Variantenuntersuchung

Fünf Varianten standen zunächst im Mittelpunkt der Untersuchung, anschließend wurden noch zwei weitere Varianten ergänzt: Die oberirdische Verbreiterung der A3 an jetziger Stelle (Bestandslage, Variante 1), eine Lösung mit einem langen Tunnel (Variante 2) sowie eine mit einem kurzen Tunnel (Variante 3). Weiterhin gibt es eine Variante mit Tieflage der Fahrbahn der Fahrtrichtung Oberhausen (Variante 4.1) und eine Variante mit Seitentunneln für die Verbindung zur A1 (Variante 4.2). Bei der Variante 5 bleiben die A1 und A3 in Bestandslage, die Ein- und Ausfahrtbereiche beider Richtungsfahrbahnen werden südlich der Anschlussstelle Leverkusen getrennt. Bei dem Durchgangstunnel (Variante 6, vorher 4.3) fließt der Durchgangsverkehr in zwei getrennten Tunnelröhren, während der sich verteilende Verkehr in bestehender Höhenlage die A3 verlässt.

Die Prüfung ergab, dass ein Erhalt der Bestandslage (Variante V1) mit 226 Millionen Euro am günstigsten ist. Bauzeit und Bauaufwand sind gering. Hinzu kommt, dass die Variante die Umwelt am wenigsten beeinträchtigt und die Grundwasserdynamik nicht beeinflusst. Es käme aber zum Verlust von Wohnflächen sowie zu einer verstärkten optischen Trennwirkung durch den erforderlichen Lärmschutz.

Bei der Variante V2 wird die A3 in einen ca. 2,2 Kilometer langen Tunnel unter das Leverkusener Kreuz hindurch gelegt. Mit rund 969 Millionen Euro wäre diese lange Tunnellösung aber wesentlich teurer. Gründe dafür sind unter anderem die aufwändige Herstellung des Tunnels und die sehr lange Bauzeit. Für den Bau müssen unter anderem diverse Ver- und Entsorgungsleitungen und die Dhünn verlegt sowie Verbindungen im Leverkusener Kreuz gesperrt werden. Zudem kommt es – zumindest vorübergehend – zu Eingriffen in Eigentumsverhältnisse, je nach Fluchtwegkonzept ist unter Umständen auch mit dauerhaften Beschränkungen zu rechnen. Unterhalt und Betrieb sind wie bei allen Tunnelvarianten aufwändig.

Bei der Variante V3, der kurzen Tunnellösung, wird die A3 auf ca. 500 Metern zwischen der Anschlussstelle Leverkusen-Zentrum und dem Leverkusener Kreuz im Tunnel geführt. Bei dieser Variante ist ebenfalls mit einem hohen Unterhaltungs-, Betriebs- und Erhaltungsaufwand und einer langen Bauzeit zu rechnen. Für sie müssen diverse Ver- und Entsorgungsleitungen verlegt werden. Jedoch muss dann die Dhünn nicht verlegt werden. Auch hier würden viele Wohngebietsflächen verloren gehen. Mit 330 Millionen Euro ist die Variante aber vergleichsweise günstig. Zudem sind im Vergleich zu den anderen Tunnelvarianten weniger Eingriffe in das Grundwasser erforderlich. Die Umwelt wird im Endzustand nicht erheblich beeinträchtigt.

Investitionskosten von jeweils rund 550 Millionen Euro sind für den Bau der Varianten V4.1 und V4.2 erforderlich. Diese Varianten entstanden nach Vorschlägen aus der Bürgerschaft. In der Variante V4.1 wird nur die Fahrbahn der Fahrtrichtung Oberhausen in einen Tunnel gelegt, der dann unter der Fahrbahn der Fahrtrichtung Frankfurt verläuft. In Variante V4.2 werden die Rampen des Leverkusener Kreuzes in Seitentunneln parallel zur A3 gelegt. Dies geht einher mit einem Umbau der Anschlussstelle Leverkusen-Zentrum. Zwar führen beide Varianten im Endzustand zu keinen erheblichen Umweltbelastungen, während des Baus muss aber auch bei diesen Varianten die Dhünn verlegt werden. Zudem müssen Fahrbeziehungen gesperrt und diverse Ver- und Entsorgungsleitungen aufwändig verlegt werden. Hinzu kommt ein hoher Aufwand für Unterhalt und Betrieb der Tunnel. Bei Variante V4.1 gibt es gegenüber allen anderen Lösungen die wenigsten Eingriffe in dauerhafte Eigentumsverhältnisse. Bei Variante V4.2 käme es zumindest während der Bauzeit zu Beeinträchtigungen von Wohnflächen.

