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Winterdienst ABC

Angepasstes Verhalten der Verkehrsteilnehmer ist gerade bei winterlichen Straßen besonders wichtig. Trotz aller Vorbereitungen und Einsatz modernster Techniken, der Winterdienst kann schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht überall gleichzeitig sein. Daher muss der Verkehrsteilnehmer im Winter immer mit Glätte rechnen und sein Fahrverhalten den Witterungsbedingungen anpassen. Streu- und Räumfahrzeuge sollten aus Sicherheitsgründen im Einsatz nicht überholt werden. Wenn wegen Schnee und Eis nichts mehr geht, sollte immer eine Fahrgasse freigehalten werden, damit die Räumfahrzeuge ungehindert den Winterdienst durchführen können. Verkehrsteilnehmer sollten daran denken, dass ein Schneepflug bis zu 4,5 Meter Durchfahrtsbreite benötigt!

Blitzeis entsteht, wenn Regen auf gefrorenen Boden oder unterkühlter (unter 0 Grad Celsius) Regen auf den Boden fällt. Hierdurch entsteht eine sehr homogene und glatte Eisschicht.

Borth - zwischen Xanten und Rheinberg: Hier lagern die größten Salzvorkommen in Nordrhein-Westfalen. Das meiste Streusalz, das Straßen.NRW in diesem Winter einsetzt, kommt von hier.

Calziumchlorid ist ein weißes geruchloses Salz, das in fester Form oder in gelöster (flüssiger) Form bei sehr tiefen Temperaturen (unter minus 20 Grad Celsius) noch wirkt. Im Winterdienst von Straßen.NRW hat es daher nur geringe Bedeutung.

Eisglätte - überfrierende Feuchtigkeit oder Nässe.

Fahrzeug- und Geräteeinsatz im Straßen.NRW-Winterdienst:

  • 524 Straßen.NRW-eigene schwere LKW und Geräteträger,
  • 163 Unternehmer-LKW (Winterdienstverträge),
  • Schneepflüge und Streuautomaten für die vorgenannten Fahrzeuge,
  • ca. 60 Spezialgeräte wie Schneefräsen und Schneeschleudern zur Beseitigung von Schneeverwehungen und Schneerandwällen.

Geothermie - Nutzung von Erdwärme zur Vermeidung von Glättebildung auf Verkehrsflächen. Hierbei wird die in tieferen Erdschichten oder Grundwasser enthaltene Energie (Temperaturdifferenz zur Oberflächentemperatur) zur Eisfreihaltung genutzt. Hierfür werden Tiefenbohrungen vorgenommen und mittels eines Rohrleitungssystems eine vor Gefrieren geschützte Flüssigkeit zur Energieaufnahme durch die wärmeren Erdschichten gepumpt oder Grundwasser über einen Wärmetauscher die enthaltene Energie entzogen. Anschließend erfolgt die Abgabe der Wärmeenergie über Rohre, die in den Fahrbahnbelag eingelassen sind. Im Rahmen von Forschungs- und Pilotprojekten erfolgen zur Zeit Untersuchungen zur Umsetzung von technischen Lösungen für glätteanfällige Straßenbrücken.

Glättearten - je nach Entstehungsart werden vier Glättearten unterschieden:

  • Reifglätte - Glätte, die durch Gefrieren von Luftfeuchtigkeit auf der Verkehrsfläche entsteht. Häufiges Problem auf Brücken, wenn deren Fahrbahnoberflächen in der Nacht gegenüber der Luft unterkühlen.
  • Eisglätte - Glätte, die durch Gefrieren vorhandener Feuchtigkeit entsteht (häufig auch als "überfrierende Nässe" bezeichnet).
  • Glatteis - Homogene Eisschicht, die durch Eisregen (Temperatur der Regentropfen unter null Grad Celsius) oder durch Regen auf eine unterkühlte Verkehrsfläche entsteht.
  • Schneeglätte - Schneeglätte entsteht durch das Festfahren oder Festtreten einer am Boden vorhandenen Schneedecke

Hagelschauer treten häufiger in Übergangszeiten oder im Sommer bei Gewitter auf. Da diese räumlich begrenzt und teilweise mit großen Niederschlagsmengen auftreten, sind sie eine große Gefahr für den Verkehrsteilnehmer.

