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Pressemitteilung vom 16.02.2018

"Friederike" - Gehölzpflege verhindert längere Sperrungen

Gelsenkirchen (straßen.nrw). Noch bis Ende Februar sind die Sägen und Schredder im Einsatz, dann ist die Gehölzpflegesaison bei Straßen.NRW abgeschlossen. Wie wichtig diese Arbeiten sind, hat sich nicht zuletzt bei Sturmtief Friederike im Januar gezeigt. Zwar hat Friederike auch die Straßenwärter ordentlich auf Trab gehalten. Doch vor allem auf den verkehrswichtigen Autobahnen und Bundesstraßen konnten längere Sperrungen durch umgestürzte Bäume weitgehend vermieden werden. "Unsere vor einigen Jahren umgestellte Art der Gehölzpflege hat sich bewährt“, sagt Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek und sieht den Landesbetrieb auch für künftige Stürme gewappnet.

Landesweit knapp 12.000 Bäume hat Friederike an den Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen – zusammen etwa 20.000 Kilometer - umgeworfen, so die Schätzung von Straßen.NRW. Mehr als die Hälfte der Bäume stand allerdings nicht auf dem Grund des Landesbetriebes, sondern gehört zu so genannten Fremdbäumen. Das heißt: Für die Stand- und damit Verkehrssicherheit sind in der Regel die Grundstückseigentümer zuständig.

Regelmäßige Kontrolle

Die eigenen Baum- und Gehölzbestände haben die Straßen.NRW-Meistereien regelmäßig im Blick. Bäume, die zur Gefahr werden können, müssen kurzfristig entfernt werden. Fällt bei den Kontrollfahrten ein Problem-Baum in einem fremden Bestand auf, informiert Straßen.NRW den Eigentümer. Nachdem der Wintersturm Friederike die Bestände arg zerzaust hat, ist eine solche Kontrolle umso wichtiger. Denn dort, wo Bäume weggebrochen sind, bekommt der nächste Sturm eine neue Angriffsfläche. Es geht bei der Pflege also nicht nur um den einzelnen Baum, sondern der gesamte Bestand rückt in den Blick.

Selektive Bestandspflege

Bewährt hat sich dabei die "selektive Bestandspflege“, auf die Straßen.NRW seit geraumer Zeit setzt. Dabei werden Sträucher im direkten Randbereich zur Straße alle drei bis fünf Jahre zurückgeschnitten und im hinteren Bereich einzelne, nicht mehr standsichere Bäume entfernt. Dieser stufige Aufbau des Grünstreifens - erst Sträucher, dann Bäume - führt dazu, dass ein Sturm wie Friederike nicht mit voller Wucht auf den Baum prallt.

Allerdings ist solch ein stufiger Aufbau des so genannten "Straßenbegleitgrüns“ nicht überall möglich, etwa wenn die dafür notwendige Breite fehlt oder die Bestände überaltert sind. Instabile Altbestände und Gehölze, die lediglich in einem Abstand von rund fünf Metern zum Fahrbahnrand stehen, werden daher in der Regel wenige Zentimeter über dem Boden gekappt. Der Fachmann spricht vom "auf den Stock setzen“.

Keine längeren Sperrungen

Der Begriff Gehölzpflege mag da zunächst einmal irreführend klingen. "Auf den Stock setzen“ sieht auf den ersten Blick nicht sehr gepflegt aus und wird von vielen Bürgern als Kahlschlag wahrgenommen. Doch auch diese Methode hilft der Natur dabei, sich zu verjüngen und neu aufzustellen. Wenn die Pflanzen wieder ihre Triebe ausbilden, stellt sich ein ganz anderes Bild dar.

Der unaufgeräumte Eindruck wird in diesen Tagen allerdings noch verstärkt, weil an den Straßen Schnittreste auf den Abstransport warten. "Hier hat uns Friederike ein zusätzliches Problem beschert, weil die Straßenwärter und Firmen zunächst mit dem Beseitigen des Windbruchs befasst waren“, erklärt Dr. Frank Eilermann, Fachmann für Gehölzpflege bei Straßen.NRW. Grundsätzlich sieht er den Landesbetrieb aber gut aufgestellt. "An den Autobahnen gab es keine längeren Sperrungen durch den Sturm. Und auch auf den übrigen Straßen waren es meist nur kurzfristige Einsätze, um umgestürzte Bäume zu beseitigen.“

Hintergrund

Verwertung

Das meiste Holz wird verwertet und zum Beispiel in gehäckselter Form von Betreibern von Biomasseheizkraftwerken genutzt. Oder es kommt als Werkstoff in der Industrie zum Einsatz, etwa für Spanplatten. Eine Nutzung als Brennholz erfolgt nur in geringem Umfang. Ein Teil der Stämme und Äste verbleibt aber auch vor Ort. Dort bieten sie dann - als Totholz oder zu Reisighaufen gestapelt - Pilzen, Pflanzen, Insekten und Vögeln einen neuen Lebensraum. Falsch ist die immer wieder geäußerte Vermutung, Gehölzpflege sei für den Landesbetrieb ein lukratives Geschäft und nur deshalb gebe es manchen "Kahlschlag" am Straßenrand. Gehölzpflege ist viel mehr kostenintensiv. Oberste Priorität dabei hat die Verkehrssicherheit - und das nicht nur bei extremen Sturmtiefs wie Friederike.

Bestände

Ein Großteil des Begleitgrüns vor allem an den Autobahnen ist "in die Jahre gekommen". Die Bäume haben ein Alter von 30 bis 50 Jahren erreicht, ihr Standort ist aber in dieser Zeit nicht nach forstwirtschaftlichen Aspekten bearbeitet worden. In einem durchforsteten Waldbestand wären in diesem Zeitraum schon zwei oder drei Mal Bäume herausgenommen worden, um den verbleibenden bessere Entwicklungschancen zu geben. Da dies nicht geschehen ist und die Pflanzungen beim Bau der Autobahnen zudem nach heutigen Gesichtspunkten zu dicht vorgenommen wurden, haben sich viele Bäume nicht optimal entwickelt. Nimmt man hier Bäume weg, bleiben oft die übrig, die alleine nicht mehr standsicher sind.

Was wächst denn da?

Rechts und links von Autobahnen und Bundesstraßen stehen reichlich Bäume. Gut 400.000 Bäume kennt der Landesbetrieb Straßen.NRW quasi persönlich. 250.000 sind bereits im digitalen Baumkataster der Behörde erfasst. Sie alle erhalten regelmäßig Besuch der Straßen.NRW-Baumkontrolleure. Weit mehr Bäume stehen allerdings anonym im so genannten Straßenbegleitgrün.

Gezielt gepflanzt werden Bäume heute nur noch wenig. Gerade einmal fünf bis zehn Prozent machen Bäume bei Neuanpflanzungen aus. Straßen.NRW setzt vermehrt auf strauch- und buschartige Pflanzen. Ein Vorteil: Beerentragende Büsche bieten nicht nur Nahrung und Lebensraum für Vögel und Kleinsäuger, die Tiere sorgen gleichzeitig für eine stetige Verjüngung des Bestandes, in dem sie die Samen verbreiten.

Pressekontakt: Susanne Schlenga/Stephan Lamprecht, Telefon 0209-3808-333

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