Nach diesen ersten Untersuchungen haben sich die Experten von Straßen.NRW im Herbst 2016 dazu entschlossen, noch zwei zusätzliche Varianten näher zu beleuchten: Die erste von ihnen – Variante 5 – ist eine Erweiterung der Variante 1, nach der sowohl die A1 als auch die A3 in ihrer Bestandslage erhalten werden sollen. Neu an der Variante 5 ist, dass die Ein- und Ausfahrbereiche beider Richtungsfahrbahnen südlich der Anschlussstelle Leverkusen getrennt werden würden.

Die zweite Variante, die verstärkt untersucht wird und die auch von der Interessengemeinschaft Schleswig-Holstein-Siedlung e. V. angeregt wurde, ist ein sogenannter Durchgangstunnel: Bei der Bauvariante 6 (früher 4.3) würde die A1 östlich des Autobahnkreuzes Leverkusen in ihrer derzeitigen Lage bleiben und der Durchgangsverkehr auf der A3 in zwei getrennten Tunnelröhren unter ihr hindurchgeführt werden. Autofahrer, die zwischen Frankfurt und Oberhausen unterwegs sind, würden also zwischen den Anschlussstellen Leverkusen und Opladen unterirdisch unterwegs sein.

Autofahrer, die dagegen von der A1 auf die A3 oder umgekehrt von der A3 auf die A1 wechseln wollen, würden um die Tunnelportale herumgeführt und auf das umgebaute Autobahnkreuz geleitet werden. Diese Idee wurde in den Voruntersuchungen zunächst zurückgestellt, weil die beiden anderen Tunnelvarianten, 2 und 4.1, eine höhere Lärmreduzierung mit sich bringen. Es hat sich allerdings gezeigt, dass bei diesen beiden großen Tunnelvarianten stärker in die bebauten Bereiche rund um den betroffenen Ausbauabschnitt eingegriffen werden müsste. Auch die bauzeitlichen Verkehrsführungen wären aufgrund der größeren Baugruben schwieriger. Aus diesen Gründen wurde auch die Durchgangstunnel-Variante 6 in die Voruntersuchung aufgenommen.

Ergebnisse der Voruntersuchungen

In der Voruntersuchung wurden die sieben o.g. Varianten untersucht. Davon konnte bei vier Varianten das Planungsziel im Vergleich zu den anderen drei Varianten nicht erreicht werden, so dass sich diese drei möglichen Ausbauvarianten für die engere Wahl ergeben haben. Diese sind erstens der Ausbau in oberirdischer Bestandslage (V1), zweitens die vollständig unterirdisch verlaufende A3 in diesem Abschnitt (V2) sowie drittens die Variante mit einem Tunnel für den Durchgangsverkehr (V6).

Wichtige Kriterien bei der Planung sind u.a.

Ausbaulänge (ca.):

  • Ausbau in Bestandslage (V1): 4,8 km
  • Ausbau in Tunnellage (V2): 4,8 km
  • Tunnel nur für den Durchgangsverkehr der A3 (V6): 8 km

Tunnellänge (ca.):

  • Ausbau in Bestandslage (V1): -
  • Ausbau in Tunnellage (V2): 2 km
  • Tunnel nur für den Durchgangsverkehr der A3 (V6): 5 km

Bauzeit (ca.):

  • Ausbau in Bestandslage (V1): 4,5 Jahre
  • Ausbau in Tunnellage (V2): 9,5 Jahre
  • Tunnel nur für den Durchgangsverkehr der A3 (V6): 7,5 - 9,5 Jahre

Baukosten (ca.):

  • Ausbau in Bestandslage (V1): 233 Mio. Euro
  • Ausbau in Tunnellage (V2): 969 Mio. Euro
  • Tunnel nur für den Durchgangsverkehr der A3 (V6): 2.613 Mio. Euro

Reduzierung Lärm:*

  • Ausbau in Bestandslage (V1): 65%
  • Ausbau in Tunnellage (V2): 92%
  • Tunnel nur für den Durchgangsverkehr der A3 (V6): 79%

Da keine dieser drei Varianten gleichzeitig die jeweils besten Aspekte Wirtschaftlichkeit, Emissionsschutz und Flächeninanspruchnahme vereint, muss unter diesen drei Varianten abgewogen werden. Nach Auswertung und Gegenüberstellung aller in der Voruntersuchung ausgearbeiteten, abwägungsrelevanten Kriterien, sollte der Ausbau der A3 aus fachlicher Sicht in bestehender Höhenlage weiter verfolgt werden. Dabei werden alle Grenzwerte eingehalten.

*Prozentuale Reduzierungsanteile in Bezug auf den Prognose-Nullfall

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