Innovationen bei der technischen Ausrüstung zur bedarfsgerechten Streusalzdosierung gibt es regelmäßig. Dabei gilt der Grundsatz: "So wenig wie möglich und soviel wie nötig". Der Einsatz von Feuchtsalz ist Standard. Bei Straßen.NRW wird der Großteil der Streumaschinen mit sogenannten Thermomaten zur automatischen temperaturabhängigen Streusalzdosierung eingesetzt: Ein Infrarotthermometer erfasst berührungslos die aktuelle Fahrbahnoberflächentemperatur; die Streugerätesteuerung setzt die Werte automatisch in eine entsprechende Streudichte für das Streusalz um. Diese Technik wurde in den 90'er Jahren bei Straßen.NRW entwickelt. Eine Begleitstudie in der Schweiz hat das Einsparpotential von 20 bis 25 Prozent bestätigt.

Investitionsmittel des Bundes und des Landes werden gezielt für die Ersatz- und Neubeschaffung eingesetzt, um den aktuellen technischen Standard zur Erreichung eines effektiven und umweltschonenden Winterdienst einzuhalten.

Januar und Februar sind die Hauptwinterdienstmonate.

Kreisstraßen betreut Straßen.NRW im Zuge von Verwaltungsabsprachen und Vereinbarungen mit den entsprechenden Kreisen oder kreisfreien Städten.

Lager - so viel Streugut hat Straßen.NRW eingelagert: Lagerbestand rund 120.000 Tonnen Streusalz.

Meistereien - 29 Autobahn- und 55 Straßenmeistereien sind in NRW außerorts für die Betriebssicherheit der Bundesautobahnen, Bundes- und Landesstraßen sowie zum Teil auch Kreisstraßen verantwortlich.

Niederschlag kann in verschiedenen Formen wie zum Beispiel Niesel, Regen, Schneeregen, Schnee, Schneegriesel, Graupel und Hagel auftreten.

Organisation ist nicht alles, aber Grundvoraussetzung für einen effektiven Winterdienst. Hierzu gehören die Winterdienstroutenplanung nach Dringlichkeit und die tägliche Planung des Bereitschaftsdienstes, die in Abhängigkeit der Wetterentwicklung für das Personal festgelegt wird. Darüber hinaus sind Abstimmungen mit dem Wetterdienst, den Nachbarbezirken und der Polizei erforderlich.

Ortsdurchfahrten im Zuge von Bundes- und Landesstraßen werden im Rahmen von Verwaltungsvereinbarungen auch von den Straßenmeistereien des Landesbetriebes von Eis und Schnee freigehalten.

Personal im Winterdienst: Bei Straßen.NRW stehen rund 2.000 Mitarbeiter für die Winterdienstdurchführung sowie Fahrzeug- und Gerätewartung zur Verfügung.

Qualität bei der Durchführung des Winterdienstes ist Maxime bei Straßen.NRW. Dabei gilt es, ökologische und ökonomische Aspekte zu beachten, um ein größtmögliches Maß an Verkehrssicherheit zu erreichen.

Rechtslage: Es ist keineswegs so, dass eine Gewähr für eis- und schneefreie Straßen besteht. "Die Träger der Straßenbaulast sollen nach besten Kräften ... die Bundesfernstraßen bei Schnee und Eisglätte räumen und streuen" heißt es im Bundesfernstraßengesetz (§3 Absatz 3); eine analoge Bestimmung findet sich im Straßen- und Wegegesetzes Nordrhein-Westfalen (§9 Absatz 3). Auch wenn die Erwartungshaltung an schnee- und eisfreie Straßen meist groß ist, für Autofahrer ist wichtig zu wissen: Eine generelle Streupflicht besteht außerhalb geschlossener Ortschaften nicht. Entsprechend muss jeder Fahrer und jede Fahrerin seine/ihre Fahrweise an die jeweiligen Verhältnisse anpassen.

