A33: Lückenschluss zwischen Bielefeld und Borgholzhausen

Grafik: Lückenschluss zwischen Bielefeld und Borgholzhausen

Die A33 verbindet den ostwestfälischen Raum mit den Nordseehäfen, den Niederlanden und über die A44 mit dem sächsischen Wirtschaftsraum. Von der rund 100 Kilometer langen Gesamtstrecke sind bislang dreiviertel der Strecke unter Verkehr. Zwischen Borgholzhausen und Bielefeld besteht noch eine Lücke von etwa 27 Kilometern.

6,4 Kilometer dieser Lücke gingen im Dezember 2012 im Bielefelder Süden unter Verkehr, weitere 7,9 Kilometer sind in Steinhagen im Bau und 12,6 Kilometer zwischen Halle und Borgholzhausen.

Die Baustrecke

Grafik: A33 zwischen Bielefeld und Borgholzhausen

Der Bauabschnitt von der A2 in Bielefeld bis zur B476 in Borgholzhausen hat eine Länge von 27 Kilometern. Insgesamt werden 79 Brücken gebaut, um das vorhandene Wege- und Gewässernetz nicht zu unterbrechen. Lediglich einige kreuzende Wirtschaftswege werden durch die Autobahn unterbrochen, erhalten aber durch nahe gelegene Brücken wieder Anschluss.

Bei Brücken und Lärmschutzwänden wird ein einheitliches Gestaltungskonzept verfolgt: Keine durchgehende Wand im Mittelstreifen der A33 stützt die Brücke, sondern zwei schräg gestellte Pfeiler. Das sieht eleganter aus und spart Material. Auch die äußeren Brückenwiderlager werden deshalb schräg gestellt. Die Brückenwiderlager und die Flächen unter der Brücke werden mit dem für viele Baudenkmäler der Region prägenden Kalkstein verblendet.


YouTube-Video: Der neue Abschnitt Bielefeld - Steinhagen

mit 60 km/h

mit 130 km/h

Abschnitt 7.1, Halle - Borgholzhausen

Laufendes Baugeschehen (Geplante Fertigstellungen):

  • 1. Bauabschnitt Streckenbau A33: 2. Quartal 2018
    Schnatweg - Theenhausener Straße (L 782)

  • Lärmschutzwände im Bereich der L 782: 2. Quartal 2018

  • Lärmschutzwände im Bereich der Laibachbrücken: 2. Quartal 2018

  • Lärmschutzwände von der K25 bis zur L782: 3. Quartal 2018

  • Wegweisende Beschilderung (Schilderbrücken), 1. BA: 3. Quartal 2018

  • 2. Bauabschnitt Streckenbau A 33: 4. Quartal 2018
    Theenhausener Str.(L 782) - B 476 (AS Borgholzhausen) einschließlich

    • Fünf Regenrückhaltebecken
    • Bauwerk 36 Überführung der Oldendorfer Straße
  • Lärmschutzwände vom "Clever Bruch" bis zur B476: 2. Quartal 2019

Nächste Baubeginne (Geplante Beauftragung):

  • Lärmschutzwände vom Paulinenweg bis "Clever Bruch": 2. Quartal 2018
  • Fernmeldeanlagen / Notrufsäulen für 1. BA: 2. Quartal 2018
  • Ampelanlage für AS 16 "Halle/Westf.": 2. Quartal 2018
  • Stahlschutzeinrichtungen für 1. BA: 3. Quartal 2018
  • Markierungsarbeiten für 1. BA: 3. Quartal 2018
  • Betongleitwände von der L 782 bis zur B 476 (Bauende): 3. Quartal 2018
  • Beschilderungen im nachgeordneten Netz: 3. Quartal 2018

Bis Ende 2017 wurden damit Baumittel in Höhe von 103,9 Millionen Euro investiert.

Im Jahr 2018 sind Bauausgaben in Höhe von rund 19 Millionen Euro vorgesehen.

Die Verkehrsfreigabe für den Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Künsebeck und Halle ist Ende 2018 geplant. Die Verkehrsfreigabe zwischen den Anschlussstellen Halle und Borgholzhausen ist für Ende 2019 vorgesehen.

