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Pressemitteilung vom 23.01.2019

Brücken: Mit Innovation zu kürzen Bauzeiten

Emmerich/Gelsenkirchen (straßen.nrw). Mit innovativen Bauverfahren verkürzt Straßen.NRW die Sperrzeiten für Verkehrsteilnehmer spürbar. Bei Emmerich im Kreis Kleve steht nun das nächste Pilotprojekt an. Die Brücke Speelberger Straße, die bei Emmerich über die A3 führt, wird in so genannter Segmentbauweise errichtet. Hierzu werden auf den Hauptträgern, die die Autobahn überspannen, fertige Fahrbahnsegmente aufgelegt. Wie bei einer Perlenkette werden durch diese komplett ausgestatteten Elemente anschließend Spannglieder „gefädelt“. Nachdem der Überbau zusammengesetzt und verspannt ist, kann der Verkehr in kürzester Zeit wieder fließen. Besonderheit: Der Konstruktionsbeton kann bei dieser Variante direkt befahren werden, eine zusätzliche Asphaltschicht ist nicht mehr nötig.

„Unser oberstes Ziel bei all den innovativen Projekten ist, die Beeinträchtigungen für den Verkehr so gering wie möglich zu halten“, sagte Thomas Oehler, als Leiter der Region IV für die Autobahnen in Nordrhein-Westfalen zuständig, bei der Vorstellung einer ganzen Reihe von Pilotprojekten am Mittwoch in der Autobahnmeisterei Isselburg. Bis zu 75 Prozent geringere Sperrzeiten soll vor allem der Einsatz von Fertigteilen bringen.

  • Mit gerade einmal 100 Tagen Vollsperrung einer städtischen Straße über die A46 statt der bislang benötigten 220 Tage wurde das Projekt „Bausteinbrücke“ in Hagen erfolgreich beendet. Erstmals wurde hier eine Brücke komplett aus Fertigteilen hergestellt. Beim Bauwerk Hammacherstraße stammten sogar die Widerlager aus dem Betonwerk. Für den Bau dieser Brücke hatte das Land NRW einen Ideenwettbewerb ausgelobt. Der Siegerbeitrag ist an der A46 verwirklicht worden und seit Juli 2018 fertiggestellt.
  • Eine weitere Idee des Wettbewerbs zum innovativen Brückenbau ist ebenfalls – an einen neuen Standort angepasst – realisiert worden. An der L581 bei Werne wurden gleich zwei Brücken über die Landesstraße durch Fertigteil-Brücken ersetzt. Neben der Reduzierung der Sperrzeiten für die Gemeindewege Stiegenkamp und Nordbecker Damm war hier ein weiteres Ziel von Straßen.NRW, ein Baukasten-System zu erproben, das auf weitere Projekte anwendbar ist. Die Anzahl der Fertigteile sollte möglichst überschaubar bleiben. Um lange Transportwege der schweren Bauteile zu vermeiden, wurden die Träger der Brücke in einer Feldfabrik nahe der Baustelle gefertigt.
  • Erst eine neue Brücke bauen und sie dann an ihren Platz schieben: Das haben sich die Straßen.NRW-Planer an der A45 vorgenommen. Im Fall der Talbrücke Rinsdorf wird das komplette Bauwerk, das mit 485 Metern Länge und einer maximalen Höhe von 60 Metern das Tal überspannt, verschoben. Bei früheren Projekten wurde lediglich ein auf Hilfspfeilern erbauter Überbau verschoben. Nun soll die ganze Brücke samt der hohen Betonpfeiler ihren Platz wechseln. Vorteil auch hier: die Einschränkungen für den Verkehr auf der A45 werden zeitlich reduziert.
  • So genannte „Kunststoff-Bewehrte-Erde“ statt Beton kommt bei einem Mitte 2019 geplanten Brückenneubau an der A3 bei Emmerich-Elten zum Einsatz. Das Bauwerk Stokkumer Straße muss dort ersetzt werden. Um die Widerlager aus bewehrter Erde aufzubauen, werden mit Hilfe von flexiblen Kunststoffnetzen, so genannten Geogittern, Bodenschichten aufgebaut, die so tragfähig sind, dass ein Beton-Querbalken und darauf der Überbau aufgelegt werden können. Zur Straße hin werden die Bewehrte-Erde-Widerlager mit Beton verkleidet. Der Brückenüberbau wird parallel auf einem Parkplatz an der A3 gebaut und anschließend fix und fertig eingehoben. Vorteil auch hier: eine wesentlich verkürzte Bauzeit (80 Tage) sowie nur zwei Vollsperrungen auf der A3 anstatt der sonst üblichen drei Sperrungen.
  • Neben den innovativen Bauverfahren gehören auch neue Korrosionsschutz-Techniken oder die Anwendung von hochfestem Beton zu den Neuerungen beim Brückenbau, die Straßen.NRW gemeinsam mit Unternehmen entwickelt und einsetzt. Letzterer kann vor allem bei im Betonwerk vorproduzierten Fertigteilen eingesetzt werden und garantiert eine längere Lebensdauer und weniger Wartungsaufwand.

Hintergrund

Viele der rund 10.000 Brücken, die Straßen.NRW in Nordrhein-Westfalen betreut, sind in die Jahre gekommen: Ein großer Teil wurde in den 1960er bis 1970er Jahren gebaut. Das Alter, vor allem aber die extreme Belastung durch immer mehr und immer schwerere LKW macht ihnen stark zu schaffen. Ein großer Teil muss durch einen Neubau ersetzt werden.

Derzeit wird die Statik der Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen mit Hilfe zeitgemäßer Rechenmodelle überprüft. Für diese Aufgabe hat Straßen.NRW eine eigene Projektgruppe eingerichtet. 1119 Brücken werden vorrangig untersucht. Kriterien hierfür sind Alter, Bauweise und Verkehrsbelastung. 593 Brücken sind inzwischen nachgerechnet, 366 Bauwerke müssen demnach mittel- bis langfristig ersetzt werden (Stand: Oktober 2018).

Pressekontakt: Susanne Schlenga, Telefon 0209-3808-333

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