Streckenlängen - Winterdienststrecken des Landesbetriebes.NRW:

  • Autobahnen: 2.189 Kilometer
  • Bundesstraßen: 4.875 Kilometer
  • Landesstraßen: 12.773 Kilometer
  • Kreisstraßen: 1.036 Kilometer

Sole ist in Wasser aufgelöstes Stein- oder Siedesalz und wird für das Feuchtsalzverfahren zur Anfeuchtung des trockenen Salzes zur Vermeidung von Wehverlusten und in Taumittelsprühanlagen als Taumittel genutzt.

Splitt Splitt und andere abstumpfende Mittel wie Sand, kommen auf den Strecken des überörtlichen Verkehrs wegen der höheren Geschwindigkeiten, die dort gefahren werden, nicht zum Einsatz. Untersuchungen im Auftrage des Umweltbundesamtes aber auch eine Schweizer Studie haben aufgezeigt, dass neben den bekannten ökonomischen Nachteilen durch den wesentlich höheren Aufwand für die Ausbringung und die Aufnahme nach dem Winter, Splitt im Winterdienst keine Alternative zur Salzanwendung darstellt. Die Ökobilanz ergab, dass ein dreifach höherer Primärenergieaufwand gegenüber dem Streusalz benötigt wird.

SWIS - Straßenzustands- und Wetterinformationssystem. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst hat der Landesbetrieb 1987 ein System entwickelt, das eine regionale Prognose der Wetterentwicklung anbietet und heute bundesweit von den Winterdienstorganisationen genutzt wird. Basis des SWIS sind neben den nationalen und internationalen meteorologischen Daten die Messwerte der Glättemeldeanlagen der Bundesländer.

Bei Straßen.NRW sind aktuell rund 200 Glättemeldeanlagen-Messstellen (GMA) im Autobahnnetz und acht im Zuge von Bundes- und Landesstraßen installiert. Hiermit wird der Straßenzustand überwacht. GMA erfassen punktuell auf Brücken und in kritischen Streckenabschnitten

  • meteorologische Daten (Lufttemperatur, relative Luftfeuchte und Niederschlag) und
  • Straßenzustands-Daten (Oberflächentemperatur, Fahrbahn trocken oder feucht und Eisbildung).

Den zuständigen Meistereien stehen alle Daten zur Verfügung und darüber hinaus werden die Messwerte parallel dem Deutschen Wetterdienst (DWD) online übermittelt. Die Meistereien nutzen diese Daten um einen zielgerichteten und gegebenenfalls auch vorbeugenden Winterdiensteinsatz durchzuführen.

Der DWD erstellt unter Einsatz von speziellen Prognosemodellen detaillierte SWIS- Straßenwetterprognosen für klimatisch einheitliche Regionen unterteilt nach Höhenstufen. Die Prognosen sind Basis für die täglich vorzunehmende Personalplanung für den Winterdienstfall (Zeitraum und Personalbedarf) und für die Fahrzeug- und Gerätebedarfsplanung.

Taumittelsprühanlagen - (TMS) TMS versprühen - automatisch über Glättemeldeanlagen-Messstellen gesteuert - in sehr geringer Dosierung Taumittel auf die Fahrbahn. Als Taumittel wird Sole verwendet. Mit diesem Verfahren verfolgt Straßen.NRW den Zweck, die Bildung von Eisglätte zu verhindern und das Anbacken bzw. das Festfahren von Schnee zu unterbinden. Der Schnee soll sich nicht mit der Straßenoberfläche verbinden und somit räumfähig bleiben.

