Abfälle entlang von Straßen und auf Parkplätzen

Foto: Regelmäßig sammelt Straßen.NRW den Abfall an Straßen ein.

"Geben Sie mir eine Woche, und ich sammele für Sie ein ganzes Wohnzimmer", so hat es ein Meistereileiter einmal - angesprochen auf die Müllproblematik entlang der Straßen und auf Parkplätzen - treffend ausgedrückt. Allerdings: Die Herausforderung beginnt für Straßen.NRW nicht erst, wenn Heimwerker die alte Couch auf illegale Weise ausmustern. Arbeitszeit und Geld kosten auch die vielen kleinen Dinge, wie Snack- und Getränkeverpackungen, die - häufig achtlos in die Landschaft geschmissen - gesammelt und entsorgt werden müssen. Auf dieser Seite beantwortet Straßen.NRW die häufigsten Fragen zum Thema Abfall.

Um welche Abfälle handelt es sich?

Überwiegend handelt es sich um typische Reiseabfälle, also Verpackungen aller Art, insbesondere für Erfrischungsgetränke und Snacks. Hinzu kommt normaler Hausmüll, der illegal neben den Abfalltonnen oder im Gebüsch landet. Mitunter findet sich am Straßenrand sogar - Stichwort Wohnzimmer - das Ergebnis von Wohnungsauflösungen wieder. Auch Bauschutt oder andere gewerbliche Abfälle fallen an, aber der größte Posten ist der Hausmüll.

Besondere Probleme bereiten illegal abgestellte Kanister und Fässer, bei denen man nicht weiß, ob sie gefährliche Stoffe enthalten. Bei größeren Mengen beauftragt Straßen.NRW Fachfirmen. Kleinere Mengen, etwa einzelne Kanister, befördert die zuständige Meisterei selbst. Die Streckenwartfahrzeuge haben dafür spezielle Transportkisten an Bord, und die Fahrer verfügen über einen für derartige Transporte notwendigen Gefahrgutführerschein. Gefährliche Abfälle übergibt die Meisterei anschließend in Gefahrgutboxen an entsprechende Fachfirmen, die den Müll identifizieren und entsorgen.

Wieviel Abfall fällt in Nordrhein-Westfalen entlang von Straßen an?

Foto: Ein Teil landet jedoch in Büschen und auf den Freiflächen.

In den letzten zehn Jahren sind durchschnittlich 16.000 Tonnen Hausmüll pro Jahr auf allen von Straßen.NRW betreuten Parkplätzen sowie entlang der Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen angefallen. Rund 6.000 Tonnen davon fielen im Zuge von Sammelaktionen entlang der Stecke an und 10.000 Tonnen auf den Park- und Rastplätzen. Für den überwiegenden Teil der Abfälle auf den Park- und Rastplätzen nutzen die Bürger die dafür vorgesehenen Behälter. Ein Teil landet jedoch in Büschen und auf den Freiflächen. Immer wieder kommt es zudem vor, dass Nutzer beim buchstäblichen Wegwerfen das Ziel, den Mülleimer, verfehlen. Im Schnitt machen diese "Fehlwürfe" zehn bis 15 Prozent der Müllmengen auf den Rast- und Parkplätzen aus.

Wie hoch ist der Anteil an illegal fortgeworfenem Abfall? Gibt es einen eindeutigen Trend?

Die Mengen schwanken zwischen 4.500 und 7.300 Tonnen. Ein eindeutiger Trend ist nicht festzustellen. Im Durchschnitt handelt es sich um rund 6.000 Tonnen pro Jahr.

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Gibt es regionale Schwerpunkte?

Das Gros der Abfälle fällt im Bereich der Autobahnen an. Entlang der Hauptreiserouten nimmt das Müllaufkommen jeweils mit dem anschwellenden Ferienreiseverkehr zu. Andererseits gibt es Ballungsbereiche, die kontinuierlich über das gesamte Jahr bestehen, etwa die Ruhrmetropole und die "Rheinschiene Süd" (Köln und Bonn).

