Ausbau der A45: Schwerlastrouten für Transporte aus dem Siegerland

Grafik: Ausschnitt der Schwerlastroute

Der weitaus größte Teil des Güterverkehrs läuft nach wie vor über die Straße. Dies gilt auch für genehmigungspflichtige Großraum- und Schwertransporte. Eine besondere Herausforderung für Nordrhein-Westfalen. Denn einerseits ist NRW ein wichtiges Wirtschafts-, Export- und Transitland und damit von hoher nationaler und internationaler Bedeutung. Andererseits ist die Infrastruktur des Landes in die Jahre gekommen. Viele Brücken halten den heutigen Anforderungen nicht mehr Stand und müssen schrittweise modernisiert werden. Das gilt auch für die A45 – die Autobahn, über die die Industrie und die Unternehmen in der Region Südwestfalen ihre Gütertransporte abwickeln. Da es in diesem Bereich kaum Alternativstrecken über eine andere Autobahn gibt, sollen deshalb zwei dauerhafte und verlässliche Ausweichrouten für Schwertransporte entstehen, die zum größten Teil über Bundes- und Landesstraßen führen. Es ist das landesweit erste Projekt dieser Art. Eine der Schwerlastrouten führt von Siegen nach Gelsenkirchen, die andere Route endet in Duisburg.

Das ist die Ausgangslage

Die Region Siegen ist wirtschaftlich stark geprägt von der metallverarbeitenden Industrie sowie von Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. Branchen also, die auf Schwertransporte angewiesen sind. Normalerweise würde ihr Weg über die A45 führen, doch auf der "Sauerlandlinie" müssen in den kommenden Jahren viele Brücken erneuert und ausgebaut werden. Das NRW-Verkehrsministerium hat deshalb im Frühjahr 2013 die Projektgruppe "Großraum- und Schwertransporte" ins Leben gerufen. Dieses Expertengremium hat zwei Ausweichrouten für Schwertransporte erarbeitet. Die beiden Strecken umfahren zum einen die A45 und führen zum anderen zu den wichtigen Binnenhäfen in Duisburg und Gelsenkirchen. Von dort aus können die schweren Güter dann ihre Reise per Schiff fortsetzen. Zur Projektgruppe "Großraum- und Schwertransporte" gehört nicht nur die Verwaltungsseite, die entsprechende Transporte genehmigen und überwachen muss. Auch Wirtschaftsverbände und Speditionen sitzen mit am Tisch. Ihre Erfahrungen und Streckenkenntnisse aus der Praxis bilden die maßgebliche Grundlage für die Planung der beiden Ausweichrouten.

Das sind die beiden Ausweichrouten

Die erste Strecke führt von Wilnsdorf über Rudersdorf, Sachendorf, Netphen, und Hilchenbach ins Ruhrgebiet zum Hafen Gelsenkirchen. Sie ist circa 180 Kilometer lang. Die zweite Strecke führt ebenfalls ins Ruhrgebiet, allerdings über 195 Kilometer von Wilnsdorf zum Duisburger Hafen. Bis Wuppertal beziehungsweise Schwelm ist der Verlauf beider Strecken identisch. Die beiden Routen sind bereits heute grundsätzlich für Transporte bis rund 200 Tonnen Gesamtgewicht und damit für über 90 Prozent aller beantragten Transporte nutzbar, gegebenenfalls mit Umfahrung einzelner Brücken. Ziel ist es nun, die Befahrbarkeit der Schwerlastrouten sukzessive auf Transporte bis 299 Tonnen Gesamtgewicht zu erhöhen und so eine deutlich bessere Qualität für die Schwerlastroute aus dem Raum Siegen zu den Binnenhäfen Duisburg und Gelsenkirchen bereitzustellen.

Vor dem Hintergrund, dass nicht alle erforderlichen Baumaßnahmen ohne ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden können, ist mit einer vollständigen Umsetzung der vorgesehenen Maßnahmen erst ab 2025 zu rechnen.

Das muss gemacht werden

Auf dem Papier stehen die beiden Ausweichrouten grundsätzlich fest. Damit aber auch in der Realität Schwersttransporte bis zu 299 Tonnen möglich sind, müssen die Routen zunächst entsprechend hergerichtet werden. Das betrifft vor allem die Brücken im Verlauf der beiden Strecken. Langfristig erneuert Straßen.NRW deshalb Brücken im Zuge von Bundes- oder Landesstraßen. Aber auch Knotenpunkte, Kreisverkehrsplätze und Verkehrsinseln müssen an die Anforderungen des Schwerverkehrs angepasst werden. Das kann auch Straßen betreffen, die nicht in der Baulast des Bundes oder des Landes liegen, sondern für die die Kommunen verantwortlich sind. Die daraus bei Baumaßnahmen resultierenden Mehraufwendungen können den Kommunen auf Antrag vom Land NRW erstattet werden.