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Pressemitteilung vom 23.07.2019

B51/B64: „4zu1“ Ost-Münsterland-Verbindung: Zehn Bürgerfragen an Straßen.NRW

Münster (straßen.nrw). Auf der Bürgerveranstaltung in Telgte am 10. Juli diskutierten knapp 500 meist kritische Bürgerinnen und Bürger mit den Planern von Straßen.NRW und dem Verkehrsgutachter Dr.-Ing. Hartmut Ziegler von DTV Consult aus Aachen. Im Fokus stand die Ost-Münsterlandverbindung „4zu1“. Auf der geplanten Ausbaustrecke zwischen Bielefeld und Münster sollen drei Ortsumgehungen umgesetzt werden und die B51 zwischen Telgte und Münster vierspurig ausgebaut werden. In allen Streckenabschnitten werden die Bürgerinnen und Bürger an der Planung beteiligt. Auf den Veranstaltungen stellten sich aber zunächst viele grundsätzliche Fragen. Hierbei ging es vor allem um Alternativen zum Ausbau der Straße und ein modernes, klimagerechtes Verkehrskonzept. Die zehn häufigsten Fragen werden hier beantwortet:

Kann der Radverkehr die Strecke entlasten?

Ja, kann er. So wird zum Beispiel von der Stadt Münster wird eine Veloroute nach Telgte geplant. Im Beteiligungsprozess wurde eine zusätzliche schnelle Radverbindung nach holländischem Modell entlang der B51 angeregt. Dort könnten E-Bikes, Pedelecs, Roller, Kleinkrafträder und landwirtschaftlicher Verkehr fahren, die auf einem normalen Radweg nicht zugelassen wären. In Holland funktioniert das sehr gut. Die Frage ist, wie viele Menschen von Telgte nach Münster bei jedem Wetter mit dem Rad fahren würden. Optimistische Schätzungen sehen eine Steigerung von heute 300-400 auf 1000-2000 im Jahr 2030. Für den überörtlichen Pendlerverkehr weiter Richtung Warendorf und Beelen spielt die Radverbindung eine deutlich geringere Rolle. Entlastung also ja, ein Ersatz für den Ausbau der B51 wären zusätzliche Radwege jedoch nicht.

Kann die Schienenverbindung zweigleisig und elektrifiziert ausgebaut werden, anstatt die Straßen auszubauen?

Da die Bahnstrecke mitten durch die Orte verläuft, würde ein zweigleisiger Ausbau einen erheblichen Eingriff in die Bausubstanz in Münster und Telgte und auch in Beelen, Warendorf und Herzebrock-Clarholz bedeuten. Ein Ausbau müsste zunächst erst einmal im Rahmen der Bedarfsplanung für den Schienenverkehr Berücksichtigung finden. In diesem Zusammenhang sei an die jahrzehntelange Diskussion über die Notwendigkeit des zweigleisigen Ausbaus der DB-Hauptstrecke Münster – Lünen erinnert.

Würde eine S-Bahnverbindung mit 20-Minutentakt die Straße ersetzen können?

Auf der vorhandenen eingleisigen Strecke bedeutet ein 20-Minutentakt eine Verkehrsentlastung von ca. 3000 KFZ am Tag. Dies reicht nicht einmal heute, um die Staus auf der Straße deutlich zu reduzieren. Eine Voraussetzung wäre zudem der Ersatz sämtlicher nicht technisch gesicherter Bahnübergänge mit dem dazu erforderlichen Ersatzwegenetz. Dennoch wäre ein solcher Ausbau im Sinne von mehr CO2-freiem ÖPNV eine wichtige Maßnahme.

Kann Güterverkehr auf die Schiene verlegt werden?

Leider nicht, weil das Gleisbett und Brücken nicht für den Güterverkehr geeignet sind. Derzeit sind auch keine Be- und Entladestationen vorhanden. Güterverkehr auf der eingleisigen Strecke würde zudem dem Ziel der Beschleunigung und Taktverdichtung des Personenverkehrs entgegenstehen.

Wie könnte ein modernes, klimagerechtes Mobilitätskonzept für den ländlichen Raum aussehen?

