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Pressemitteilung vom 11.12.2018

Konferenz Brücken.Zukunft.NRW: Mit der richtigen Strategie gegen den Kollaps

Köln (straßen.nrw). Spätestens seit die kritischen Zustände der Rheinbrücken von Leverkusen und Duisburg-Neuenkamp bekannt geworden sind, stehen die Brücken unter der Beobachtung von Öffentlichkeit, Medien und Politik. Und auch die Katastrophe von Genua im Sommer befeuerte die Diskussion, ob im verkehrsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen ebenfalls ein solches Unglück drohen könnte. Glaubt man den Experten auf der Konferenz "Brücken.Zukunft.NRW", die heute (11.12.) in Köln stattgefunden hat, hat sich NRW mit den richtigen Strategien auf den Weg begeben.

Großer Aufwand für den richtigen Weg

Dr. Hendrik Schulte, Staatssekretär im NRW-Verkehrsministerium, verweist auf den großen Aufwand, den das Land NRW zur Bewältigung der Herausforderungen betreibt. So stellt die Landesregierung mehr Geld für externe Planungsleistungen und mehr Personal für die Straßenbauverwaltung bereit. "Wir gehen zudem strukturierter und koordinierter vor als die Vorgängerregierung. Wir nehmen Geld in die Hand, um Planungs- und Bauverfahren zu beschleunigen", sagte Schulte. So würden zum Beispiel Planung und Bau einer Brücke "funktional" ausgeschrieben; das heißt beides wird in einem Gesamtpaket an ein Unternehmen vergeben. "Um die Auswirkungen für die Autofahrer so gering wie möglich zu halten, werden Umleitungskonzepte entwickelt. Das gilt vor allem für viel befahrene Strecken und solche, die Knotenpunktfunktion haben", erläuterte der Staatssekretär weiter. Dynamische Wegweiser mit Stau- und Umleitungsempfehlungen informieren die Verkehrsteilnehmer frühzeitig. Aktuell gibt es bereits 85 sogenannte dWistA-Tafeln. Weitere 85 sind in der vorbereitenden Umsetzung. "Wir sind mittendrin und auf einem guten Weg, die Straßen und Brücken in NRW in Ordnung zu bringen", erklärte Schulte.

Zwei Drittel müssen neu gebaut werden

"Vor acht Jahren erreichten uns 80.000 Anträge auf Genehmigungen von Schwertransporten, heute hat sich die Anzahl mit 200.000 pro Jahr mehr als verdoppelt", schilderte die Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek die aktuelle Situation auf den NRW-Autobahnen. Und wenn man weiß, dass ein LKW den gleichen Schaden auf den Straßen anrichtet wie 60.000 PKW, ist das ein Grund für den kritischen Zustand vieler Brücken, die vor 50 Jahren für eine wesentlich geringere Belastung geplant und gebaut wurden. "Kein Wunder also, dass zwei Drittel der Brücken, die wir im Moment betrachten, in den kommenden Jahren neu gebaut werden müssen", so Sauerwein-Braksiek.

Koordination für fließenden Verkehr

80 Fachleute beschäftigt der Landesbetrieb Straßen NRW mit der Aufgabe, seine 10.000 Brücken regelmäßig zu überprüfen: "Mit Hilfe dieser intensiven Betreuung entwickeln wir die passende Strategie, damit kein Autofahrer Angst haben muss, dass unter ihm eine Brücke einstürzt", betont die Straßen.NRW-Chefin. Der Nachteil sei eine hohe Anzahl von Baustellen. Sauerwein-Braksiek kündigte an, dass in diesem Jahr mit 1,36 Milliarden Euro so viel in das NRW-Straßennetz investiert werde wie noch nie (2017: 1,25 Mrd. Euro). "Das heißt, wir müssen noch besser werden in der Koordination der Baustellen." Aktuell wickle man 45 Prozent der kürzeren Baustellen auf staugefährdeten Strecken nachts ab, und auch die Anzahl der Wochenendbaustellen (in den verkehrsschwachen Zeiten) habe mit 100 einen neuen Höchststand erreicht. "Damit diese Baustellen wirkungsvoll geplant werden, geben wir in diesem Jahr 80 Millionen Euro für externe Dienstleistungen aus, weil wir nicht alles mit eigenen Personal erledigen können", unterstrich Sauerwein-Braksiek.

Mehr als 100 Experten aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik trafen sich auf Einladung des Landesbetriebes Straßenbau NRW in Köln, um die Herausforderungen beim Thema Brücken in den nächsten Jahren zu diskutieren (#BrückenZukunftNRW).

Mit der richtigen Strategie

Zur Brückenstrategie von Straßen.NRW gehört ein dichtes Netz regelmäßiger Brückenkontrollen. Diese bestehen aus

  • der umfassenden Hauptprüfung alle sechs Jahre,
  • der einfachen Prüfung alle drei Jahre,
  • der jährlichen Besichtigung
  • der Begehung zweimal jährlich durch Mitarbeiter der Meistereien.

Bei Bedarf werden Sonderprüfungen durchgeführt, ggf. wie bei den Rheinbrücken automatische Dokumentations- und Warnsysteme installiert. Jeder Schaden am Bauwerk wird im elektronischen Brückenbuch nach einheitlichen Standards dokumentiert.

Zur Brückenstrategie gehört ebenfalls die systematische Nachrechnung der Brückenstatik, bei der die heutigen und künftigen Verkehrsbelastungen mit den Annahmen bei Errichtung der Bauwerke abgeglichen werden. Nachgerechnet werden Brücken, die bestimmte bauliche und verkehrliche Kriterien erfüllen oder die eine schlechte Zustandsnote haben. Nach diesen Kriterien müssen an den Autobahnen in NRW insgesamt 1.119 Bauwerke nachgerechnet werden, davon ist zurzeit rund die Hälfte geschafft. Von den bislang nachgerechneten Brücken müssen knapp zwei Drittel ersetzt werden.

Zur Brückenstrategie gehört auch die Betrachtung besonders belasteter Strecken und die langfristige Planung der Befahrbarkeit von Korridoren, um bestimmte Schwerlastverkehre zu ermöglichen.

Zur Brückenstrategie gehört natürlich auch der Einsatz von genügend Personal für diese dringende Arbeit und die Weiterbildung der Experten. Straßen.NRW hat daher eine eigene Arbeitsgruppe Brückenertüchtigung gebildet.

Wichtiger Bestandteil der Brückenstrategie ist die Information der Öffentlichkeit, nicht nur über die laufenden und geplanten Brückenbaustellen, sondern auch über die Sachzwänge und Vorgehensweise. Straßen.NRW hat daher einen umfangreichen Internetauftritt zu diesem Thema (http://www.strassen.nrw.de/de/planung-bau/ingenieurbau/brueckenbau.html) und bietet sogar einen Erklärfilm an: YouTube-Video: Brückologie - kleine Brückenkunde von Straßen.NRW.

Pressekontakt: Bernd A. Löchter, Telefon 0209-3808-333

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