Geplante Verkehrsfreigaben

Grafik: Geplante Verkehrsfreigaben
Grafik: Plan von 1937

Hintergrund

Lange Vorgeschichte - kurze Planungszeit

Bereits 1937 wurde eine Strecke Osnabrück - Bielefeld - Paderborn im Grundnetz der Autobahnen festgehalten. Die eigentliche Planung für eine Autobahnverbindung zwischen der A1 bei Osnabrück und der A44 begann dann in den 1960er Jahren. Seit dieser Zeit gilt auch die Linienbestimmung durch den Bund. Die Kommunen müssen diese Linie in ihrer Bauleitplanung berücksichtigen. Praktisch sind die Planer aber immer wieder gezwungen in allen Abschnitten die Planung zu überprüfen und gegebenenfalls grundlegend zu verändern.

Abschnitt 5b, Bielefelder Süden

Dieser Bauabschnitt ist abgeschlossen.

Projektdaten

  • 6.400 Meter Autobahn A33
  • 1.400 Meter Verlängerung des OWD
  • 23 Brücken
  • 4 Regenrückhaltebecken
  • 3,2 Meter Lärmschutzwände
  • 5,3 Kilometer Lärmschutzwälle
  • 1,7 Kilometer Kombination Wall/Wand
  • 185 Hektar Ausgleichsfläche
  • 2 Autobahnanschlussstellen
  • Nr.19 Bielefeld-Zentrum am OWD und Nr.20 Bielefeld-Senne an der Buschkampstraße
  • Verkehrsfreigabe war am 5.12.2012
  • Gesamtkosten: 125 Millionen Euro

Die erste Linienbestimmung für das Teilstück im Bielefelder Süden datiert von 1973 und wurde 1983 korrigiert. 1985 bis 1987 folgte eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für diesen Abschnitt auf der Grundlage der noch nicht verbindlichen Europa-Richtlinie. 1993 machte das verabschiedete UVP-Gesetz dann eine erneute Prüfung erforderlich, mit der Folge, dass der Bund die Linienbestimmung von 1983 bestätigte. 1998 wurden ohne Beteiligung der Straßenbauverwaltung in den Rieselfeldern Windel zusätzliche Teiche auf der abgestimmten Trasse der A33 angelegt. Neue Untersuchungen wurden dadurch notwendig. Es galt einen Kompromiss zwischen den Interessen der Stiftung Rieselfelder Windel und den Anliegern im Stadtteil Windflöte zu erarbeiten. Im Jahre 2000 war ein solcher Kompromiss gefunden, dem Bund, Land und die Gremien der Stadt Bielefeld zustimmten.

Jetzt begann die konkrete Planung: Von 2000 bis 2003 erfolgten die Entwurfsbearbeitung und deren Genehmigung durch Bund und Land. Im Herbst 2003 wurde das Planfeststellungsverfahren eingeleitet mit dem Ziel, die Rechte der betroffenen Bürger zu wahren und das Projekt rechtlich abzusichern. Alle Planunterlagen wurden öffentlich ausgelegt. 1900 schriftliche Einwendungen gingen in der Folge ein, die alle einzeln zu prüfen waren. Im Dezember 2004 wurden alle Einwendungen öffentlich mit den Beteiligten in der Stadthalle Bielefeld erörtert. Der Planfeststellungsbeschluss datiert vom 6. März 2006. Mit ihm galt dann der vorläufige Rechtsschutz der Bürger bis zur Bestätigung der Vollziehbarkeit des Beschlusses durch das Oberverwaltungsgericht Münster im März 2007. Am 16. Juni 2007 wurden unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit die ersten Spaten in den Bielefelder Sennesand gestochen.

Bau

Zunächst ging es mit dem Brückenbau los. 23 Brücken wurden gebaut. Im Sommer 2009 begann dann der Streckenbau. Die vom Bund genehmigten Kosten betragen mit der Verlängerung des Zubringers Brackwede 125 Millionen Euro. Für die Trasse dieses A33-Abschnittes wurden etwa 86 Hektar Fläche benötigt. Für landschaftspflegerische Ausgleichs-, Ersatz- und Kompensationsmaßnahmen sind insgesamt etwa 185 Hektar umgesetzt worden. Insbesondere zum Schutz seltener Tierarten wurden zahlreiche Amphibiendurchlässe und -leiteinrichtungen im Verlauf der Buschkampstraße sowie eine Grünbrücke in Höhe des Lohmannswegs über die A33 errichtet. Eine Grünbrücke ist eine breite Furt, auf der Tiere die Autobahn überqueren können. Durch den Einsatz von "Fledermausquerungshilfen" in Form von Schutzwänden im Bereich der Friedrichsdorfer Straße und der Bahnstrecke wurde eine weitere Schutzmaßnahme umgesetzt.