Klimagerechte Mobilitätskonzepte setzen auf einen Individualverkehr mit CO2-neutralem Antrieb, auf gut getaktete Busse im ÖPNV, kleine Shuttles für Randzeiten oder Teilorte, Fahrgemeinschaften und betriebliche Mobilitätskonzepte. Für alle diese Zukunft gerichteten Mobilitätsarten braucht es eine geeignete, nicht stauüberlastete Infrastruktur. Da auf dieser Strecke die Schiene nur eingeschränkt Kapazität aufnehmen kann, werden die Straßeninfrastruktur und Umsteigemöglichkeiten in Busse oder Fahrgemeinschaften umso wichtiger. Dies sollte bei der Planung jetzt schon mit bedacht werden.

Wäre eine Klimaspur für Busse, Shuttles oder Fahrzeuge mit CO2-neutralem Antrieb möglich?

Ja, eine Klimaspur wäre grundsätzlich möglich und ist in vielen Ballungsräumen eine wichtige Maßnahme. Sie würde aber einen mindestens vierstreifigen Ausbau der betreffenden Straßen voraussetzen.

Die Bürgerinitiativen haben festgestellt, dass an der Zählstelle bei Telgte die Verkehrszahlen sinken. Wieso geht der Gutachter von steigenden Verkehrszahlen aus?

Die Verkehrszahlen sinken an der Zählstelle bei Telgte, sie steigen aber im Gesamtgebiet, da immer mehr Baugebiete und Unternehmen angesiedelt wurden. Da die B51 seit Jahren stauüberlastet ist nutzen immer mehr Pendlerinnen und Pendler Ausweichstrecken und Schleichwege. Hier steigen die Verkehre und führen dort zu erhöhten Immissionsbelastungen.

Was wird sich für die Landwirtschaft verändern?

Auf der Strecke gibt es 105 Bahnübergänge, davon 64 unbeschrankt. Dies führt regelmäßig zu schweren Unfällen, oft auch mit Todesfolge. Die unbeschrankten Bahnübergänge müssen geschlossen und das gesamte landwirtschaftliche Wegenetz verändert werden. Ein neues Ersatzwegenetz wird mit den Landwirtinnen und Landwirten gemeinsam erarbeitet. In der Bürgerbeteiligung wurde die Frage aufgeworfen, ob es eine Ausnahmeregelung für landwirtschaftliche Fahrzeuge auf Abschnitten der ausgebauten B51 geben könnte. Dies wird derzeit geprüft.

Welche Handlungsspielräume bei den Planungen bestehen noch?

Für einige Teilprojekte von 4zu1 sind die Planungen schon sehr weit konkretisiert, für andere stehen die Planer noch am Anfang. Beim Ausbau der B51 zwischen Handorf und Telgte sind die Spielräume noch sehr groß. Hier ist auch noch die Lage der Knotenpunkte zu entscheiden. Ein Knotenpunkt könnte an der Lauheide oder am Jägerhaus entstehen. Angeregt wurde in der Bürgerbeteiligung auch eine Neuordnung der Kreuzung am Münstertor in Telgte, um das Gewerbegebiet und die St. Rochusklinik ohne Bahnschranke anzubinden. Auch die Bildstöcke und Linden sollen einen neuen Platz bekommen. Hier wurden Anregungen ebenfalls aufgenommen. Groß sind die Handlungsspielräume auch noch bei der B64 OU Beelen. Hier können unter Beachtung der Festlegungen in der Linienbestimmung noch der exakte Streckenverlauf, die Höhenlage und die Ausgestaltung der Knotenpunkte behandelt werden. Außerdem müssen das Ersatzwegenetz und die Ausgleichsflächen noch festgelegt werden.

Wie geht der Beteiligungsprozess weiter?

Alle Anregungen aus den Bürgerveranstaltungen wurden aufgenommen und werden Stück für Stück beantwortet. 300 Fragen und Antworten sind bereits transparent im Netz veröffentlicht. Auch das Verkehrsgutachten für den Bereich Münster-Telgte ist dort einsehbar. Zusätzliche Workshops mit der Landwirtschaft werden noch im Sommer und Herbst durchgeführt. In allen Teilprojekten von 4zu1 werden noch weitere Bürgerforen durchgeführt.

Pressekontakt: Sandra Beermann, Telefon 0251-1444-763

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