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Pressemitteilung vom 07.08.2019

Jahrestag des Brückenunglücks in Genua – Brücken in NRW sind sicher

Gelsenkirchen (straßen.nrw). Der Einsturz einer Autobahnbrücke im italienischen Genua jährt sich in der kommenden Woche: 43 Menschen starben am 14. August 2018. Dass es auch in Nordrhein-Westfalen zu einem ähnlichen Vorfall kommen könnte, ist unwahrscheinlich. „Die Autobahnbrücken in Nordrhein-Westfalen sind sicher“, sagt dazu Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin von Straßen.NRW. In den vergangenen zwölf Monaten sei man aufgrund des Unglücks in Italien zwar sensibler geworden, doch: „Einen solchen Unfall wird es nach menschlichem Ermessen bei uns nicht geben.“

Unbestritten ist, dass die Brücken in Nordrhein-Westfalen mittlerweile in die Jahre gekommen sind. Die meisten wurden in den 1960er- bis 1980er-Jahren gebaut. Das mittlere Alter von Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen liegt in NRW bei 38, an Landesstraßen bei 42 Jahren. Damit haben viele Brücken die Hälfte ihrer Nutzungsdauer erreicht, die auf 80 bis 100 Jahre angelegt ist. Regelmäßige und vor allem systematische Überprüfungen aller Brückenbauwerke gemäß DIN 1076 gehören bei Straßen.NRW deshalb längst zum Standard; so wird unter anderem alle sechs Jahre eine umfassende Hauptprüfung durchgeführt. „Unsere Brückenfachleute schauen sich jeden Riss und jedes Bauteil an, klopfen ab, ob irgendetwas zu hören ist, was nicht sein sollte“, so Sauerwein-Braksiek. „Und daraus leiten wir dann gegebenenfalls Instandsetzungsmaßnahmen ab.“

Drei Jahre nach der Hauptprüfung folgt die so genannte „Einfache Prüfung“ – eine intensive, erweiterte Sichtprüfung. Begutachtet werden dabei auch Funktionsteile sowie Verankerungen von Bauteilen und die Fundamente. Und auch in den Jahren ohne Prüfung kontrolliert Straßen.NRW die Bauwerke regelmäßig: Dann führt die jeweils zuständige Autobahn- oder Straßenmeisterei ausführliche Besichtigungen durch. Zusätzlich erfolgt zweimal im Jahr eine systematische Beobachtung durch sachkundige Straßenwärter der zuständigen Meisterei.

Über 10.000 Brücken liegen im Zuständigkeitsbereich des Landesbetriebs Straßenbau NRW. Rund 80 Ingenieure und Techniker haben bei Straßen.NRW diese Brücken dauerhaft im Blick. Unterstützt werden diese Männer und Frauen von externen Ingenieurbüros, die mit einem Auftragsvolumen von bis zu 1,5 Millionen Euro im Jahr für den Landesbetrieb Brückenkontrollen übernehmen. Sauerwein-Braksiek: „Dieses strenge Prüf-Regime hatten wir schon vor Genua. Es hat sich über Jahre und Jahrzehnte bewährt und dazu beigetragen, dass bei uns in Nordrhein-Westfalen und in der gesamten Bundesrepublik so etwas nie passiert ist.“

Drei Fragen an Ahmed Karroum, Leiter der Abteilung Brückenbau bei Straßen.NRW:

Herr Karroum, es ist immer wieder vom „Brückenkollaps“ die Rede, der in Nordrhein-Westfalen droht. Was tun Sie, um einen solchen Kollaps zu verhindern?

Die gute Nachricht ist: Diesen Kollaps wird es nach menschlichem Ermessen bei uns nicht geben. Wir führen regelmäßig Bauwerksprüfungen durch. Das heißt, wir schauen uns alle 10.000 Brücken, die wir haben, regelmäßig an. Und dies mindestens einmal im Jahr und alle sechs Jahre sehr intensiv. Und wenn wir sehen, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass irgendeine Gefahr von der Brücke ausgeht, dann handeln wir selbstverständlich sofort.

Was bedeutet „sehr intensiv“ im Falle einer Brückenprüfung?

Alle sechs Jahre führen wir eine handnahe Hauptprüfung durch. Das heißt: Unsere Brückenfachleute gehen ganz nah an die Brücken ran und schauen sich jeden Riss und jedes Bauteil an. Sie klopfen ab, ob irgendetwas zu hören ist, was nicht sein sollte. Und daraus leiten wir dann gegebenenfalls Instandsetzungsmaßnahmen ab.

Das heißt, Sie setzen Brücken regelmäßig instand. Was tun Sie noch?

Das eine sind die regelmäßigen Bauwerksprüfungen, aus denen wir gegebenenfalls Baumaßnahmen ableiten. Das andere: Wir wollen das gesamte Brückennetz des Landes modernisieren. Das ist keine Aufgabe von jetzt auf sofort, sondern eine Aufgabe für Jahrzehnte. Aber wir haben uns bereits drangemacht, unsere Brücken statisch nachzurechnen und daraus die Lebensdauer zu bestimmen. Das heißt, wir wollen nicht nur sehen, ob sie jetzt in Ordnung sind, sondern auch ob sie zukunftsfähig sind. Und wenn sie das nicht sind, dann werden sie verstärkt, wo es geht, oder sie werden mittel- oder langfristig neu gebaut.

Pressekontakt: Stephan Lamprecht/Bernd A. Löchter, Telefon 0209-3808-333

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