Umwelt-Ausgleich in Recklinghausen

Der Schwerpunkt in Sachen Umweltschutz liegt im Stadtgebiet von Recklinghausen definitiv auf der Hohenhorster Heide. Hier wurden gleich mehrere Projekte gestartet, die sowohl der Tier- als auch der Pflanzenwelt zugutekommen. Darüber hinaus laufen einige kleinere Maßnahmen, wie die naturnahe Gestaltung des Grullbachs und die Pflanzung von Bäumen und Sträuchern an verschiedenen anderen Stellen. Insgesamt wurde eine Fläche von etwa 25 Hektar für die Ausgleichsmaßnahmen bei Recklinghausen bereitgestellt.

Ein Heim für Fledermäuse und Bussarde

Im Wald der Hohenhorster Heide hat Straßen.NRW Überwinterungs- und Nistmöglichkeiten geschaffen, für Tiere, die zuvor entlang der A43 heimisch waren. Dabei sind elf Höhlen für Fledermäuse, eine große Überwinterungshöhle für Abendsegler sowie zwei Höhlen für Waldkäuze und zwei Nisthilfen für Mäusebussarde entstanden.

Außerdem wurden 120 Bäume ausgewählt, die zukünftig nicht für die Forstwirtschaft genutzt werden dürfen. In diesen Roteichen und Pappeln können die Tiere künftig auch ohne Hilfe vom Menschen ihre Ruhestätten finden. Mäusebussarde können dort ihre Nester errichten, Fledermäuse die natürlichen Höhlen für die Fortpflanzung und als Ruhestätte nutzen. Entsprechend wurden die Bäume in drei Metern Höhe mit einem kleinen Vermessungsbolzen markiert – eine bewährte Methode in der Forstwirtschaft, die dem Baum nicht schadet.

Futterwiese für Giraffen und Zebras

„Zurück zu den Wurzeln“ ist das Motto für eine rund fünf Hektar große Fläche gegenüber vom Tierheim Recklinghausen an der Waldstraße. Vor Beginn des Projekts „Neue A43“ wurde das Areal als Ackerland gebraucht. Seit 2016 aber finden Spaziergänger hier eine artenreiche Glatthaferwiese mit regionalem Saatgut.

Diese klassische Wiese besteht aus hohen Gräsern, Kräutern und Blumen – eine Seltenheit heutzutage. Zwar wird der Begriff „Wiese“ auch für normale Rasenflächen genutzt, eine biologische Vielfalt wie auf der Glatthaferwiese am Tierheim findet sich auf diesen aber kaum. Dieses Ökosystem benötigt Planung: So sollen die Kräuter zwar breitflächig wachsen, dürfen den Boden aber auch nicht vollständig bedecken.

Die Wiese dient auch als Futterquelle: Der namensgebende Glatthafer wird bis zu 1,50 Metern hoch. Zweimal im Jahr wird er abgeerntet und dann an den Gelsenkirchener Zoo geliefert, wo er an Giraffen und Zebras verfüttert wird. In der übrigen Zeit bietet die Wiese kleinen und großen Tieren ein reichhaltiges Angebot an Nahrung. Begrenzt wird die Fläche übrigens mit einem neun Meter breiten Blühstreifen, auf dem unter anderem Klatschmohn, Wiesenkerbel und Spitzwegerich zu finden sind.

Infotafeln für Interessierte

Beim Projekt „Zurück zu den Wurzeln“ arbeitet Straßen.NRW eng mit einem ortsansässigen Heubauern zusammen. Damit auch alles nach Plan läuft, wurden neben der eigentlichen Wiese sechs Probeflächen von 5x5 Metern eingerichtet. Hier können die biologischen Gegebenheiten noch einmal gesondert beobachtet werden, per Monitoring, wie es in der Fachsprache heißt. Aus den Erkenntnissen lässt sich dann zum Beispiel ablesen, welche Aussaaten auf der Hauptwiese nötig sind und wann die Mahd erfolgen sollte.

Darüber hinaus wurden im Mai 2018 am Spazierweg neben der Wiese zwei Infotafeln aufgestellt. Diese sollen Passanten über das Projekt Glatthaferwiese informieren, die Besonderheiten dieses Lebensraums aufzeigen und die landwirtschaftliche Nutzung erklären. Das ist besonders für Hundebesitzer interessant, denn das Ökosystem der Wiese kann durch freilaufende Hunde schnell geschädigt werden. Straßen.NRW setzt statt Verbotstafeln und Zäunen lieber auf die Einsicht der Bürger: Jeder kann beim Schutz der Wiese helfen, indem er auf den Wegen bleibt.