fahrstreifen, größere Kurvenradien – aber wenig Platz: das Kreuz Leverkusen- West fordert die Planer im besonderen Maße heraus. Das Autobahnkreuz umbauen, ohne auch nur eine Auf- und Abfahrt zu kappen – das war der ursprüngliche Plan von Straßen.NRW. Doch so einfach lässt sich der Spaghetti-Knoten nicht entwirren. Der Ansatz, die neuen Rampen immer unmittelbar neben den bestehenden zu errichten, musste verworfen werden.

Hierfür gibt es mehrere Gründe. Einer ist die Tatsache, dass der Platz an einzelnen Punkten schlichtweg nicht ausreicht. So kollidieren die Planungen für die neue Rampe von der A 1 auf die A 59, die ursprünglich nördlich neben dem bestehenden Bauwerk errichtet werden sollte, mit der wichtigen Zufahrt zum Entsorgungszentrum des Chempark-Betreibers Currenta. Sie wird nun in südlicher Lage gebaut. Dies hat Auswirkungen auf das Rampenbauwerk von Köln kommend in Richtung Leverkusen-Zentrum bzw. Richtung A 59. Dieses Bauwerk muss nun an gleicher Stelle neu errichtet werden.

Der Landesbetrieb beabsichtigt, eine Behelfsstraße für diesen Zeitraum einzurichten – sie führt den Verkehr von der A 1 aus Koblenz direkt auf den Westring in Richtung Kreisverkehr und Rhein- Allee. Des Weiteren möchte Straßen.NRW größere, dauerhafte Eingriffe in das Überschwemmungsgebiet des Rheins sowie in die Deponie Bürrig vermeiden. Demnach wird die A 1-Abfahrt in Richtung Leverkusener Zentrum nicht, wie anfangs geplant, seitlich versetzt, sondern in gleicher Lage errichtet. Ganz ohne Umleitung geht es daher nicht. Bis die neue Rampe in Richtung Leverkusen fertig ist, werden Fahrzeuge aus Dortmund über die A 59 zur nördlich gelegenen Anschlussstelle Rheindorf und von dort zurück in die Gegenrichtung gelenkt.


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Weitere Hintergrundinformationen können Sie hier downloaden:

  • Gutachterliche Stellungnahme zur Notwendigkeit eines Brückenneubaus: PDF (192 KBytes)
  • Faltblatt zu den Erkundungsbohrungen (13.2.2014): PDF (250 KBytes)
  • Präsentation zur Bürgerinformation am 26.6.2014: PDF (3,09 MB)
  • Informationstermin für die Träger öffentlicher Belange, Ergebnisniederschrift vom 23.06.2014: PDF (20,1 KBytes)

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