Die Kombilösung – eine Alternative?

Die sogenannte „Kombilösung“ wurde in letzter Zeit intensiv diskutiert. Sie sieht vor, einen Tunnel unter dem Rhein zu bauen, der die Anschlussstelle Köln-Niehl mit dem Autobahnkreuz Leverkusen verbindet. Parallel dazu soll eine sechsspurige Rheinbrücke mit Standstreifen errichtet werden, die allerdings nur die Verkehrsteilnehmer aufnehmen würde, die von der linken Rheinseite kommend die A59 oder die Anschlussstelle Leverkusen im heutigen Autobahnkreuz Leverkusen- West erreichen möchten bzw. umgekehrt.

Die Experten von Straßen.NRW haben die wichtigsten Aspekte dieses Vorschlags unter die Lupe genommen und zeigen auf, warum er mit einigen Nachteilen verbunden ist:

1. Verkehrsverlagerung

Die Kombilösung sieht vor, dass der Streckenabschnitt zwischen dem Autobahnkreuz Leverkusen-West und Leverkusen – also die heutige Stelze – ersatzlos wegfällt. Das würde laut Verkehrsgutachten zu einer immensen Verlagerung des Verkehrs in das Stadtgebiet von Leverkusen (täglich ca. 12.000 zusätzliche Fahrzeuge) führen.

2. Bauverfahren für den Ersatzneubau der Rheinbrücke

Die Kombilösung sieht vor, neben der bestehenden Rheinbrücke eine neue Brücke zu bauen und diese in die Position des heutigen Bauwerks auf die alten Pfeiler zu verschieben, ein sogenannter Querverschub. Zuvor müsste die heutige Rheinbrücke ebenfalls mit einem Querverschub aus ihrer Lage herausgeschoben werden. Dieser Eingriff ist laut Gutachter jedoch aus technischen und statischen Gründen nicht umsetzbar – die Rheinbrücke ist zu stark beschädigt. Man müsste also die bestehende Rheinbrücke zunächst komplett abreißen. In der Folge müsste die A1 hier komplett gesperrt werden, bei der momentanen Verkehrsbelastung des Kölner Rings nicht praktikabel, da alternative Routen den Verkehr nicht aufnehmen könnten.

3. Eingriff in die Dhünnaue

Um eine solche langfristige Sperrung zu verhindern, müsste man eine provisorische Verkehrsführung über eine – in der Kombilösung vorgesehene – danebenliegende neue Brücke errichten und somit die bedeutende Verkehrsverbindung über den Rhein aufrechterhalten. Damit wären aber auch hier umfangreiche flächige Eingriffe im Bereich der Dhünnaue zwingend notwendig. Auch für das Baufeld der später einzuschiebenden Brücke sowie für die temporären Widerlager, Stützen und Montageflächen wären solche Eingriffe zwingend erforderlich – und diese wären nur unwesentlich geringer als die in der momentanen Variante

4. Kosten

Die planfestgestellte Variante mit dem Ausbau bis zum Autobahnkreuz Leverkusen inklusive Stelzenersatz kostet insgesamt ca. eine Milliarde Euro. Würde im Stelzenbereich statt der Stelze ein Tunnel realisiert, würden die Gesamtkosten ca. 1,3 Milliarden Euro betragen. Die Gesamtkosten der Kombilösung lägen mit 2,2 Milliarden Euro fast eine Milliarde höher (herangezogen wurde ein Vergleichsbauwerk, das vom Umfang her noch kleiner ausfällt).