Wieviel Personal setzt Straßen.NRW ein, um Abfälle einzusammeln?

Müllsammeln ist keine Spezialaufgabe. Jeder Straßenwärter ist im Jahr mehr oder weniger häufig mit dieser Aufgabe betraut. In Zahlen ausgedrückt: Jedes Jahr fallen rund 80.000 Personenstunden für das Einsammeln der Abfälle an. Das entspricht ungefähr 50 Vollarbeitskräften. Allerdings erledigt Straßen.NRW nicht alle Tätigkeiten im Zusammenhang mit Müll durch eigenes Personal. Zum Teil beauftragt der Landesbetrieb auch Fremdfirmen.

Wie genau ist die Reinigung und Abfalleinsammlung im Landesbetrieb organisiert und wie häufig wird gereinigt?

Foto: Auch auf Park- und Rastplätzen wird regelmäßig Müll gesammelt.

Müllbeseitigung entlang der Strecke

  • Im Regelfall ein- bis zweimal pro Jahr. An Müllschwerpunkten ausnahmsweise häufiger.
  • Personal von Straßen.NRW, teilweise Vergabe an Fremdfirmen

Reinigung von Parkplätzen

  • Im Regelfall ein- bis zweimal pro Jahr. In Ballungsräumen oder "touristisch attraktiven Bereichen" ausnahmsweise auch häufiger.
  • Teilweise Personal von Straßen.NRW, teilweise Vergabe an Fremdfirmen

Leerung der Abfallbehälter auf den Parkplätzen

  • An Autobahnen: zwei Mal pro Woche; im Basisnetz: einmal pro Woche. In den Ferien findet entlang der Reiserouten jeweils eine zusätzliche Entleerung je Woche statt.
  • Vergabe an Fremdfirmen

Beseitigung von umwelt- oder verkehrsgefährdenden Abfällen

  • Zeitnah und bedarfsgerecht im Rahmen der regelmäßigen Streckenkontrollen oder nach Meldung Dritter
  • Personal von Straßen.NRW, in Sonderfällen Vergabe an spezialisierte Fremdfirmen

Was kostet das den Steuerzahler?

Pro Jahr kostet es knapp sieben Millionen Euro, diese "Fremdabfälle" zu entsorgen. Im Gegensatz zu den Kommunen kann Straßen.NRW diese Ausgaben nicht über Gebühren refinanzieren. Sie gehen damit vollständig zu Lasten anderer wichtiger Aufgaben.

Mit welchen Strafen müssten Müllsünder rechnen, wenn sie erwischt werden?

Der Landesbetrieb verfügt nicht über das Personal, um gezielt nach den Verursachern der illegalen Abfallablagerungen zu fahnden oder um Schwerpunkte zu überwachen. Das Meistereipersonal wird nur dann aktiv, wenn es die Müllsünder "auf frischer Tat" ertappt. Sofern bei größeren Müllansammlungen im Abfall Hinweise auf den Besitzer zu finden sind, schalten die Meistereien die juristischen Abteilungen der jeweiligen Regional- oder Autobahnniederlassung von Straßen.NRW ein.

Wird ein Müllsünder ertappt, orientiert sich die Strafe am Bußgeldkatalog. Die Höhe kann dabei zwischen 35 und 500 Euro liegen. Das hängt davon ab, wie umfangreich die verursachte Verunreinigung ist. Im Extremfall, etwa bei gefährlichen Boden- oder Gewässerverunreinigungen durch Abfall, kann theoretisch auch eine Straftat vorliegen, die entsprechend geahndet wird. Dann können Geldstrafen in sechsstelliger Höhe anfallen.