Taumittelsprühanlagen gibt es in NRW an folgenden Standorten:

  • A1: Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal bei Münster-Amelsbüren
  • A1: Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal bei Ladbergen
  • A2: Streckenbereich "Bielefelder-Berg" Länge rund vier Kilometer in beiden Fahrtrichtungen
  • A4: Wiehltalbrücke
  • A4: Talbrücke Elben
  • A30: Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal bei Rheine
  • A43: Autobahnkreuz Münster-Süd, Verbindungsbauwerk von der A43 zur A1
  • A45: zwischen den Anschlussstellen "Hagen-Süd" und "Lüdenscheid-Nord" (Sauerlandaufstieg)
    • Fahrtrichtung Frankfurt durchgehend auf einer Länge von rund sechs Kilometern
    • Fahrtrichtung Dortmund nur auf den vorhandenen vier Brücken
  • A45: von Wetterscheide "Kalteiche" bis Landesgrenze NRW/Hessen auf einer Länge von rund 2,5 Kilometern in beiden Fahrtrichtungen
  • B54n: von Talbrücke Bockenbach bis einschließlich Talbrücke Holenstein

Unterkühlungen von Fahrbahnoberflächen entstehen in den Nachtstunden bei klarem Himmel. Die Fahrbahnoberfläche ist kälter als die darüber befindliche Luftschicht. Hierbei ist besonders bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf Brücken mit der Bildung von Reifglätte zu rechnen.

Verbrauchsmengen Streusalz bei Straßen.NRW

[Grafik: Salzverbrauch 1993-2010]

Verkehrssicherungspflicht gilt auch für Hausbesitzer auf dem Gehweg vor ihrem Grundstück. Dort müssen sie für sichere Verkehrsverhältnisse sorgen. Werktags von 7.30 bis 19 Uhr, an Sonn- und Feiertagen zwischen 9.30 und 19 Uhr müssen Wege von Schnee und Eis geräumt oder mit abstumpfenden Mittel begehbar gehalten werden. Näheres weiß das örtliche Ordnungs- oder Straßenverkehrsamt.

Winterdienstzentrale - die Winterdienstzentrale in Hamm und Krefeld hat folgende Aufgaben:

  • Überwachung des Straßenzustandes mittels Glättemeldeanlagen-Messstellen, Wetterradar und Informationsaustausch mit den zuständigen Autobahnpolizeidienststellen,
  • Einsatzauslösung des Winterdienstes,
  • Winterdienstberatung und Einsatzbegleitung.

Winterreifen haben bei Temperaturen unterhalb von etwa 7 Grad Celsius und bei Eis und Schnee bessere Griffigkeitswerte als Sommerreifen. Der Winterdienst kann nicht zu jeder Zeit an jeder Stelle des Straßennetzes sein. Der Schnee muss erst fallen, bevor er von der Fahrbahn geräumt werden kann. Nach dem Räumvorgang verbleibt immer Restschnee auf der Fahrbahn, welcher erst durch den Verkehr verdrängt werden muss. Das Griffigkeitsangebot ist somit unmittelbar nach der Schneeräumung weiterhin reduziert.

Durch die Nutzung von Winterreifen und durch angepasste Fahrweise werden Unfallrisiken reduziert. Behinderungen durch verunfallte Fahrzeuge oder durch an Steigungen liegen gebliebene Fahrzeuge ziehen im Winter immer wieder erhebliche Verkehrsstaus nach sich. Hierdurch ist natürlich auch der Winterdienst betroffen und behindert. Der Verkehrsteilnehmer kann somit durch die Nutzung von Winterreifen und angepasstes Fahrverhalten sehr viel zur eigenen Sicherheit und zur ungehinderten Winterdienstdurchführung beitragen.

X-beliebig erfolgt der Winterdienst nicht, sondern nach gesetzlichen Vorgaben und dem bundesweit geltenden "Anforderungsniveau Winterdienst", in dem zeitliche und qualitative Festlegungen für Straßen mit entsprechenden Verkehrsfunktionen (zum Beispiel Bundesautobahnen oder "Wichtige Straßen für den überörtlichen Verkehr" usw.) enthalten sind. Die sich hierbei ergebenen Dringlichkeiten und die "Besonderen Gefahrenstellen" werden bei der Routenplanung für den Winterdienst berücksichtigt.

Yeti - Schneemensch, nach unseren Erkenntnissen in NRW nicht heimisch.

Zwei- bzw. mehrstreifige Straßen Straßen werden durch gestaffelten Fahrzeugeinsatz von Schnee frei geräumt. Diese Räumstaffeln sollten nicht überholt werden, damit der Verkehrsteilnehmer sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet.