Camp Altenrath: Verleihung der Auszeichnung "UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt"

Foto: Wahner Heide
Wahner Heide (Quelle: Straßen.NRW)

Das Camp Altenrath wurde 1954 von den belgischen Streitkräften in der Wahner Heide südlich von Köln errichtet. Es war bis 2004 als Panzerkaserne in Betrieb. Das brachliegende und verwahrloste Gelände wurde für die Kompensationsmaßnahme im Rahmen des Ausbaus der A3 im Verlauf des Kölner Autobahnrings ausgewählt. Im Auftrag von Straßen.NRW und der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten wurden zwischen Januar 2012 und Januar 2015 alle oberirdischen Gebäude und versiegelte Flächen zurückgebaut. Als größte Herausforderung galt dabei die Entsorgung des Sondermülls (u.a. Dämmmaterialien, Eternit, Altöltanks). Die Nutzung alter Militärgelände stellt nicht die Regel bei der Gestaltung von Ausgleichsflächen dar.

Die Arbeiten wurden aus Gründen des Artenschutzes jeweils im Winterhalbjahr ausgeführt. Insgesamt sind auf dem rund 40 ha großen Gelände 120 Gebäude abgerissen und 22 ha Fläche entsiegelt worden. Nach diesem Rückbau sollen sich die Flächen wieder zu wertvollen Naturschutzflächen entwickeln. Dazu wurde ein Pflege- und Entwicklungsplan erarbeitet.

Der größte Teil der Fläche ist eingezäunt und wird als Offenland bewirtschaftet. Durch Beweidung mit geeigneten, robusten Tierrassen entstehen Heideflächen und blütenreiche Weiden. Die offene Heide ist Lebensraum seltener und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten (u.a. Heidenelke und Heidelerche).

Durch Anpflanzungen einheimischer Arten und Fällung standortfremder Gehölze werden naturnahe Wälder, ein Waldmantel und eine Abschirmung zur Straße ausgebildet.

Der ehemalige Offiziersbereich wird als Halboffenland mit Staudenfluren und Gehölzen erhalten. Das Halboffenland bietet Nistmöglichkeiten für Gehölzbrüter wie die Nachtigall. Neu angelegte Gewässer und der Erhalt sowie die Optimierung der ehemaligen Panzerwaschanlage stellen Trittsteine für Tier- und Pflanzenarten wie Amphibien, Libellen und Laichkräuter dar.

Die Auszeichnung

Foto: Auszeichnung

Das Projekt erhält im Wettbewerb „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ einen Sonderpreis für die bisher geleistete Bildungs- und Informationsarbeit. Diese hat bundesweiten Vorbildcharakter. Neben Straßen.NRW nutzen auch der Bundesforst (Abteilung der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten) sowie die Untere Naturschutzbehörde des Rhein-Sieg-Kreises die Fläche regelmäßig für fachspezifische Fortbildungen der Kollegen. Im kommenden Jahr wird es auch für Mitarbeiter von Straßen.NRW im Bereich Landespflege hier eine weitere Fortbildung zum Thema „Planung, Herstellung und Bewirtschaftung von Kompensationsflächen am Beispiel des Camp Altenrath in der Wahner Heide bei Köln“ geben.

Hintergrund: Die Jury der UN war vom Projekt „Wo einst Panzer parkten, ist nun ein Zuhause von Wiesenpieper und Islandpferd“ überzeugt. Sie kann aber das Projekt selbst nicht auszeichnen, da es sich bei dem Projekt überwiegend um Ausgleichsmaßnahmen und Maßnahmen, die aus gesetzlichen Vorgaben resultieren, handelt.

Ab dem Tag der Auszeichnung darf das Projekt dann für zwei Jahre den Titel „Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ in der Öffentlichkeitsarbeit führen.