Immer wieder kommt in diesem Zusammenhang der Vorschlag auf, Parkplätze per Videokamera zu überwachen. Zu bedenken ist dabei jedoch die in der Öffentlichkeit durchaus kontrovers geführte Debatte über die zunehmende Überwachung des öffentlichen Raumes und den Datenschutz. Abgesehen davon fehlt es an Personal, das solche Überwachungsvideos konsequent auswerten könnte.

Was unternimmt Straßen.NRW gegen das Abfallproblem?

Straßen.NRW beseitigt den anfallenden Müll im Rahmen der personellen und finanziellen Möglichkeiten in regelmäßigen Abständen (siehe oben). Beliebig ausweiten lassen sich die Reinigungsaktivitäten nicht, denn das Budget ist begrenzt. Ganz wichtig: Als Straßenbaulastträger muss Straßen.NRW sein Hauptaugenmerk auch beim Thema Abfallbeseitigung auf den Aspekt Verkehrssicherheit legen. Diese gilt es im Rahmen der Möglichkeiten zu gewährleisten. Müll ist zwar, egal in welchen Mengen, nie schön, ästhetische Gesichtspunkte sind dennoch nachrangig. Da Straßen.NRW den Abfall nicht selbst erzeugt, sind die Handlungsoptionen ohnehin eingeschränkt. Abfallberge und wilde Müllkippen lassen sich nur nachhaltig vermeiden, wenn ein allgemeines Problembewusstsein vorhanden ist und jeder Einzelne Verantwortung für das Gemeinwohl übernimmt.

Wie sieht es mit dem Abfall in WC-Anlagen aus?

In NRW gibt es derzeit (Stand: Juli 2017) 129 WC-Anlagen auf so genannten unbewirtschafteten Parkplätzen, also auf Parkplätzen ohne Tankstelle oder Raststätte. Die Reinigung dieser Anlagen erfolgt einmal täglich an 365 Tagen im Jahr. Die WC-Anlage wird zur Reinigung und Desinfektion komplett eingeschäumt. Das umfasst alle Flächen, etwa Fußböden, Wände, Trennwände und Türen. Darüber hinaus selbstverständlich auch die Toiletten, Urinale, oder Hygienebehälter. Ebenso Spiegel, Armaturen und Ablagen. Abfallbehälter, Papierkörbe und Hygienebehälter leeren die Reinigungskräfte - übrigens überwiegend Straßen.NRW-eigenes Personal - ebenfalls auf ihrer täglichen Tour.

Was kann jeder einzelne Verkehrsteilnehmer tun?

Foto: Während der Fahrt gehört Müll nicht aus dem Fenster geworfen, sondern in Müllbeutel.

Grundsätzlich gilt: Abfall, der gar nicht erst entsteht, muss auch nicht weggeworfen und später entsorgt werden. Mehrwegverpackungen (Getränke in Pfandflaschen oder Thermoskannen, Speisen und Snacks in Frischhalteboxen) reduzieren die Abfallmenge. Fällt während der Fahrt Müll an, gehört dieser nicht achtlos aus dem Fenster geworfen, sondern in Müllbeutel oder kleine Müllboxen im Auto. Diese können dann bei der nächsten Rast in den dafür vorgesehenen Abfallbehältern auf den Parkplätzen entsorgt werden - oder zu Hause.

Sperrmüll, der beim Entrümpeln der eigenen vier Wände anfällt, gehört nicht auf die Straße. Hierfür gibt es spezielle Angebote der Gemeinden (Sperrmüllabholung). Gefährliche Abfälle und Sondermüll (Lackreste, Lösungsmittel, Leuchtstoffröhren, Batterien etc.) gehören nicht in den Hausmüll und nicht in die Umwelt. Die Kommunen bieten für derartige Abfälle spezielle Sammlungen an. Gleiches gilt für ausgemusterte Elektroaltgeräte. Alle notwendigen Informationen können die Bürger den Abfallkalendern der kommunalen Entsorgungsbetriebe entnehmen.