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Pressemitteilung vom 30.07.2018

Straßen.NRW setzt beim Brückenbau auf Innovation

Hagen/Gelsenkirchen (straßen.nrw). Schneller bauen mit weniger Behinderungen für den Verkehr. Das ist das Ziel von Straßen.NRW ebenso wie des NRW-Verkehrsministeriums. Mit dem innovativen Pilotprojekt „Bausteinbrücke“ ist am Montag (30.7.) dabei eine Punktlandung gelungen: 100 Tage nach Abriss der alten Brücke ist der Neubau der Brücke Hammacherstraße, die in Hagen über die A46 führt, für den Verkehr freigegeben worden. Hätte man in konventioneller Weise gebaut, wären mehr als 200 Tage Sperrung notwendig geworden.

„Wir investieren Rekordsummen in Ausbau und Sanierung der Infrastruktur. Und wir setzen auf Innovationen, um die Beeinträchtigungen für die Verkehrsteilnehmer, für Industrie- und Gewerbe wie auch die Anlieger so gering wie möglich zu halten. Wir ziehen dabei alle Register. Mit dem Bau in Fertigteilbauweise erarbeiten wir uns weitere Chancen.“

Widerlager ganz ohne Beton

Es ist ein klassisches Dilemma: Der Verkehr soll fließen, doch Straßen und Brücken müssen gleichzeitig instandgehalten oder neu gebaut werden. Verkehrsteilnehmer müssen Umwege und Staus in Kauf nehmen, wenn Strecken wegen Bauarbeiten lange gesperrt oder eingeschränkt sind. Straßen.NRW sucht darum aktiv nach Möglichkeiten, die Sperrzeiten und Behinderungen zu reduzieren. So wurde gemeinsam mit dem NRW-Verkehrsministerium ein Ideenwettbewerb für den Ersatzneubau der Brücke Hammacherstraße ausgelobt. Zwölf Ingenieurbüros haben sich beteiligt, der Siegerentwurf wurde in Hagen realisiert, zwei weitere Brücken werden nach Plänen von Wettbewerbsteilnehmern derzeit in Werne gebaut. Und auch an der A3 entsteht ab 2019 kurz vor der niederländischen Grenze ein Bauwerk, bei dem das Thema Brückenbau neu gedacht wird. Statt die Widerlager aus Beton zu fertigen, wird der Brückenüberbau auf „bewehrter Erde“ aufgelegt. Das heißt: Für den Bau der Widerlager wird Boden verdichtet und mit Hilfe von glasfaserverstärkten Verbundfolien in Schichten zusammengehalten. Dieses Verfahren erlaubt es, schnell und weniger aufwändig zu bauen und dennoch beste Ergebnisse zu erzielen.

In Hagen ist dagegen Beton verbaut worden. Neu dabei: Fundamente, Widerlager, Stahlträger, Fahrbahnplatten und die so genannten Kappen, also die Seitenelemente der Brücke - all diese Komponenten sind für die Bausteinbrücke vorgefertigt worden. Stück für Stück wurde das Bauwerk aus diesen Bausteinen schließlich an der A46 zusammengesetzt. Die Autobahn musste lediglich für den Abbruch, das Auflegen der Stahlträger und das Auflegen der Kappen gesperrt werden. Für den lokalen Lieferverkehr der angrenzenden Gewerbegebiete – knapp 7000 Fahrzeuge (davon über 1000 LKW) werden die Hammacherstraße nach der Verkehrsprognose 2030 täglich nutzen– wurden Umleitungen eingerichtet. Diese können nun nach nur 100 Tagen wieder aufgehoben werden.

„Mit dem Bau der Bausteinbrücke haben wir wertvolle Erfahrungen sammeln können, die wir nun für weitere innovative Projekte nutzen werden“, sagte Thomas Oehler, Regionalleiter Autobahnen bei Straßen.NRW. Wird vor Ort gebaut, kosten die Herstellung von Schalung und Bewehrung ebenso Zeit wie das Aushärten des Betons. Weiterer Pluspunkt: Gebaut wird weitgehend wetterunabhängig. Die Betonfertigteile können auch bei starkem Frost in den Hallen der beauftragten Firmen hergestellt werden.

Brückenteile aus der Feldfabrik

Zeitgleich zum Bau der Bausteinbrücke in Hagen ist ein weiteres Pilotprojekt im Münsterland an den Start gegangen. In Werne setzt Straßen.NRW mit der Idee des Drittplatzierten im Ideenwettbewerb ebenfalls ein innovatives Baukonzept für gleich zwei Bauwerke an der L518 um, bei dem die Fertigteile für den Überbau in einer so genannten Feldfabrik abseits der Baustelle hergestellt werden. Widerlager und Brückenflügel kommen aus dem Betonfertigteilwerk. Durch den Einsatz der Fertigteile reduziert Straßen.NRW auch hier die Sperrzeiten. Zudem werden mit der Fertigung in der Nähe der Brückenbaustelle lange Transportwege vermieden. An der A3 will Straßen.NRW noch einen Schritt weiter gehen. Hier wird eine fertige Brücke samt Geländer und Asphalt auf die in innovativer Bauweise hergestellten Widerlager aufgelegt. Der Brückenüberbau soll ab 2019 auf einem Parkplatz an der A3 gebaut und anschließend zur nahe gelegenen Brückenbaustelle transportiert werden.

Für Thomas Oehler sind der erfolgreiche Abschluss des Pilotprojektes „Bausteinbrücke“ und die Bauprojekte an der A3 und der L518 wichtige Schritte in eine Zukunft, in der Straßen.NRW eine Vielzahl an Brücken sanieren oder neu bauen muss. „Wir werden nicht ein für alle Brücken passendes Bauverfahren finden. Aber wir suchen innovative Lösungen, die sich auf Bauprojekte mit vergleichbaren Bedingungen übertragen lassen.“

Bild (v.li. nach re.): Dipl.-Ing. Jochen Ludewig, Sweco, Sebastian Quast, Fa. Otto Quast, NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst, Thomas Oehler, Regionalleiter Autobahnen Straßen.NRW, Jörg Kranz, Fa. Heitkamp.

Pressekontakt: Susanne Schlenga, Telefon 0209-3808-333

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