Lärmschutz

Der aktive Lärmschutz besteht aus Wänden und Wällen. Die Lärmschutzwände bestehen aus Betonfertigteilen, die zur Autobahn hin absorbierend wirken. Der Schall bricht sich an der geriffelten Oberfläche und wird nicht reflektiert; der Lärm bleibt auf der Autobahn. Die Wälle und die Kombination Wall/Wand haben eine Höhe von bis zu 12 Metern, die Wände bis zu 6,50 Meter.

Flug über die Neubautrasse der Autobahn 33

Flug über die Neubautrasse der Autobahn 33 vom A2-Autobahnkreuz Sennestadt bis zur Baustelle der Anschlussstelle des Ostwestfalendammes und zurück zum Flugplatz Bielefeld. Mit freundlicher Genehmigung von Holger Höner, Radio Bielefeld

Abschnitt 6: Bielefeld - Steinhagen

Projektdaten

  • 7.900 Meter Autobahn A33
  • 1.900 Meter Zubringer Schnatweg
  • 20 Brücken
  • 3 Regenrückhaltebecken
  • 8 Kilometer Lärmschutzwände
  • 10 Kilometer Lärmschutzwälle
  • 2 Kilometer Wall/Wandkombination
  • 207 Hektar Ausgleichsfläche
  • 2 Autobahnanschlussstellen: Nr.17 Künsebeck (am Schnatweg) und Nr.18 Steinhagen (Bielefelder Straße)
  • Gesamtkosten 122,4 Mio. Euro

Die Planung für diesen Abschnitt der A33 wurde in der Zeit vom 19.4. - 18.5. 2004 öffentlich ausgelegt. Aufgrund einer Forderung der Gemeinde Steinhagen musste die Gradiente (Höhenlage) der A33 im Gemeindegebiet von Steinhagen um ca. 2,0 Meter abgesenkt werden. Hierzu wurden umfangreiche hydrogeologische Untersuchungen durchgeführt, damit diese Absenkung nicht gleichzeitig zu einer Beeinträchtigung des Grundwasserspiegels in einem nahen Wasserschutzgebiet führt. Im laufenden Planfeststellungsverfahren wurde durch den Kreis Gütersloh, der Gemeinde Steinhagen und durch verschiedene Initiativen eine Erhöhung des Lärmschutzes an der A33 gefordert. Als Ergebnis dieser Forderung wurde der aktive Lärmschutz im Bereich der durch Bebauungsplan festgesetzten Wohngebiet erhöht und der Kreis Gütersloh wird zusammen mit der Gemeinde Steinhagen auf freiwilliger Basis eine Lücke im Lärmschutz durch Anlage von 3,0 Meter hohen Wällen schließen.

Diese Änderungen wurden in einem sog. "Deckblattverfahren" den beteiligten Trägern öffentlicher Belange und den von der Planänderung betroffenen Anliegern zugestellt und mit Beschluss vom 6.Juni 2007 ist dieser Abschnitt der A33 planfestgestellt. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am 12. August 2009 den Beschluss für rechtskräftig erklärt und alle Klagen abgewiesen. Am 25. September 2009 fand daraufhin der 1. Spatenstich statt. Am 4. April 2018 fand die Verkehrsfreigabe statt

Meilensteine

  • Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Detmold: 06.06.2007
  • Vollziehbarkeit des Beschlusses durch Entscheidung BVerwG Leipzig: 12.08.2009
  • 1. Spatenstich: 25.9.2009
  • Verkehrsfreigabe: 4.4.2018

Abschnitt 7.1, Halle - Borgholzhausen

Projektdaten

  • 12.640 Meter Autobahn A33
  • 1.700 Meter Verlegung der L782, Theenhausener Straße
  • 36 Brücken, davon 6 Grünbrücken
  • 9 Regenrückhaltebecken
  • 43.500 Quadratmeter Lärmschutzwände
  • 17 Kilometer Lärmschutzwälle
  • 132 Hektar Ausgleichsflächen
  • 2 Autobahnanschlussstellen: Nr.16 Halle (Westf.) und Nr.15 Borgholzhausen
  • Gesamtkosten 167 Millionen Euro, davon 20 Millionen Euro für Grunderwerb und 147 Millionen Euro Baukosten

Mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig vom 5. November 2012 wurde eine lange Planung beendet. In allen Punkten wurde die Klage des BUND abgewiesen. Dieses Urteil bestätigt die gute und vor allem sorgfältige Arbeit des Landesbetriebes Straßenbau, der Bezirksregierung Detmold und aller beteiligten Behörden.

Bis dahin war es ein langer Weg. Denn die umfangreichsten Änderungen in einem Planungsverfahren fanden im Abschnitt 7.1 zwischen Halle und Borgholzhausen statt. Ausgelöst durch das FFH-Gebiet 303 "Tatenhauser Wald", ein Naturschutzgebiet von europäischer Bedeutung, wurde die Trasse nach Norden verschoben. Immer neue Erkenntnisse über die Schutzwürdigkeit dieser Gebiete, ein immer höherer Aufwand für die Vermeidungsmaßnahmen sowie eine immer engere Auslegung der europäischen Rechtsbegriffe durch die Naturschutzbehörden und -verbände und durch Rechtsprechungen haben das Verkehrsministerium und Straßen. NRW dazu bewogen, in dieser schwierigen Materie einen Kompromiss mit dem Naturschutz zu suchen. Absolut notwendig machte dies die Einstufung im Bundesverkehrswegeplan mit dem Zusatz eines naturschutzfachlichen Planungsauftrages, der zu einem jahrelangen Rechtsstreit hätte führen können.

Dieser Planungsauftrag konnte nur durch einen politischen Konsens abgearbeitet werden. Der Konsensrunde gehörten an: Das Landesministerium für Verkehr, das Landesministerium für Umwelt, die Umweltverbände, die Bezirksregierung, der Kreis Gütersloh sowie die Städte Halle und Borgholzhausen und Straßen.NRW. Vielen schien es kaum möglich die völlig divergierenden Interessen unter einen Hut zu bringen. Dennoch: Im Februar 2004 stand der Konsens und so sah er aus: Zwischen Steinhagen und Halle bleibt die Planung unverändert, im Westteil von Halle und Borgholzhausen wird das FFH-Gebiet nördlich umgangen. Durch guten Lärmschutz wird die Belastung der Bürger in den Wohngebieten nicht höher. Einzelne Häuser im Außenbereich sind leider hart betroffen, das war aber beim ursprünglichen Trassenverlauf auch so.

Entsprechend dieses Konsenses wurde der Straßenentwurf nach der Unterzeichnung einer "Gemeinsamen Erklärung" ausgearbeitet. Zuerst musste das künftige Trassengelände vermessen und digitalisiert werden. Mit der Vermessung wurde auch das Kataster für die Planunterlagen aktualisiert. Daran anschließend wurde ein ca. 300 Meter breiter Korridor rechts und links der Trasse mit allen Landschaftsdaten erfasst, um für den Landschaftspflegerischen Begleitplan die erforderlichen Planungsdaten zu erlangen. Weitere tierökologische Untersuchungen wurden im näheren und weiteren Trassenumfeld durchgeführt zum Schutz der nach Europäischen Recht "Streng geschützten Tierarten".

In den Jahren 2004 und 2005 wurden viele zusätzliche Untersuchungen durchgeführt, damit der Eingriff in Natur und Landschaft auf ein Minimum reduziert wird. Unter anderem wurde im Trassenbereich der A33 eine große Anzahl von Bohrungen durchgeführt, um einerseits die Hydrogeologie zu erkunden und daraus resultierend eine größtmögliche Tieflage der künftigen Autobahntrasse zu erreichen. Weitere Untersuchungen für Schadstoffbelastungen und für den Lärmschutz wurden durchgeführt, so dass ein sogenannter "Integrierter RE-Vorentwurf" nunmehr den Ministerien von Bund und Land zur Genehmigung vorgelegt werden konnte. Mit Datum vom 31.8.2007 wurde der RE-Vorentwurf genehmigt, auf dessen Grundlage nunmehr das Planfeststellungsverfahren für den letzten Abschnitt 7.1 der A33 durchgeführt wurde.

Der Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung vom 9. Juni 2011 ist der umfangreichste, der je für eine Autobahn erarbeitet wurde. Das zeigt schon die Seitenanzahl: 1184. Das Bundesverwaltungsgericht attestierte, dass es so ein umfangreiches Verfahren an Unterlagen und Gutachten noch nicht gegeben hat.

Meilensteine

  • Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Detmold: 09.06.2011
  • Vollziehbarkeit des Beschlusses durch Entscheidung BVerwG Leipzig: 06.11.2012
  • 1. Spatenstich: 17.12.2012